„Sorgen bereitet uns derzeit vor allem die Entwicklung der Auftragseingänge in den Betrieben, die - wie bereits im Vorquartal - rückläufig ist. Die Auftragslage ist ein wichtiger Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung. Eine nachhaltige Trendwende ist vor diesem Hintergrund derzeit nicht zu erwarten, zudem auch von der Wirtschaftspolitik bislang kaum belebende Impulse ausgehen. Der angekündigte Kurswechsel lässt weiterhin auf sich warten“, erklärt Frank Dittmar, Präsident der Handwerkskammer Kassel.
Unterschiedliche Entwicklung in den Branchen
Die insgesamt stabile Geschäftslage im Gesamthandwerk zeigt sich nicht in allen Gewerken gleichermaßen. Insbesondere die handwerklichen Zulieferer spüren weiterhin die anhaltenden Schwierigkeiten der Industrie, was sich unter anderem in rückläufigen Umsätzen widerspiegelt. Im Bauhauptgewerbe sind vor allem auf den Neubausektor spezialisierte Betriebe von der Zurückhaltung im Wohnungsbau betroffen, die durch das derzeitige Zinsniveau zusätzlich verstärkt wird. Zudem setzt die anhaltende Konsumzurückhaltung vielen stark von Privatkunden abhängigen Betrieben zu - insbesondere in den Nahrungsmittelhandwerken.
Positiv entwickelt hat sich die Stimmung in den Kfz-Betrieben. Auch die Betriebe der Ausbauhandwerke blicken weiterhin überwiegend zufrieden auf ihre aktuelle Geschäftslage.
Rückläufige Auftragseingänge
Im Berichtsquartal musste nahezu jeder dritte der befragten Betriebe (32 Prozent) sinkende Ordereingänge hinnehmen. Lediglich 15 Prozent konnten mehr Aufträge verbuchen. Besonders betroffen waren das Bauhauptgewerbe und die gewerblichen Zulieferer.
Die Umsätze entwickelten sich hingegen wieder etwas besser als im Herbstquartal, von Zufriedenheit ist jedoch noch nichts zu spüren, denn immer noch meldetet mehr als jeder vierte der Befragten rück- läufige Umsätze. Der leichte Positivtrend dürfte sich jedoch in den kommenden Monaten weiter fortsetzen.
Auslastung und Beschäftigung
Die schwächere Geschäftslage spiegelt sich auch in der Betriebsauslastung wider. Im Durchschnitt aller Handwerksbranchen sank diese in den vergangenen drei Monaten um drei Prozentpunkte auf 75,7 Prozent. Die Auftragsreserven lagen zum Jahresende bei durchschnittlich 8,5 Wochen und damit auf dem Niveau des Vorquartals. Die Beschäftigungsentwicklung verlief trotz saisonaler Einflüsse nur leicht negativ. 13 Prozent der Betriebe beschäftigten weniger Personal, während elf Prozent einen Personalzuwachs verzeichneten. Gleichzeitig hielten 76 Prozent der Betriebe an ihrer Belegschaft fest.
Ausblick
„Ein kleiner Hoffnungsschimmer, aber noch keine wirkliche Zuversicht, sind die etwas besseren Erwartungen der Betriebe für die kommenden Monate. Die Zukunftsaussichten werden weniger pessimistisch eingeschätzt, als es die aktuellen Indikatoren vermuten lassen. 18 Prozent der Betriebe (Vorquartal: 15 Prozent) rechnen mit einer Verbesserung der Geschäftslage, während 19 Prozent (21 Prozent) eine Verschlechterung erwarten. Für eine nachhaltige Trendwende sind jedoch mehr Mut und Umsetzungskraft bei Reformen und Entlastungen erforderlich. Verlässliche und stabile Rahmenbedingungen sind dafür unerlässlich“, betonte Dittmar abschließend.
