Zum Aschermittwoch der Künste kamen im Fuldaer Bischofshaus Gäste aus Kirche, Kultur, Architektur und öffentlichem Leben zusammen. Das Leitwort „Gemeinsam gestalten“ verband die Beiträge des Abends und stellte individuelles Handeln in den Zusammenhang gemeinschaftlicher Verantwortung. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie gemeinsames Gestalten in gesellschaftlichen Prozessen ebenso wie in künstlerischen Ausdrucksformen verbinden kann.
Architektur als Kommunikationsprozess
Architekt Hans G. Schmidt-Domogalla (Dorsten) beschrieb Architektur als Beispiel eines komplexen Aushandlungsprozesses. Er zeigte, dass Bauen eine gemeinschaftliche Aufgabe ist, bei der verschiedene Akteure mit unterschiedlichen Perspektiven beteiligt sind.
Planungs- und Bauprozesse entstehen nach seiner Darstellung im Austausch zwischen Auftraggebern, Planern, Nutzenden und Öffentlichkeit. Architektur entsteht deshalb nicht als isolierte schöpferische Einzelleistung, sondern als Ergebnis von Kommunikation, Abstimmung und gemeinsamer Verantwortung für den gebauten Raum, so Schmidt-Domogalla.
Kammermusik als musikalischer Dialog
Auch die Musik griff den Gedanken des gemeinsamen Gestaltens auf. Das Dozentenquartett der Städtischen Musikschule Fulda spielte zwei frühe Werke der Streichquartettliteratur: Joseph Haydns Streichquartett in B-Dur op. 1 Nr. 1 und Wolfgang Amadeus Mozarts „Adagio und Fuge c-Moll“, KV 546.
Die beiden Stücke machten die dialogische Struktur des Streichquartetts hörbar. Die musikalischen Stimmen traten miteinander in Beziehung, griffen Motive auf und führten sie weiter, bis sich ein gemeinsamer Zusammenhang ergab.
Fastenzeit als Blick auf Realität und Verantwortung
Bischof Dr. Michael Gerber griff in seiner Predigt den Gedanken des gemeinsamen Gestaltens auf und stellte ihn in einen größeren Horizont persönlicher Verantwortung und aktueller Herausforderungen. Er verwies auf die Beobachtung, „dass die regelbasierte Ordnung verblasst“ und der Eindruck entstehe, „dass die Starken tun können, was sie können, und die Schwachen leiden müssen, was sie müssen“.
Die österliche Bußzeit, so Gerber, fordere dazu heraus, Realität wahrzunehmen und anzuerkennen, denn „nur das, was ich erkenne und von dem ich anerkenne, dass es ist, nur das kann ich auch bewusst gestalten“. Daraus leitete er die persönliche Frage ab: „Welche Realität erlebst und lebst du, und wo ist hier und heute dein Beitrag gefordert, wo kommt es hier und heute auf deine Stimme an?“
