Aktuelle und zukünftige Geschäftslage
Die derzeitige Geschäftslage wird von 59,3 Prozent der Unternehmen als befriedigend bewertet (Oktober: 58,4 Prozent). Von einer schlechten Lage sprechen 23,6 Prozent, der Anteil der Unternehmen mit einer guten aktuellen Geschäftslage liegt bei 17,1 Prozent. Die Erwartungen bleiben per Saldo negativ: 27,3 Prozent der Firmen erwarten eine schlechtere Lage (Oktober: 28,0 Prozent), 64,4 Prozent gehen von einer konstanten Geschäftslage aus (Oktober: 52,8 Prozent). Nur 8,3 Prozent erwarten eine eher günstigere Entwicklung (Oktober: 19,2 Prozent).
Insgesamt ergibt sich für die Region ein Geschäftsklimaindex von 87,0 Punkten (Oktober: 89,2 Punkte) – damit liegt er zum vierten Mal in Folge unter der 100-Punkte-Grenze. Dies verdeutlicht die strukturelle Krise der regionalen Wirtschaft und die festgefahrene rezessive Lage in Osthessen. Auch bei den Industriebetrieben bleibt die aktuelle Lage per Saldo negativ, hat sich aber gegenüber Oktober leicht verbessert. 30,2 Prozent der Industriebetriebe berichten von einer schlechten, 16,3 Prozent von einer guten Situation. Für die kommenden Monate erwarten 31,7 Prozent eine eher ungünstige und nur 4,9 Prozent eine eher günstigere Entwicklung. Der Geschäftsklimaindex der Industrie liegt mit 79,3 Punkten weiter unter dem Durchschnitt. Im Handel beträgt der Index 91,8 Punkte und bleibt ebenfalls negativ.
Weiter sinkende Investitionen und Beschäftigung erwartet
Die Investitionsbereitschaft liegt über alle Branchen hinweg weiterhin im negativen Bereich, wenn auch etwas abgeschwächt: 33,1 Prozent der Unternehmen haben ihre Investitionsabsichten reduziert, 28,1 Prozent planen steigende Investitionen. Hauptmotive sind Ersatzbedarf (65,8 Prozent), Rationalisierung (39,3 Prozent), Produktinnovationen (22,2 Prozent), Kapazitätsausweitung (13,7 Prozent) und Umweltschutz (11,1 Prozent).
Bei der Beschäftigungsentwicklung zeichnen sich ähnliche Tendenzen ab: 22,9 Prozent der Unternehmen erwarten Stellenabbau, 10,2 Prozent zusätzliches Personal. In der Industrie rechnen 34,1 Prozent mit sinkenden, 12,2 Prozent mit steigenden Beschäftigtenzahlen. 23,5 Prozent der außenwirtschaftlich tätigen Unternehmen rechnen mit steigenden Exporten, 55,9 Prozent mit gleichbleibendem Volumen, 20,6 Prozent mit rückläufigen Exporten.
Hochrisikoumfeld hält an
Als größte Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung sehen die Unternehmen: verschlechterte wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen (66,1 Prozent), sinkende Inlandsnachfrage (62,8 Prozent), steigende Arbeitskosten (58,7 Prozent), höhere Energie- und Rohstoffpreise (47,1 Prozent) sowie den Fachkräftemangel (37,2 Prozent).
Auf Freihandel setzen
„Das Warten auf eine wirtschaftliche Erholung geht weiter. Konjunkturstimuli werden durch Faktoren wie steigende Arbeitskosten durch die Mindestlohnerhöhung, höhere Sozialabgaben, steigende CO2-Abgaben und Energiepreise sowie geopolitische Entwicklungen konterkariert. Die Verunsicherung in der osthessischen Wirtschaft, insbesondere im exportorientierten verarbeitenden Gewerbe, ist groß. In diesem Umfeld sollte Freihandel gefördert und Abkommen wie Mercosur nicht durch parteipolitisches Taktieren ausgebremst werden“, fasst Michael Konow die aktuellen Zahlen der IHK-Umfrage zusammen. Auch Thorsten Kramm, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Sparkasse Fulda und Leiter des Firmenkundencenters, sowie Thomas Sälzer, Vorstandssprecher der VR Bank Fulda, bestätigten die aktuelle Bilanz mit ihren jeweiligen Ausführungen aus Sicht der Banken. Auch über Geldanlagen wurde ausführlich gesprochen. Mit Blick auf die aktuelle Marktlage empfahl Kramm eine breite Streuung: „Diversifikation hilft. Man sollte nicht alle Eier in ein Nest legen.“ Sälzer stimmte seinem Kollegen zu und ergänzte mit Blick auf Künstliche Intelligenz: „Eine echte Blase im KI-Bereich sehe ich derzeit nicht. Dennoch ist KI ein wichtiges und zukunftsweisendes Thema.“
Prof. Dr. Tobias Knedlik, Dekan an der Hochschule Fulda, gab als Anlagetipp insbesondere mit Blick auf die Entwicklungen im Bereich Künstliche Intelligenz: „Investieren Sie doch einmal in sich selbst.“ Darüber hinaus stellte er die Prognosen zur Weltkonjunktur für 2026 vor. Beim BIP für Deutschland waren sich alle Institute einig: Die Erwartungen liegen zwischen 0,8 und 1,3 Prozent. Knedlik gab auch einen Ausblick auf die globale Wirtschaft im Jahr 2026: „Die Entwicklungen sind unterschiedlich. In den USA rechnen wir mit einem Plus von 2,4 Prozent – dort wächst die Wirtschaft normal. Indien wird voraussichtlich um 6,4 Prozent zulegen. Europa liegt traditionell darunter, mit einem Plus von 1,3 Prozent.“ Anschließend Blickte er auch auf die Deutsche Wirtschaft und ihre Lage. Risiken wie politische Unsicherheiten beurteilt er weiterhin als sehr hoch. Auch das Risiko einer Finanzmarktkrise hat zugenommen.
