osthessen-lady.de 04.02.2026

Ein Herz auf vier Pfoten: Hund Theo gibt Kindern im Frauenhaus Halt

Fulda (pm/sim) – „Theo ist eine Seele von Hund. Und er hat ein unglaubliches Gespür für die Kinder“, sagt Claudia W. (43), Erzieherin im Frauenhaus des SkF Fulda. Seit zweieinhalb Jahren begleitet sie dort Kinder, die gemeinsam mit ihren Müttern Zuflucht gesucht haben. Seit kurzem an ihrer Seite: Theo, ein drei Jahre alter Maltipoo – eine Mischung aus Malteser und Zwergpudel. Ein kleiner Hund mit großer Wirkung.

Fotos: SkF/ Sarah Muth.

Ein Hund mit Berufung

„Eigentlich habe ich Theo schon angeschafft, bevor ich im Frauenhaus gearbeitet habe“, erinnert sich Claudia W. „Aber mit dem Gedanken, ihn irgendwann beruflich einzubinden.“ Dass genau das heute gelingt, liegt auch an seiner besonderen Art. „Die Rasse gilt als ausgesprochen friedlich, menschenbezogen und ohne Aggressionspotenzial. Genau deshalb passt Theo so gut hierher.“ Theo ist anhänglich, verspielt und intelligent – zugleich kinderfreundlich und anpassungsfähig. Eigenschaften, die ihn im Alltag zu einem sicheren und verlässlichen Partner machen. Seit seinem zwölften Lebenswochen lebt er bei der Mitarbeiterin und ihrer Familie. Alle Welpen aus dem Wurf wurden gezielt an Menschen im sozialen Bereich vermittelt. Theo kam aus Bielefeld – und ist heute fester Bestandteil des Frauenhaus-Alltags.

Von Anfang an unterstützt

Die Idee, Theo auch beruflich einzusetzen, stieß beim SkF auf offene Ohren. „Der Vorstand und die Geschäftsführung standen von Beginn an hinter mir“, berichtet die Erzieherin. „Mir war wichtig, dass das Ganze Hand und Fuß hat – nicht einfach nur den Hund mitbringen.“

Deshalb absolvieren Claudia W. und Theo gemeinsam die Ausbildung zum therapeutischen Begleithund. Diese dauert knapp ein Jahr und wird vom Frauenhaus Koordinierung gefördert. Mit der Förderung ist die Verpflichtung verbunden, Theo mindestens einmal pro Woche einzusetzen. „Aktuell ist er ein- bis zweimal wöchentlich dabei.“

Die Ausbildung erfolgt in Zusammenarbeit mit der Psychotherapie-Praxis Tokata und der Hundeschule Nemeth-Heil. „Man lernt unter anderem, wie man den Hund gezielt einsetzt, um Kinder zu motivieren – etwa beim Spielen oder bei den Hausaufgaben“, erklärt Claudia W. Theo kann inzwischen kleine Gegenstände bringen oder beim Würfeln helfen. „Das macht den Kindern Spaß und senkt ganz nebenbei die Hemmschwelle.“

Ein Eisbrecher mit Fell

Dass Theo Kindern hilft, sich zu öffnen, ist für die Erzieherin einer der größten Effekte. „Viele Kinder, die zu uns kommen, sind traumatisiert, ängstlich und sehr zurückhaltend. Theo ist dann wie ein Türöffner. Sie müssen nicht sofort sprechen – sie dürfen erst einmal Kontakt zu ihm aufnehmen.“ Ein therapeutischer Begleithund kann für die Kinder ein stabilisierender Anker sein. Er vermittelt Nähe und Sicherheit, erleichtert die Verarbeitung belastender Erfahrungen und schafft Vertrauen.

Die Begegnungen erfolgen behutsam. „Zuerst stellt er sich oben in den Wohnungen vor. Später holt er die Kinder dort ab.“ Mittlerweile fragen viele: „Wann ist Theo wieder da?“ – auch Kinder, die zuvor kaum Kontakt zu Hunden hatten. „Einige hatten anfangs richtig Angst. Aber seine Anwesenheit verändert die Stimmung sofort.“

Verlässlicher Begleiter

Theo ist kein klassischer Therapiehund, sondern ein verlässlicher Begleiter. „Wenn ein Kind sich sicher fühlt, darf es mit uns Gassi gehen – mit Doppelleine.“ Für Ausfälle und Notfälle gibt es feste Regelungen. Auch Hygiene- und Sicherheitsstandards sind Teil des Konzepts. „So ein Projekt braucht klare Strukturen.“ Der Kontakt ist stets freiwillig und wird kindgerecht erklärt. Im gemeinsamen Tun entsteht Vertrauen: Bürsten, Füttern, Gassi gehen oder kleine Aufgaben übernehmen stärken das Selbstwertgefühl. In Gesprächen wird etwa gefragt: „Wie fühlt sich Theo jetzt?“ – ein Einstieg, der oft Türen öffnet. Auch im Gruppenalltag ist Theo eingebunden: bei Vorleserunden, Suchspielen, Rollenspielen oder kreativen Angeboten. Die Kinder lernen dabei Verantwortung, Teamarbeit und Ausdrucksfähigkeit.

Mehr als nur ein Hund

Theo fördert zudem die Beziehung zwischen Fachkraft und Kind. Er hilft, emotionale Nähe aufzubauen und schwierige Themen behutsam anzusprechen. „Im gesamten Umkreis gibt es kein anderes Frauenhaus mit tiergestützter Arbeit“, sagt Ursula Schmitt, Vorstandsvorsitzende des SkF Fulda: „Wir freuen uns sehr über diesen innovativen Weg.“ Auch Geschäftsführerin Sarah Muth ist überzeugt: „Theo ist für uns mehr als ein Hund. Er steht für Beziehung, Vertrauen und einen neuen Zugang zu Kindern.“

Ein kleiner Anker im großen Chaos

Für Claudia W. ist Theo vor allem eines: ein Ruhepol. „Er ist ein kleiner Anker im großen Chaos. Manchmal ist genau das entscheidend – dass da jemand einfach da ist. Mit warmem Fell und einem sanften Blick.“ Langfristig soll Theo auch verstärkt in der Arbeit mit den Müttern eingesetzt werden – etwa bei sensiblen Gesprächen. Als stiller Begleiter kann er Spannungen abbauen, Vertrauen schaffen und emotionale Sicherheit vermitteln.