Lokales FD 10.08.2026

Zeitreise ins Jahr 1876 – Viel los beim Rhönklub-Jubiläum in Gersfeld

Gersfeld (Rhön) – Ein Hauch von Geschichte wehte am Sonntagvormittag durch die Justus-Schneider-Straße in Gersfeld. Als einer der emotionalen Höhepunkte des Jubiläumswochenendes zum 150-jährigen Bestehen des Rhönklubs e.V. verwandelte sich die Kulisse vor dem historischen Gasthaus „Zum Hirsch“ in eine lebendige Zeitmaschine.

Foto: Stefan Krug

Vor hunderten begeisterten Zuschauern stellten Vereinsmitglieder in historischen Kostümen, Fräcken und Zylindern die originale Gründungsversammlung vom 6. August 1876 detailgetreu nach. In dieser schauspielerischen Inszenierung wurde hautnah spürbar, unter welch schwierigen Bedingungen die Gebirgspioniere damals agierten: Moderne Kommunikationsmittel waren völlig unbekannt, Verbindungen zwischen den Ortschaften bestanden oft nur aus ausgefahrenen Feldwegen und Eisenbahnen führten noch nicht in die Rhön. Die logistische Leistung, die der Fuldaer Arzt Dr. Justus Schneider für die Vorbereitung zur Verwirklichung seines Planes erbringen musste, ist aus heutiger Sicht gar nicht hoch genug zu bewerten. Nach der offiziellen Eröffnung der historischen Tagung durch den Gersfelder Landrat Ochs ergriff Dr. Schneider das Wort, dankte den erschienenen Rhönfreunden und erläuterte seine Vision eines gemeinsamen, die gesamte Rhön umfassenden Clubs. Nach einer unterstützenden Rede von Bürgermeister Full aus Bad Kissingen kam die Versammlung schließlich zu dem historischen Entschluss, den Rhönklub mit zunächst 15 Sektionen zu gründen. Als Bindeglied wurde ein dreiköpfiges „Central-Comitee“ gewählt, bestehend aus Dr. Justus Schneider als Präsident, dem Buchdruckereibesitzer Louis Uth als Schriftführer und dem Fabrikanten Hermann Jacobson als Kassierer, bevor sich alle Akteure zum gemeinsamen Mittagessen begaben.

Der Geist dieses Aufbruchs fand damals in Paragraf 1 der Gründungsstatuten seinen festen Platz, der im Rahmen der Nachstellung noch einmal zitiert wurde: „Der Rhönklub hat den Zweck, den Besuch des Rhöngebirges zu erleichtern und annehmlicher zu machen durch Aufstellung von Wegweisern, Verbesserung der Gebirgswege, Herstellung von Aussichtspunkten und Ruheplätze, sowie auf Verbesserung der Gasthäuser und Ausbildung von Fremdenführern hinzuwirken. Überhaupt sollen die Mitglieder durch Wort und Schrift für den Besuch des Rhöngebirges zu wirken suchen.“ Wie lebendig dieser Gründungsgedanke fortgetragen wurde, zeigte auch ein historischer Rückblick auf das Jahr 1878, als der „Central-Ausschuß“ ein kleines, 156-seitiges Liederbuch in goldenen Lettern herausbrachte. Dieses war extra so konzipiert, dass es in jede Hemdtasche passte und auf Wanderungen immer mitgeführt werden konnte – eine Sammlung aus Wander-, Jagd- und humorvollen Liedern, von denen manche heute zwar verschwunden sind, andere aber bis heute die Identität des Klubs prägen.

Ergänzt wurde die Darstellung durch ein Rhöngedicht des Geisaer Apothekers, dass seine Mutter geschrieben hatte und durch das Gründungslied, vorgetragen vom Gersfelder Rhönklub unter Leitung der Vorsitzenden Margit Trittin.

Im Anschluss an die historische Zeitreise verlagerte sich das Festgeschehen in den benachbarten Gersfelder Schlosspark, wo den zahlreichen Besuchern ein facettenreicher Markt der Möglichkeiten geboten wurde. Eine Vielzahl regionaler Verbände und Partner präsentierte sich mit eigenen Informations- und Mitmachständen. So gaben das Biosphärenreservat Rhön, der Naturpark, das Gesetzliche Biodiversitätszentrum Bischofsheim, das Umweltzentrum Fulda mit dem WIR Garten sowie der BUND Kreisverband Fulda und der NABU Gersfeld wertvolle Einblicke in den Natur- und Artenschutz der Region. Die Rhön GmbH, die TAG Hessisches Kegelspiel und die Städtepartnerschaft Gersfeld-Bellegarde zeigten die touristische und kulturelle Vielfalt der Heimat auf. Auch sportlich und sozial präsentierte sich das Fest stark durch die Beteiligung des Turnvereins Gersfeld, des Rhönflugs Gersfeld, der Rhönklub Jugend und der Initiative „Miteinander/Füreinander“. Für das kulinarische Wohl und regionale Erzeugnisse sorgten die Landfrauen Gersfeld, der Kreisbauernverband Fulda, Bioland e.V. Hessen, der Spiegelshof sowie der Landgasthof St. Georg. Musikalisch umrahmt von den zünftigen Klängen der Stadtkapelle Gersfeld, bot der Schlosspark somit den perfekten Rahmen für geselliges Beisammensein, Erfahrungsaustausch und das Feiern der lebendigen Dreiländer-Gemeinschaft.