Lokales FD 20.02.2026

Ausstellungseröffnung „Rechter Terror“ in der Katholischen Akademie

Fulda (pm/pf) – In der Katholische Akademie Fulda wurde am Dienstagabend die Ausstellung „Rechter Terror in Hessen“ eröffnet. Kurator Sascha Schmidt führte in die Thematik ein. Mehr als 40 Besucherinnen und Besucher waren der Einladung gefolgt, um sich mit einem Kapitel hessischer Zeitgeschichte auseinanderzusetzen, das bis in die Gegenwart reicht.

Fotos: Katholische Akademie Fulda

Die Ausstellung widmet sich den Folgen rechtsextremistischer Gewalt und erinnert an die Opfer rechter Anschläge in Hessen. Mit eindringlichen Fotografien, biografischen Porträts und dokumentarischen Elementen schafft sie einen Raum des Gedenkens – und zugleich der kritischen Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen.

Grundlage der Ausstellung ist das Buch „Rechter Terror in Hessen. Geschichte, Akteure, Orte“, von Yvonne Weyrauch und Sascha Schmidt, erschienen im Wochenschau-Verlag mit Unterstützung der Hessische Landeszentrale für politische Bildung.

Um Antworten zu finden, haben die beiden Autoren die Geschichte rechten Terrors in Hessen seit 1945 systematisch aufgearbeitet. Gewalttaten und dahinterliegende Netzwerke werden rekonstruiert, zeitgeschichtlich eingeordnet und in ihren ideologischen wie organisatorischen Entwicklungen analysiert. Dabei spannt sich der Bogen von frühen rechtsextremen Strukturen über Organisationen wie den Bund Deutscher Jugend, die NPD oder die Wehrsportgruppe Hoffmann bis hin zu Netzwerken wie Blood and Honour und aktuellen Erscheinungsformen rechter Gewalt.

„Rechter Terror in Hessen ist kein Titel aus der Vergangenheit, sondern Realität“, betonte Christine Fischer, stellvertretende Vorsitzende von Fulda stellt sich quer, in ihrem Grußwort.

Zuvor hatte Akademiedirektor Gunter Geiger – auch im Namen des Kooperationspartners FSSQ e.V. sowie mit Hinweis auf den Förderverein Landsynagoge Heubach e.V. – die Gäste begrüßt. Er erinnerte an die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke im Jahr 2019 sowie an den Terroranschlag von Hanau im Februar 2020. Zugleich machte er deutlich, dass rechter Terror in Hessen eine weit längere Geschichte hat – was die Ausstellung eindrucksvoll und erschütternd dokumentiert.

Christine Fischer erinnerte an die vielen Opfer rechter Gewalt – unter anderem an Dorit Botts, die 2001 in Fulda von einem Neonazi ermordet wurde. Wie viele andere Betroffene wird sie bis heute in der offiziellen Bundesstatistik nicht als Todesopfer rechter Gewalt anerkannt.

Diese fehlende Anerkennung sei nicht nur für die Angehörigen schmerzhaft, sondern habe auch dazu geführt, dass Brutalität, Reichweite und Gefahr des rechten Terrors nicht ausreichend in das kollektive Gedächtnis eingegangen seien, so Sascha Schmidt in seinem Vortrag. Er sprach in diesem Zusammenhang offen von Behördenversagen.

Schmidt, der im „Beratungsnetzwerk Hessen – gemeinsam für Demokratie und gegen Rechtsextremismus“ aktiv ist, als Mitarbeiter des DGB Hessen-Thüringen arbeitet und regelmäßig für das Magazin „der rechte rand“ schreibt, verwies zugleich auf positive Beispiele engagierter Erinnerungspolitik – etwa aus Lampertheim oder Darmstadt, wo aktuell ein Platz nach Ali Bayram benannt wird.

In Fulda hingegen fand 2020 ein Antrag auf Anerkennung Dorit Botts als Opfer rechter Gewalt im zuständigen Ausschuss der Stadtverordnetenversammlung keine Mehrheit.

Die Ausstellung macht deutlich, wie wichtig kontinuierliche Erinnerungsarbeit ist – insbesondere in niedrigschwelligen Formaten wie dieser Ausstellung. Sie bildet ein Gegengewicht zu rechten Krisenerzählungen und Bedrohungsnarrativen, die eine diffuse Ideologie befördern und Tätern als Legitimationsgrundlage dienen. In Zeiten realer gesellschaftlicher Krisen wachse diese Gefahr zusätzlich, warnte Schmidt.

Christine Fischer beschrieb die Demokratie als „verletzlich, aber widerstandsfähig“. Die Ausstellung sei Ausdruck einer wehrhaften Demokratie, die die Deutungshoheit über die gegenwartsprägende Geschichte nicht rechten Akteuren überlasse.

Zum Abschluss unterstrich Gunter Geiger die Bedeutung der Ausstellung und die Verpflichtung, sich als Gesellschaft mit rechtem Terror auseinanderzusetzen und jeder Form von Extremismus entgegenzutreten. Er wünschte der Schau viele Besucherinnen und Besucher und lud insbesondere Fuldaer Schulen sowie andere interessierte Gruppen zu Führungen ein.

Besichtigungszeiten: Die Ausstellung „Rechter Terror in Hessen“ ist noch bis zum 27. März werktags von 9 bis 17 Uhr in der Katholischen Akademie Fulda zu sehen.