Lokales FD 24.02.2026

Historischer Tag: Mazedonisch-Orthodoxe Gemeinde gegründet

Fulda (pm/sim) – Die Stadt Fulda ist um ein bedeutendes geistliches Zentrum reicher. Am vergangenen Sonntag feierte die Mazedonisch-Orthodoxe Gemeinde in Fulda mit einer feierlichen hierarchischen Liturgie nicht nur das Fest der „Begegnung des Herrn“, sondern auch die offizielle Gründung der Kirchengemeinde Sveti Tri Jerarsi („Heilige Drei Hierarchen“). Dieser Tag markiert einen historischen Meilenstein für die mazedonische Gemeinschaft in Deutschland und stärkt die religiöse Vielfalt in der Region.

Foto: Karsten Aßmann.

Ein Gottesdienst voller Symbolik

Unter der Leitung Seiner Eminenz, Metropolit Pimen von Europa, versammelten sich über 600 Gläubige, um an der ersten Göttlichen Liturgie des heiligen Johannes Chrysostomos der neu geformten Gemeinde teilzunehmen. Der Gottesdienst fand aufgrund der erwarteten hohen Teilnehmerzahl ausnahmsweise im Großen Saal (Festsaal) der Orangerie zu Fulda statt, wo sich nach dem Gottesdienst ein mazedonisches Kulturfest anschloss.

In der orthodoxen Tradition ist der Besuch eines Metropoliten zur Gemeindegründung ein Zeichen höchster Wertschätzung und spiritueller Festigung. Begleitet wurde der Metropolit von einer Konzelebrationsgemeinschaft aus Priestern der europäischen Diözese der Mazedonisch-Orthodoxen Kirche, die aus Mainz, Köln, Hannover, Berlin, Nürnberg und Marburg angereist waren.

Das Datum der Gründung wurde bewusst gewählt: Das Fest der „Begegnung des Herrn“ (Sretenie Gospodovo) stellt eines der zwölf Hochfeste im orthodoxen Kirchenjahr dar und symbolisiert die Begegnung zwischen Gott und Mensch sowie zwischen dem Alten und dem Neuen Testament. In seiner emotionalen Ansprache zog Metropolit Pimen Parallelen zu der Situation der Gläubigen in der Diaspora. Er betonte, dass die neue Gemeinde ein Ort der spirituellen Begegnung sein werde – ein Ort, an dem die mazedonische Identität und der orthodoxe Glaube in der neuen Heimat Deutschland eine feste Verankerung finden.

Heimat in der Diaspora: Glaube und Identität

Für die mazedonischen Christen in und um Fulda stellt die Gründung der Gemeinde Sveti Tri Jerarsi weit mehr als einen rein administrativen Akt dar. „In der Diaspora ist die Bewahrung des Glaubens und der nationalen Identität eine moralische Verpflichtung“, so Metropolit Pimen in seiner Predigt. Die Gemeinde soll künftig als spirituelle Zuflucht dienen, die Traditionen pflegt und gleichzeitig den Dialog mit der lokalen Gesellschaft sucht.

Während des Gottesdienstes empfingen zahlreiche Gläubige die Heilige Kommunion, was die tiefe Verbundenheit zur Mutterkirche unterstrich. Die feierliche Atmosphäre wurde durch die Anwesenheit mazedonischer Familien geprägt, die teils weite Wege auf sich nahmen, um diesem für die mazedonische Gemeinschaft historischen Moment beizuwohnen.

Kulturelle Integration und Gemeinschaft

Im Anschluss an den offiziellen kirchlichen Teil fand ein gemeinsames Gemeindefest statt. Ein abwechslungsreiches Kultur- und Unterhaltungsprogramm bot den Gästen die Möglichkeit, mazedonisches spirituelles Erbe und gelebtes Brauchtum zu erleben. Diese Verbindung aus Glaube, Kultur und Gemeinschaft ist kennzeichnend für die Mazedonisch-Orthodoxe Kirche, die sich in Deutschland zunehmend strukturiert und als verlässlicher Partner im interreligiösen Dialog etabliert.

Die Gründung in Fulda ist Teil einer größeren Entwicklung der Europäischen Diözese, die auf die wachsenden Bedürfnisse der mazedonischen Gemeinschaft in Deutschland reagiert. Mit der neuen Kirchengemeinde „Heilige Drei Hierarchen“ verfügt Fulda nun über einen weiteren wichtigen Ort des Gebets und der zwischenmenschlichen Begegnung.

