Lokales FD 26.02.2026

Schneller beim kleinsten Patienten: Neues Einsatzfahrzeug vorgestellt

Fulda – Von Janosch Hensel – Wenn ein Neugeborenes in Not gerät, zählt jede Minute. Um die Notfallversorgung von Früh- und Risikogeborenen weiter zu verbessern, intensivieren der DRK Kreisverband Fulda und das Klinikum Fulda ihre Zusammenarbeit. Ein neues, speziell ausgestattetes Zubringerfahrzeug sorgt dafür, dass der diensthabende Neonatologe im Ernstfall noch schneller am Einsatzort ist – mit Blaulicht und modernster Technik.

Von links: Michael Wilhelm (Vorstand Administration am Klinikum Fulda), Dr. Thomas Menzel, Prof. Dr. Reinald Repp, Christoph Schwab und Heinz Peter Salentin (Prokurist und Leiter Geschäftsbereich Rettungsdienst beim DRK Fulda). Foto: Janosch Hensel

Von links: Michael Wilhelm (Vorstand Administration am Klinikum Fulda), Dr. Thomas Menzel, Prof. Dr. Reinald Repp, Christoph Schwab und Heinz Peter Salentin (Prokurist und Leiter Geschäftsbereich Rettungsdienst beim DRK Fulda). Foto: Janosch Hensel

„Es ist tatsächlich wieder ein besonderer Tag – gar nicht so sehr für uns, sondern für die jüngsten Patienten, die wir hier im Klinikum behandeln, nämlich die Neugeborenen“, betonte Priv.-Doz. Dr. Thomas Menzel, Sprecher des Vorstands des Klinikums Fulda. Während Kinder, die im Klinikum zur Welt kommen, unmittelbar nebenan in der Kinderklinik bestens versorgt seien, stelle sich die Situation außerhalb anders dar: „Neugeborene, die in anderen Kliniken oder auch zu Hause entbunden werden und bei denen es während oder kurz nach der Geburt Probleme gibt – da kommt es wirklich auf jede Minute an.“

Bereits seit Längerem ist am Klinikum ein speziell konzipierter Baby-Krankentransportwagen (Baby-KTW) des DRK stationiert. Dieses Fahrzeug ist mit umfangreicher Medizintechnik und spezieller Federung für den sicheren Transport von Inkubatoren ausgestattet. Im Notfall rückt ein Team aus Neonatologe, Kinderkrankenschwester sowie zwei Rettungsdienstmitarbeitern aus. Neu ist nun das zusätzliche Einsatzfahrzeug für den diensthabenden Spezialisten. Das Prinzip ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: „Wenn Sie als Facharzt für die Versorgung von Neugeborenen Dienst haben, nehmen Sie dieses Auto mit nach Hause“, erklärte Menzel. „Und wenn nachts der Anruf kommt, weil es Komplikationen gibt, setzen Sie sich hinein, schalten das Blaulicht ein und fahren direkt zum Einsatzort.“ Dadurch verkürze sich die Zeit bis zum Eintreffen des Experten erheblich. „Das ist der entscheidende Vorteil. So schaffen wir mehr Sicherheit für unsere kleinsten Mitbürgerinnen und Mitbürger – direkt nach der Geburt.“

Auch Prof. Dr. Reinald Repp, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, unterstrich die medizinische Tragweite. Das Klinikum sei Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe und betreibe bereits ein Baby-Notarztsystem. „Formal haben wir damit alles erfüllt“, sagte Repp. „Aber wir haben hier in der Region lange Wege.“ Bislang habe der Hintergrunddienst nachts oft erst von zu Hause in die Klinik fahren müssen, um von dort mit dem Baby-KTW auszurücken. „Jetzt können unsere erfahrenen Neonatologinnen und Neonatologen mit Sondersignal direkt dorthin fahren, wo der Einsatz ist.“ Die Zeitersparnis sei enorm: „Wir verkürzen die Einsatzzeit von vielleicht 20 Minuten plus/minus nachts auf etwa fünf Minuten“, so Repp. Und das könne lebensentscheidend sein. „Wir wissen: Wenn ein Mensch fünf Minuten keinen Herz-Kreislauf hat, kann das Gehirn irreversibel geschädigt sein. Rund um die Geburt gibt es trotz aller Fortschritte immer noch unkalkulierbare Notfallsituationen.“ Als Beispiel nannte er eine vorzeitige Plazenta-Lösung, bei der das Kind im Mutterleib plötzlich nicht mehr ausreichend versorgt wird. „Da zählt jede Minute. Und dafür ist es ein Segen, dass wir jetzt ohne Zeitverlust vor Ort sein können.“

Christoph Schwab, Vorstandsvorsitzender des DRK-Kreisverbands Fulda, stellte vor allem die konzeptionelle Weiterentwicklung heraus: „Bei diesem Konzept kommt es auf wenige Faktoren an: Zeit – das ist das Wichtigste – und natürlich qualifiziertes Personal.“ Es gehe nicht um eine große Zahl von Einsätzen, sondern um besonders sensible. „Das sind vielleicht nicht viele Einsätze, aber es sind mit die wichtigsten. Es geht hier wirklich darum, Leben zu retten.“ Entscheidend sei das Zusammenspiel von Mensch und Material: „Im Ernstfall kommt es auf das Personal an, nicht nur auf die Technik. Aber jetzt haben wir alles zur Verfügung gestellt, damit beides optimal zusammenarbeiten kann.“ Mit dem zusätzlichen Fahrzeug werde die Komponente Zeit „entscheidend verkürzt – und hier zählt jede Sekunde“.

Bei dem neuen Fahrzeug handelt es sich um einen Ford Kuga 2,5 Duratec PHEV Automatik mit 243 PS. Ausgestattet mit moderner Sondersignalanlage, Digitalfunk und spezieller medizinischer Ausrüstung ist es exakt auf die Anforderungen der Neugeborenen-Notfallversorgung zugeschnitten. Für Klinikum und DRK ist das neue Einsatzfahrzeug aber weit mehr als nur eine technische Ergänzung. Es ist ein weiterer Baustein in einer eng verzahnten Rettungskette – mit einem klaren Ziel: hochspezialisierte Medizin so schnell wie möglich dorthin zu bringen, wo sie gebraucht wird. Zu den Kleinsten. Und Verletzlichsten.

Vorstellung des neuen Einsatzfahrzeuges für Neugeborene. Fotos: Janosch Hensel