Lokales FD 10.02.2026

Krisenvorbereitung und Wahlen – Woide: Wichtig, wählen zu gehen

Fulda – Von Jasha Günther – In Berlin waren Anfang Januar nach einem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke Zehntausende Haushalte mehrere Tage ohne Strom. Um auf solche und andere Krisen vorbereitet zu sein, gibt es beim Landkreis Übungen und Austausch mit anderen Stellen. Aber es sei auch jeder Bürger selbst gefordert, vorzusorgen, macht Landrat Bernd Woide deutlich. Im Redaktionsgespräch mit Osthessen-Zeitung spricht er zudem über den Wert von Frieden und Freiheit, die Rolle der Bundeswehr in der Gesellschaft und den Stellenwert von Kommunalpolitik.

Von links: OZ-Redakteur Jasha Günther, OZ-Chefredakteur Ralph Görlich, Landrat Bernd Woide, Pressesprecherin Anna-Lena Bieneck. Fotos: Christine Görlich.

Von links: OZ-Redakteur Jasha Günther, OZ-Chefredakteur Ralph Görlich, Landrat Bernd Woide, Pressesprecherin Anna-Lena Bieneck. Fotos: Christine Görlich.

Vorbereitung auf Krisen sei etwas, das der Bevölkerung wieder bewusster gemacht werden müsse, findet Woide. „Schwierige Lagen zeigen sich nicht erst in einem Krieg. Was ist denn, wenn über längere Zeit flächendeckend der Strom ausfällt“, sagt der Landrat: „Die RhönEnergie ist sehr gut vorbereitet, aber man kann so etwas nie zu 100 Prozent ausschließen.“ Und wenn es zu so etwas wie beispielsweise Anfang Januar in Berlin komme, sei zunächst erstmal jeder selbst gefordert. „Da wird nicht der Landrat kommen und Nudeln bringen oder einen Gaskocher. Darum muss jeder sich selbst kümmern“, macht Woide deutlich. Abgepacktes Mineralwasser, ein paar haltbare Lebensmittel wie Nudeln und Konserven, ein Kurbel- oder Batterieradio, Taschenlampe, Kerze, Feuerzeug und Streichhölzer seien Dinge, die jeder zu Hause haben sollte. „Es geht nicht darum, Panik zu verbreiten. Sondern darum, zu vermitteln, wie wichtig es ist, gut vorbereitet zu sein“, unterstreicht Woide. In Krisensituationen wie Stromausfällen sei Eigenverantwortung gefragt.

Gleichzeitig stehe die Verwaltung in der Verantwortung, sich auf kommunaler Ebene auf solche möglichen Ereignisse vorzubereiten und entsprechende Strukturen zu schaffen. „Das wird auch geübt“, berichtet Woide. Wie arbeiten Verwaltungsstab und Koordinierungsgruppe, wie wird der Kontakt zu den Kommunen gehalten – solche Dinge können geplant und durchgespielt werden. „Das Land hat uns dabei unterstützt, hierfür Strukturen zu schaffen“, sagt Woide. Hierbei helfe der Austausch mit Menschen, die solche Krisen auf kommunaler Ebene andernorts miterlebt und begleitet haben. Dabei gehe es dann auch um ganz praktische Dinge, wie beispielsweise die Frage: Wie kann der Kreis Informationen an Bürgermeister übermitteln, wenn Telefon- und Handynetz nicht funktionieren und es kein Internet gibt?

Woide: Für mich gehören Frieden und Freiheit, aber auch Wehrfähigkeit zusammen

Innere und äußere Sicherheit, damit die Menschen in Deutschland weiter in Frieden und Freiheit leben können, sind in erster Linie Themen des Bundes und nicht der Kommunen. „Ich halte es für völlig normal, dass ein Staat sagt: Wir müssen verteidigungsfähig sein.“, sagt Woide. Dieses Denken sei in Deutschland über die Jahre verloren gegangen. Seit 80 Jahren gab es in Deutschland formal keinen Krieg mehr, solch lange Phasen des Friedens gab es vorher nie. „Wie erklärst du einer jüngeren Generation den Wert von Frieden und Freiheit, die – Gott sei Dank – nie im Krieg gelebt hat und nie unfrei war?“, stellt Woide in den Raum. „Natürlich ist das schwierig. Gleichzeitig zeigt uns die weltpolitische Lage aber, dass Frieden und Freiheit nicht selbstverständlich sind, sondern dass wir sie schützen müssen“, sagt Woide: „Dazu gehört unsere Wehrfähigkeit.“ Es müsse wieder ein größerer Fokus auf zivile Verteidigung gelegt werden, die Bundeswehr müsse wieder integraler Teil der Gesellschaft werden. Die Wehrpflicht halte er für einen richtigen Schritt. Auch ein Bundeswehrstandort im Kreis sei für ihn durchaus eine Option.

Kommunalwahl im März – Woide: Eine wichtige Wahl

„Nur wer sich vor Ort in seiner Gemeinde, in seiner Stadt, in seinem Kreis wohlfühlt, der fühlt sich auch im Land Hessen wohl und im Bund“, sagt Woide. Es dürfe nicht immer nur auf die „große Politik“ auf Bundes- und Landesebene geschaut werden: „Die zentrale Aufgabe ist zunächst die vor Ort. Was auf Gemeinde- und auf Kreisebene entschieden werden kann, das sollte auch dort entschieden werden.“ In Schleswig-Holstein müsse nicht alles genauso sein wie in Hessen und in Bayern nicht wie in Sachsen oder Bremen. Wichtig neben der kommunalen Selbstverwaltung sei auch, dass vor Ort genügend Mittel zur Verfügung stehen, über die die Mandatsträger entscheiden und mit denen sie die Region gestalten können. „Ohne angemessene Finanzausstattung ist auch die Demokratie in Gefahr“, findet der Landrat deutliche Worte.

Die Kommunalwahl in Hessen am 15. März sei eine wichtige Wahl. „Wer wählen geht, gibt Menschen die Möglichkeit, sich in den Gemeindevertretungen, Stadtverordnetenversammlungen und im Kreistag für die Region einzusetzen – und das ehrenamtlich“, sagt der Landrat wirbt dafür, „dass man denen eine Stimme gibt, die sich in der demokratischen Mitte bewegen.“ Demokratie sei eine schwierige Staatsform. „Es ist aber eben auch die beste, die wir haben“, so Woide. „Unsere Welt ist eben kompliziert und wird immer komplizierter, da helfen uns im Regelfall keine einfachen Antworten“, sagt Woide – gerade weil versucht werde, immer möglichst alle mitzunehmen. Denn die Erfahrung – nicht nur in Deutschland – zeige: Der Ruf nach einem starken Mann oder einer starken Frau an der Spitze, zumal wenn rechts- oder linksextrem, führt in die Irre. „Bei allen Schwächen und Schwierigkeiten, bei allen Problemlagen: Achtet auf die Demokratie“, sagt Woide und verweist auf den bekannten Satz „Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur wieder auf“. „Das wollen wir alle nicht, und die Erfahrung hat dieses Land ja zur Genüge gemacht“, so Woide: „Darum ist es wichtig, wählen zu gehen und darum sollte man sich auch überlegen, wen man wählt. Ich glaube, diejenigen, die sich für die Demokratie einsetzen, die haben auch unsere Stimme verdient.“