Als Lohsse mit dem „Kistchen“, wie es Moderator Horst Lichter zunächst liebevoll nannte, auftauchte, vermutete er einen Pferdeliebhaber dahinter. So war es nicht. Lohsse stellte sich in der Sendung vor, sei früher im Fußballbereich unterwegs gewesen, genieße heute aber die Zeit im Freien oder auf dem Fahrrad. „Tiere sind toll, aber ich bin nicht direkt Pferdeliebhaber“, gab er an. Das Zigarren-Etui habe er für schlappe fünf Euro erworben, sei selbst kein Raucher. „Aber es hat mich irgendwie gefesselt“, so der Ex-Trainer des TSV Lehnerz. Und er machte ein Riesen-Geschäft.
Schmuckexpertin Dr. Heide Rezepa-Zabel begutachtete das Etui in der Sendung genau und stellte fest, dass es sich um 935er Silber handelt – höher als der damalige Mindestgehalt in Deutschland. Dadurch korrodiere es weniger, sei empfindlicher. Sie gab angesichts eines Stempels an, dass der Gegenstand aus der damaligen Silbermanufaktur Louis Kuppenheim aus Pforzheim stamme, die in den 30er Jahren während des Krieges aufgrund jüdischen Glaubens geschlossen wurde. Bis dahin sei das Unternehmen weltweit führend in der Emaille-Kunst gewesen, so die Expertin. Außerdem sei die Verarbeitung hochwertig, wenn auch ein, zwei kleine Kratzer zu sehen waren. Die Farbe sei in mehreren Schichten eingebrannt, dadurch habe das Motiv eine „wunderschöne Tiefe“. Das Bild sei nicht nur eine Standpose, sondern ein echtes Charakterportrait. Abgebildet ist ein Englisches Vollblut. Sie vermutete, dass das Etui aus den 1920ern oder -30ern stammt, als ein luxuriöser Lifestyle zwischen den Weltkriegen vorherrschte. Die Expertin schätzte den Silberpreis selbst auf 130 Euro, das Etui ist zusätzlich innen noch etwas vergoldet, sodass sie den Marktwert insgesamt auf 600 bis 800 Euro ansetzte.
„Das ist schön zu hören“, freute sich Lohsse, der anschließend mit dem Schmuckstück vor die Händler trat. Schnell erkannten diese die Silber-Verarbeitung. „Ein gefälliges Motiv, das lässt sich gut verkaufen“, stellte Händler David Suppes fest, und bot auch fleißig mit: „Ich hätte Lust darauf, habe Käufer dafür, die auch die Geschichte der Firma Kuppenheim wertschätzen“. Begonnen wurde bei 100 Euro, Lohsse gab später noch Impulse und hoffte, dass die Händler nach oben gehen. Bei 400 wollte Suppes aufhören, Lohsse hätte gerne 500 Euro gehabt, kam ihm dann aber bis auf 440 Euro entgegen. Immerhin: Das Fünf-Euro-Schnäppchen hatte sich gelohnt, und er freute sich hinterher in der Sendung: „Ich werde etwas Essen gehen und das Geld für die Urlaubskasse nutzen, um mir ein paar schöne Tage zu machen“.
Zu sehen ist die Sendung vom 27. Februar in der ZDF-Mediathek unter: https://www.zdf.de/play/shows/bares-fuer-rares-104/bares-fuer-rares-vom-27-februar-2026-100
