Mit einer ebenso persönlichen wie wissenschaftlich fundierten Eröffnung ist am Donnerstag die Kabinettausstellung „Willibrord zu Gast – Mittelalterliche Klöster im Dialog“ in der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars gestartet. Die Ausstellung ist das Ergebnis jahrzehntelanger Zusammenarbeit zwischen Fulda und Luxemburg und zeigt erstmals eine Auswahl bedeutender mittelalterlicher Handschriften aus der Bibliothèque nationale du Luxembourg.
„Diese Ausstellung basiert auf fast 30 Jahren gewachsener Beziehungen“, betonte Dr. Alessandra Sorbell Staub bei der Begrüßung der Gäste. Sie dankte allen Beteiligten für ihr Engagement und verwies auf die organisatorischen Herausforderungen, die mit dem Transport der empfindlichen Exponate verbunden waren. Schnee und schwierige Witterungsbedingungen hatten die Anlieferung der wertvollen Stücke zusätzlich erschwert.
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die historischen Verbindungen zwischen den Klöstern Fulda und Echternach. Beide Einrichtungen wurden im 8. Jahrhundert von den Missionaren Bonifatius und Willibrord gegründet und entwickelten sich zu bedeutenden religiösen und kulturellen Zentren. Zahlreiche Urkunden und Handschriften belegen den regen Austausch zwischen den beiden Klöstern über Jahrhunderte hinweg.
Die Ausstellung spannt dabei einen zeitlichen Bogen vom frühen Mittelalter bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ziel sei es, die Schrift- und Gelehrtenkultur Luxemburgs exemplarisch darzustellen und in einen größeren europäischen Zusammenhang einzuordnen, erklärte Sorbell Staub.
Konzipiert wurde die Ausstellung von Dr. Thomas-Jacques Falmagne aus Luxemburg, der die Exponate persönlich nach Fulda brachte. Gemeinsam mit dem Fuldaer Handschriftenexperten Dr. Tönnies war er maßgeblich an der Erschließung der Bestände beteiligt. Das zugrunde liegende Forschungsprojekt wurde mit dem Gütesiegel der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet.
In seinem Festvortrag zur Eröffnung ging Falmagne auf die historischen Hintergründe der Zusammenarbeit ein. Besonders beleuchtete er die komplexe Beziehung zwischen Willibrord und Bonifatius. Ob beide enge Weggefährten oder eher Konkurrenten waren, lasse sich aufgrund der widersprüchlichen Quellen nicht eindeutig klären. Briefe, Chroniken und Heiligenviten zeichneten ein vielschichtiges Bild ihrer Zusammenarbeit.
Zu sehen sind in der Ausstellung vor allem handgeschriebene Unikate aus dem 9. bis 16. Jahrhundert. Die Werke wurden auf Pergament gefertigt, also auf Tierhaut, und waren bereits zur Entstehungszeit äußerst kostbar. Feinste Federzeichnungen und seltene Illustrationen geben Einblick in die hohe Kunst mittelalterlicher Buchproduktion. Ergänzt wird die Präsentation durch hochwertige Faksimiles, um die empfindlichen Originale zu schützen.
Viele der ausgestellten Handschriften waren bislang nur Forschenden zugänglich. „Sie waren der Öffentlichkeit bis jetzt nicht zugänglich und sicher eingeschlossen“, erläuterte Sorbell Staub. Mit der Ausstellung sollen sie nun erstmals einer breiten Öffentlichkeit präsentiert werden. Die wissenschaftliche Betreuung übernimmt unter anderem das Institut Bibliotheca Fuldaensis, das sich seit Jahren mit der Geschichte der ehemaligen Klosterbibliothek Fulda befasst. Damit knüpft die Stadt erneut an ihre lange Tradition als Ort der Gelehrsamkeit an.
Die Ausstellung „Willibrord zu Gast – Mittelalterliche Klöster im Dialog“ ist noch bis zum 6. März 2026 im Ausstellungsraum der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars (Domdechanei 4, 2. Obergeschoss) zu sehen. Der Eintritt ist frei. Sonderführungen und Gruppenbesuche sind auf Anfrage möglich.
