Lokales FD 14.01.2026

Arbeitslosigkeit steigt nur leicht - Henkel: Ganz so positiv ist es nicht

Fulda – Von Jasha Günther – Die Arbeitslosigkeit im Landkreis Fulda ist im Vergleich zum Vorjahr leicht von 3,7 auf 3,8 Prozent gestiegen, Zu- und Abgänge zeigen aber ein dynamisches Bild. Bei einer Pressekonferenz am Dienstag blickten Vertreter von Arbeitsagentur und Landkreis auf die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt im vergangenen Jahr sowie aktuelle Chancen und Risiken.

Von links: Frank Kamolz, Katharina Henkel, Bernd Woide, Jürgen Stock und Markus Vogt. Foto: Jasha Günther.

„Wir haben in unserem Agenturbezirk die beste Arbeitslosenquote in Hessen“, sagte die neue Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda, Katharina Henkel, in ihrer Begrüßung. Allerdings könne keine Zahl allein erklären, wie es aktuell aussieht auf dem Arbeitsmarkt. Auch wenn der Anstieg der Arbeitslosenquote im Landkreis Fulda im Vergleich zum Vorjahr um 0,1 Prozentpunkte nur geringfügig sei, machte sie deutlich: „Ganz so positiv ist es nicht.“ Im Vergleich zu 2015 sei die Zahl der arbeitslosen Menschen um 29 Prozent gestiegen. In der aktuellen Zahl seien auch die ehemaligen Beschäftigten des im Herbst geschlossenen Goodyear-Werks noch nicht dabei, da sie sich aktuell noch in der Transfergesellschaft befänden. Wie viele von ihnen dann in die Arbeitslosigkeit rutschen, sei noch offen.

„Keine schöne Entwicklung“ sei laut Henken auch, dass auch die Zahl arbeitslos gemeldeten jungen Menschen unter 25 Jahren gestiegen sei (von 536 auf 588). Dafür führte sie gleich eine ganze Reihe Gründe an: In wirtschaftlich schweren Zeiten werde der Einstieg ins Berufsleben schwerer, wer zuletzt gekommen sei, werde meist als erstes wieder entlassen und Einsteigerjobs fielen durch Automatisierung weg. Zudem sei bei jungen Menschen zum Teil zu beobachten, dass sie keine Ausbildung anstreben, sondern lieber direkt Geld verdienen wollen und Helferjobs annehmen. „Der Anstieg der Arbeitslosigkeit liegt eindeutig im Bereich der Arbeitslosenversicherung“, erläuterte Henkel. Dort gab es im Vergleich zum Vorjahr einen Zuwachs um 16,2 Prozent, im Bereich des Kreisjobcenters (Bürgergeldempfänger) hingegen einen leichten Rückgang um ein Prozent.

Zu den positiven Dingen gehöre, dass weiter Bewegung auf dem Arbeitsmarkt herrsche, wie Frank Kamolz, Bereichsleiter Operativ der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda, ausführte: „Wir haben nach wie vor eine enorme Dynamik in der Region Fulda.“ Zwar sei die Zahl der Menschen, die sich aus Beschäftigung heraus arbeitslos gemeldet hätten im Vergleich zum Vorjahr um 8,9 Prozent auf 5507 Personen gestiegen, es aber auch die Abgänge aus der Arbeitslosenversicherung in die Erwerbstätigkeit seien um 6,8 Prozent auf 4285 Personen gewachsen. Die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit habe bei 141 Tagen gelegen und damit deutlich unter dem Hessen- und Bundesschnitt. Auch im Vergleich zum Vorjahr (147 Tage) sei die Dauer gesunken. „Das liegt an den gestiegenen Chancen“, erklärte Kamolz, denn der Fachkräftebedarf sei weiter hoch und während manche Unternehmen Insolvenz anmelden müssen, würden andere weiter händeringend Mitarbeiter suchen.

