Sichtlich bewegt begrüßte der Erste Vorsitzende Stefan Schunck die Gäste. „Wir sind happy darüber, dass Sie alle hier sind – und wir sind happy darüber, dass wir jetzt hier sind“, freute sich Schunck. Mehr als 20 Jahre lang war die Tafel in der Weserstraße beheimatet, doch steigende Kundenzahlen, wachsende hygienische Anforderungen und knapper Lagerraum machten einen Umzug notwendig. Heute versorgt die Fuldaer Tafel rund 1800 Menschen in etwa 650 Bedarfsgemeinschaften, monatlich werden über 50 Tonnen Lebensmittel verteilt – gerettete Lebensmittel, wie Schunck betonte: „Ich betone das Retten ganz bewusst. Wir kaufen nicht ein. Wir sind auf unsere Lieferanten angewiesen.“ Rund 50 Supermärkte, Bäckereien und Großhändler unterstützen die Arbeit regelmäßig. Aus vormals 300 Quadratmetern sind nun rund 600 Quadratmeter reine Tafel-Fläche geworden – insgesamt misst das Gebäude sogar 738 Quadratmeter. „Unsere Kunden signalisieren Zufriedenheit, und auch unsere vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer sagen uns, dass sie sich hier wohlfühlen“, so Schunck: „130 Ehrenamtliche tragen die Arbeit. Ohne sie könnten wir die Tafel schließen.“
Ein „hessenweit einmaliger“ Standort
Auch Staatssekretärin Manuela Strube zeigte sich beeindruckt von den neuen Räumen. „Ich bin begeistert, dass ich heute hier sein darf und dass ich so tolle Räumlichkeiten vorfinde. Ich glaube, das ist hessenweit einmalig – und ich besuche viele Tafeln“, sagte sie. Die Tafeln stünden für das gemeinsame Leitmotiv „Lebensmittel retten und Menschen helfen“. Doch sie seien mehr als reine Ausgabestellen: „Manchmal ist es auch mehr als das Lebensmittel, was die Menschen mitnehmen – es ist ein Ort der Begegnung.“ Strube dankte insbesondere den Ehrenamtlichen: „Ohne das Ehrenamt wäre die Tafel nichts.“ Zugleich würdigte sie die organisatorische Leistung des Vorstands: „Es ist schon wie ein kleines Unternehmen, was Sie hier leisten.“
Bürgersinn mit Geschichte
Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld erinnerte dagegen an die Anfänge der Tafel im Jahr 2003. Die Idee sei nicht im Rathaus entstanden, sondern aus der Mitte der Bürgerschaft. Engagierte Fuldaer hätten damals beschlossen: „Wir machen das. Wer hätte damals gedacht, dass wir heute hier stehen und neue Räume für dieses bürgerschaftliche Engagement einweihen können?“, warf Wingenfeld einen Blick zurück. Sein besonderer Dank galt den Gründern und langjährigen Verantwortlichen, die den Grundstein gelegt hätten. Bürgermeister Dag Wehner schlug den Bogen zurück zur Gegenwart und sprach von einem „Zeichen für Solidarität, praktizierte Nächstenliebe und starkes gesellschaftliches Miteinander“. Besonders während der Corona-Pandemie habe sich gezeigt, wie wichtig die Tafel für viele Menschen sei. „Mit dem Schließen der Tafel wurde deutlich, wie groß die Not ist“, erinnerte er. Die Idee, den ehemaligen Lebensmittelmarkt am Aschenbergplatz als neuen Standort zu nutzen, sei zunächst mit Zurückhaltung aufgenommen worden. Doch nach intensiven Gesprächen und Planungen sei klar geworden, „dass hier sehr viel Perspektive da ist“. Die Stadt investierte in den Umbau – mit dem Ziel, die Situation für die Tafel „grundlegend und durchgreifend zu verbessern“.
„Sichtbares Zeichen von Unterstützung und Anerkennung“
Auch Maja Weise-Georg vom Landesverband Tafel Hessen würdigte das Engagement vor Ort. Die neue Ausgabestelle sei „ein sichtbares Zeichen von Unterstützung und Anerkennung“. Sie betonte: „Die Tafel und mit ihr alle Ehrenamtlichen leisten unverzichtbare Arbeit. Sie verdienen verlässliche Rahmenbedingungen und echte Wertschätzung.“ Die Räume seien freundlich, gut organisiert und würden den Alltag für Nutzer wie Helfer spürbar verbessern.
Segnung und großzügige Spenden zum Start
Neben den Grußworten erhielt die Feier auch eine spirituelle Note: Prof. Dr. Cornelius Roth und Pfarrerin Tina Oehm-Ludwig gestalteten eine kleine Andacht und segneten die Räume mit Weihwasser aus dem Fuldaer Dom. Innehalten, Dankbarkeit und die Bitte um Schutz und Zuversicht bestimmten diesen Moment. Für zusätzliche Freude sorgten zwei Scheckübergaben: Der Discounter Lidl spendete 9165 Euro, mit denen unter anderem neue Edelstahlregale finanziert werden sollen. Der Verein „Paten & Partner“ aus Fulda überreichte weitere 6110 Euro zur Unterstützung der Arbeit. Am Ende des Abends blieb der Eindruck, dass hier mehr entstanden ist als ein funktionales Gebäude. Am Aschenbergplatz ist ein Ort gewachsen, der Hilfe organisiert, Begegnung ermöglicht – und zeigt, wie stark eine Stadtgesellschaft sein kann, wenn viele gemeinsam Verantwortung übernehmen.
