Lokales HEF 04.02.2026

Richelsdorfer Mordprozess – Angeklagter gesteht: Tötung in Notwehr

Fulda – Von Justin Klenner – Am Landgericht Fulda wurde am Dienstag der Prozess gegen einen 51-jährigen Mann aus Thüringen fortgesetzt. Ihm wird vorgeworfen, in der Nacht vom 28. auf den 29. Juni vergangenen Jahres ein ihm bekanntes älteres Ehepaar in dessen Haus in Richelsdorf getötet und die Leichen anschließend in einem nahegelegenen Waldstück abgelegt zu haben. Am dritten Prozesstag äußerte sich der Angeklagte selbst und gestand, die Tötung – er legte in seiner detaillierten Darstellung jedoch dar, dass er aus Notwehr gehandelt habe.

Fotos: Justin Klenner.

Im Zuschauerbereich waren auch am dritten Prozesstag alle Plätze besetzt. Der Angeklagte schilderte, wie er das Ehepaar im Zuge seiner Arbeit 2017 kennengelernt und danach immer wieder kleinere Aufträge in dessen Haus ausgeführt habe. „Wir hatten immer ein gutes und freundliches Verhältnis“, erläuterte der Angeklagte. Im Mai 2025 habe er einen weiteren Auftrag im Haus der Opfer erhalten und dafür vor Ort ein Fenster vermessen. Im Juni hätte der Auftraggeber ihn telefonisch gebeten, nochmal vorbeizukommen, da seine Frau eine weitere Aufgabe habe. Am Abend des 28. Juni sei der 51-Jährige mit dem Auto seiner Schwester zunächst zu einer anderen Baustelle und dann zu dem Ehepaar gefahren. Gegen 21 Uhr habe er das Haus in Richelsdorf erreicht. Er habe die Wünsche der Frau, die eine Wand im Haus begradigt haben wollte, notiert.

Nach einem gemeinsamen Abendessen habe dann der Mann versucht, dem Angeklagten ein Moped zu verkaufen. Ihm seien weitere Fragen zu einem Ölofen und neuen Fliesen in einem Nebenraum, dem späteren Tatort, gestellt worden. Dann habe der Mann ihm noch ein Dreirad verkaufen wollen. Er habe geantwortet „Mit dem geklauten Ding fahre ich nicht rum“, sagte der Angeklagte. Daraufhin sei die Stimmung gekippt und er habe dem Ehepaar berichtet, dass es durch die Firma über Jahre um hohe Geldsummen gebracht worden sei. „Die Firma hat nicht nur das Ehepaar verarscht“, sagte der 51-Jährige vor Gericht. Die Stimmung habe sich aufgeheizt, der Ehemann soll ihn angeschrien haben, dass er „genauso ein Hund“ wie sein Chef sei und ihn mit der flachen Hand geschlagen haben. Er selbst habe den Mann und dann auch die Frau, die begonnen habe auf ihn einzuschlagen, daraufhin geschubst, schilderte der Angeklagte weiter. Die Frau sei gestürzt und der Mann habe nach einem Messer gegriffen und ihm gedroht. Um sich zu verteidigen, habe er nach dem Arm des Mannes gegriffen und sie hätten auf dem Boden gerangelt. „Er hat mir mit seinem Arm das Kinn hochgedrückt, so dass ich keine Luft mehr bekam“, berichtete der Angeklagte. Daraufhin habe er das Küchenmesser genommen und auf den Mann und auf die Ehefrau, die zur Hilfe eilte und erneut auf ihn eingeschlagen habe, eingestochen.

Im Anschluss habe der Angeklagte den Raum verlassen und kurz überlegt die Polizei zu rufen. „Ich dachte mir aber, das glaubt mir eh keiner“, sagte er. Stattdessen sei er durchs Haus gegangen, um nach dem 40-jährigen Sohn des Ehepaars zu sehen. „Der hat aber ruhig im Bett gelegen“, sagte der 51-Jährige vor Gericht. Er habe sich eine Jacke des Opfers genommen, um die Blutflecken auf seiner Kleidung zu verdecken, dann sei er nach Hause gefahren, wo seine Schwester und ein Bekannter auf ihn gewartet hätten. Er habe sie etwas aus dem Auto holen lassen, dieses aber selbst nicht verlassen und sei zurück zum Haus des Ehepaars gefahren, wo der Sohn mittlerweile wach gewesen sei. „Er saß in der Küche mit dem Telefon in der Hand. Ich habe ihm das Telefon abgenommen und ihn ins Bett geschickt“, sagte der Angeklagte. Im Haus habe er versucht, seine Spuren auf sämtlichen Oberflächen zu beseitigen, das sei aber nicht gelungen. „Ich habe es aber viel schlimmer gemacht“, sagte er. Anschließend habe er einen Anhänger aus der Garage geholt und die Leichen aufgeladen. Da das Moped nicht angesprungen sei, habe er es mit dem Anhänger den Hang runter zu einer Bushaltestelle geschoben und dort stehen lassen, um selbst nach Hause zu fahren und dort zu recherchieren, wie er das Fahrzeug zum Laufen bringen könne. Dann sei er zurück und mit dem Moped samt Anhänger in ein Waldstück gefahren, wo er das Ehepaar abgelegt und unter Ästen und Gestrüpp versteckt habe. Den Anhänger habe er einige Meter entfernt entsorgt. Wenige Tage später habe er andere Gegenstände in die Werra geworfen. „Ich dachte mir immer wieder, das ist doch nicht passiert“, sagte der Angeklagte: „Ich verzeihe mir nicht, dass es passiert ist. Mir tut es unsagbar leid. Ich bin maßlos enttäuscht von mir selbst“.