Insgesamt habe sich die Zahl der gemeldeten Stellen im Landkreis Fulda innerhalb der vergangenen Zehn Jahre fast halbiert. Auch im Vergleich zum Vorjahr gab es einen Rückgang um 15,3 Prozent. Besonders betroffen sei die Branche der Autozulieferer. Zuwächse hätte es hingegen in der Logistikbranche gegeben und im Bereich Gesundheit sei die Nachfrage konstant hoch. Eine große Diskrepanz gibt es zwischen der Qualifikation, die die Arbeitslosen aufweisen und die die Arbeitgeber suchen. Nicht nur, dass Helfer über die Hälfte der Arbeitslosen ausmachen, aber nur in 16 Prozent der offenen Stellen gesucht werden. Auch die knapp 1500 arbeitslosen Fachkräfte decken nicht immer die Bereiche ab, die von den Arbeitgebern gesucht werden. „Wir wollen es lösen über Qualifizierung“, sagte Kamolz und dies gelinge auch schon sehr erfolgreich – entweder durch vorgelagerte Maßnahmen oder Qualifizierung innerhalb eines Beschäftigungsverhältnisses. Henkel ermutigte Betriebe, diesen Weg zu gehen und sich über entsprechende Fördermöglichkeiten zu informieren. Wenn Unternehmen ihre Personalsuche und -planung nicht anpassen, bestünde das Risiko, dass sie ihren Fachkräftebedarf dann nicht mehr decken können.

Integrationsquote von Leistungsbeziehern in Beschäftigung über Hessenschnitt
Jürgen Stock, Fachbereichsleiter Arbeit und Soziales beim Landkreis Fulda, blickte auf die Entwicklungen bei der Zahl und Zusammensetzung der Bürgergeldempfänger, von denen knapp die Hälfte arbeitslos gemeldet ist. Die andere Hälfte bezieht entweder Leistungen, weil das Einkommen aus der vorhandenen (Teilzeit-)Beschäftigung zu gering ist, oder steht dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung, beispielsweise wegen Betreuungstätigkeiten oder Qualifizierungsmaßnahmen. Als sehr erfreulich bezeichnete Stock die aktuelle Integrationsquote des Kreisjobcenters. In 2025 hätten 1692 erwerbsfähige Leistungsberechtigte in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, Ausbildung oder Selbständigkeit vermittelt werden können – das bedeute eine Integrationsquote von 25,5 Prozent (Hessen: 21,1 Prozent). Von diesen Menschen hatten 32 Prozent einen Migrationshintergrund aus den acht Asylherkunftsländern und 22 Prozent aus der Ukraine. In der Kundengruppe des Kreisjobcenters machten Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit in 2025 rund 41 Prozent aus, etwa 23 Prozent sind aus der Ukraine geflohen, rund 25 Prozent kommen aus den acht Asylherkunftsländern und der Rest kommt überwiegend aus EU-Ländern und der Türkei. Herausforderung bei der Vermittlung seien oft die noch nicht vorhandenen Sprachkenntnisse. Landrat Bernd Woide sagte zum Thema Migration: „Es schafft Probleme, aber ohne würde es nicht gehen.“ Wichtig sei unabhängig von der Nationalität, dass die Motivation zum Arbeiten da sei.

Um noch mehr Menschen in Beschäftigung zu führen, setzt das Kreisjobcenter auf Sozialraumorientierung. „Ziel ist, die Leute dort abzuholen, wo sie wohnen“, erklärte Markus Vogt, Fachdienstleister Kommunaler Arbeitsmarkt beim Landkreis Fulda. In verschiedenen Kommunen wurden 2025 bereits Projekte, wie zum Beispiel Jobmessen mit lokalen Arbeitgebern und Leistungsbeziehern, durchgeführt. In Eiterfeld gab es zudem ein über mehrere Monate angelegtes Regionalprojekt. Die geplante Bürgergeldreform der Bundesregierung sieht Stock als Chance, sie könne helfen, dass eine bessere Termintreue gebe. „Damit versprechen wir uns eine bessere Zusammenarbeit mit unseren Kunden“, so Stock. Zu den Herausforderungen in 2026 könnte gehören, dass die Integration von Menschen mit niedrigem Qualifikationsniveau schwerer werde, wenn durch die wirtschaftliche Lage mehr Menschen mit höherem Qualifikationsniveau auf den Arbeitsmarkt kommen.