„Mit dem Amt als Landrat kannst du was machen – aber das Amt macht auch was mit dir“, sagt Woide. Dabei hätten ihm die Bedingungen im Kreis Fulda über die 20 Jahre hinweg die Arbeit leichter und angenehmer gemacht: „Ich hatte immer eine strukturelle Mehrheit.“ So hatte Woide stets auch gewissen Einfluss darauf, wer sein Stellvertreter wurde, der vom Kreistag gewählt wird. „Das macht die Zusammenarbeit dann natürlich einfacher und vertrauensvoller." Das Schöne am Job sei die Abwechslung. „Langweilig wird es nie“, sagt Woide: „Jeden Tag kommt irgendwas, mit dem du nicht gerechnet hast – im Positiven, wie im Negativen. Aber das macht es natürlich auch immer interessant.“ Neben vielen kleinen Dingen waren da in den vergangenen Jahren auch einige große Herausforderungen dabei, wie zum Beispiel die Flüchtlingssituation 2015 und die Corona-Pandemie mit allem, was dazu gehörte – von Kontaktnachverfolgung bis Errichtung eines Impfzentrums.
Dass Landräte lange im Amt bleiben, ist in Fulda nichts Neues. Die Zahl der Amtsvorgänger seit 1945 ist überschaubar: Georg Stieler hatte das Amt bis 1953 inne, ihm folgte Eduard Stieler, der den Kreis unter anderem durch die Gebietsreform 1972 führte und bis 1973 Landrat blieb. Woides Vorgänger Fritz Kramer war 32 Jahre im Amt – „da sind 20 Jahre nichts dagegen“, lacht der 63-Jährige, der sich noch gut an die Zeit rund um den Amtswechsel erinnert. Auf der großen Verabschiedungsfeier von Kramer hätten die auftretenden Komiker gewitzelt, dass sie erst jetzt erfahren hätten, dass man Landräte auch wählen könne. Woide stammt aus dem Raum Hannover. Dass jemand ein so hohes administratives Amt übernehme, ohne schon länger in der Region heimisch zu sein, sei allgemein eher unüblich, in Fulda aber nicht ganz so ungewöhnlich. Auch Kramer sowie die Fuldaer Oberbürgermeister Alfred Dregger, Dr. Wolfgang Hamberger und Dr. Alois Rhiel sind keine gebürtigen Fuldaer.
Woide kam 1999 als Bürgermeister nach Fulda. Von 2003 bis 2006 war er dann Erster Kreisbeigeordneter des Landkreises Fulda, sodass er nicht nur die Region, sondern auch die Kreisverwaltung bei seinem Amtsantritt als Landrat schon kannte. „Es ist auch wichtig, dass man ein Gefühl für die Region entwickelt“, findet Woide. Der Kreis Fulda sei geprägt durch den ländlichen Raum. „Und das ist auch ein Hauptbetätigungsfeld eines Landrats. Mit seiner Natur und Landschaft hat der ländliche Raum natürlich viel Schönes, aber eben auch seine Herausforderungen mit Themen, wie Arbeitsplätze, Bildung und Breitband.“ Ein starkes Oberzentrum wie Fulda zu haben, sei ein Vorteil und bei allen Problemen, die Unternehmen auch in der Region haben, sei die Arbeitslosenquote im Vergleich immer noch niedrig, die Ausbildungsquote hoch und auch der ländliche Raum wirtschaftlich prosperierend. Dem Kreis sei wichtig, den ländlichen Raum lebenswert zu machen und Menschen dort zu halten. Dazu gehören ganz viele Aspekte – zum Beispiel auch dafür zu sorgen, dass das Angebot von gut ausgestatteten Schulen jeglicher Formen auch in der Fläche vorhanden ist. Das Kreisstraßennetz und der Radwegeausbau, bei dem der Kreis die Kommunen unterstützt, sind weitere wichtige Themen. „Das sind Strukturaufgaben, um die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft so aufzustellen, dass es nicht nur Sinn, sondern auch Spaß macht, hier wirtschaftlich tätig zu sein. Ich glaube, das ist uns in den letzten Jahren ganz gut gelungen“, so Woide.
Zur Person Bernd Woide
Nach der mittleren Reife, der Ausbildung zum Verwaltungsangestellten und dem Besuch der Fachoberschule für Verwaltung und Rechtspflege sowie dem Grundwehrdienst hat Woide ein Studium zum Diplom-Verwaltungswirt sowie ein Studium der Rechtswissenschaften absolviert. Nach der ersten juristischen Staatsprüfung folgte nach dem juristischen Vorbereitungsdienst mit Studium an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer die zweite juristische Staatsprüfung mit der Befähigung für den höheren allgemeinen Verwaltungsdienst und für das Richteramt. Von 1995 bis 1999 war Woide Beigeordneter der Stadt Schmalkalden, dann folgte der Wechsel nach Fulda – zunächst als Bürgermeister, von 2003 bis 2006 dann als Erster Kreisbeigeordneter. Seit Februar 2006 ist er Landrat.