Fuldaer Familie als Initiator

Die nun eigenständige Fuldaer Mazedonisch-Orthodoxe Gemeinde hatte bisher eine starke Anbindung an die mazedonische Gemeinde in Mainz, welche in Mainz-Hechtsheim sogar über ein eigenes, im byzantinischen Baustil errichtetes Kirchenhaus verfügt. Im Jahr 2017 trug eine Fuldaer Familie, welche ihre Tochter in Mainz taufen ließ, an den Mainzer Priester Konstantin Pavlevski den Wunsch heran, dass künftig auch in Fulda Mazedonisch-Orthodoxe Gottesdienste gefeiert werden sollten. Die Planungen dieses Vorhabens wurden zunächst von der Corona-Pandemie unterbrochen; als aber im Jahr 2024 auch die zweite Tochter der Familie in Mainz getauft wurde, nutzten die Familie und Priester Pavlevski die Gespräche zur Taufvorbereitung, um auch endlich eine Serie von Gottesdiensten in Fulda zu planen, die vom Mainzer Priester geleitet wurden und bis heute werden. In der kurzen Zeit seit dem ersten Gottesdienst hat sich ein mittlerweile elfköpfiger Kirchenchor gebildet, der während der Gottesdienste im Wechselgesang mit dem Priester wichtige liturgische Aufgaben übernimmt.

Gottesdienste in der Evangelischen Kreuzkirche

Ein Kirchengebäude hierfür war schnell gefunden: Der evangelisch-gläubige Familienvater trat an den Pfarrer seiner Heimatgemeinde, Pfr. Stefan Bürger der Evangelischen Kreuzkirche Fulda-Neuenberg, mit dem Wunsch der Nutzung der Kreuzkirche für mazedonisch-orthodoxe Gottesdienste heran und durfte sich darüber freuen, dass der Ev. Kirchenvorstand und Pfr. Bürger der Mazedonisch-Orthodoxen Gemeinde die Durchführung der Gottesdienste bewilligten. Seit September 2024 finden einmal monatlich Gottesdienste der Mazedonisch-Orthodoxen Gemeinde in der Kreuzkirche statt. Insbesondere zu den Hochfesten Weihnachten und Ostern, wenn 300 bis 400 Gläubige erscheinen, platzt die Kreuzkirche aus allen Nähten. Die nächsten Gottesdienste finden am 14. März um 10 Uhr sowie in der Nacht vom 11. auf den 12. April (orthodoxes Osterfest) ab 23:45 Uhr statt.

Julianischer Kirchenkalender

Als segensreich erweist sich für die gemeinsame Nutzung der Umstand, dass die orthodoxen Kirchen dem julianischen Kalender folgen, welcher zum gregorianischen Kalender einen Unterschied von 13 Tagen aufweist. Der orthodoxe 1. Weihnachtsfeiertag findet daher am (gregorianischen) 7. Januar statt. Die Abstände der hiesigen und orthodoxen Osterfeste variieren derweil: In einigen Jahren liegen sie bis zu fünf Wochen auseinander, in anderen Jahren – wie zuletzt 2025 – fallen sie zusammen. Im Jahr 2026 fällt der orthodoxe Ostersonntag auf den 12. April und liegt somit eine Woche später als der hiesige Ostersonntag. Durch die unterschiedlichen Kirchenkalender kommt es bei gemeinsamer Nutzung eines Kirchengebäudes nur selten zu Terminkollisionen.

Noch in diesem Jahr wird der Fuldaer Gemeinde ein eigener Priester zugewiesen, der künftig auch seelsorgerische Aufgaben für die mazedonisch-orthodoxen Gläubigen übernehmen wird. Langfristig hat die Mazedonisch-Orthodoxe Gemeinde Sveti Tri Jerarsi Fulda zudem im Blick, über ein eigenes Kirchengebäude im Stadtgebiet Fulda oder in der näheren Umgebung verfügen zu können. Ob dies im Wege der Miete oder des Kaufs eines bestehenden Gebäudes oder gar – wie in Mainz – eines kompletten Neubaus erfolgen soll und kann, wird sich in den kommenden Jahren oder Jahrzehnten zeigen. Mit einem Schlusswort der Dankbarkeit zeigt Priester Pavlevski sich dankbar dafür, dass die Gemeinde die Kreuzkirche Fulda als spirituellen Zufluchtsort für ihre Gottesdienste nutzen kann: „Ohne diese Gastfreundschaft wäre die Gründung unserer Mazedonisch-Orthodoxen Gemeinde Sveti Tri Jerarsi in Fulda nicht möglich gewesen!“

Über die Mazedonisch-Orthodoxe Kirche (Europäische Diözese):

Die Europäische Diözese der Mazedonisch-Orthodoxen Kirche – Erzbistum Ohrid betreut zahlreiche Gemeinden in ganz Europa. Ihr Ziel ist die pastorale Sorge um die mazedonischen Gläubigen, die Förderung der orthodoxen Spiritualität und der Erhalt des mazedonischen Kulturerbes. Unter der Leitung von Metropolit Pimen setzt sich die Diözese aktiv für Integration und den christlichen Dialog in den europäischen Gastländern ein.

Mazedonisch-Orthodoxe Gemeinde gegründet. Fotos: Karsten Aßmann