Lokales MKK 14.08.2026

Wirtschaftsjunioren aus Türkei und USA besichtigen Synagoge

Schlüchtern (pm/pf) – Die Pläne für die umfassende Sanierung der ehemaligen Schlüchterner Synayoge und des zugehörigen Rabbinerhauses lassen nicht nur in Schlüchtern aufhorchen.

Eine Gruppe von Wirtschaftsjunioren aus der Türkei und den USA besichtigte die Schlüchterner Synagoge und wurde von Dr. Peter Büttner, Chef des Vereins der Freunde der Synagoge (Dritter von links), sowie Bürgermeister Matthias Möller (Sechster von rechts) willkommen geheißen. Fotos: Stadt Schlüchtern

Auch überregional findet das große Bauvorhaben Anerkennung und Bewunderung. Jetzt war in dem ehemaligen Gotteshaus sogar eine internationale Reisegruppe vor Ort und informierte sich hautnah.

Im Rahmen der Landeskonferenz der Wirtschaftsjunioren Hessen in Hanau besuchte eine kleine Delegation von Kollegen des JCI Hatay (Türkei) sowie aus den USA die Stadt Schlüchtern und besonders die ehemalige Synagoge. Hier bekamen sie vom Vorsitzenden des Vereins der Freunde der Synagoge, Dr. Peter Büttner, eine fundierte Einweisung in das Konzept des Bauvorhabens. 

Bei den historischen Gebäuden in der Grabenstraße handelt es sich um Kulturdenkmäler von herausragender historischer religiöser und gesellschaftlicher Bedeutung, betonte er. Sie dokumentierten die Geschichte des jüdischen Lebens in Schlüchtern und seien zugleich Bildungs- und Erinnerungsort für die Bevölkerung. 

Peter Büttner geht fest davon aus, dass die ersten kulturellen und musikalischen Veranstaltungen in der ehemaligen Synagoge Schlüchtern im Jahr 2028 ausgeführt werden können. Gerade in Zeiten eines zunehmenden Antisemitismus im Land sei es wichtig, hier ein Ort des Gedenkens und des Widerstandes einzurichten.

Die Gäste zeigten sich sehr interessiert von dem Konzept und angetan von den Planungen. Bei einer Diskussion über die politische Lage im Land gaben sich Gäste aus Hatay verwundert darüber, warum beispielsweise Menschen, die in der heutigen Zeit in Deutschland eine jüdische Kippa als Kopfbedeckung tragen, angegriffen oder bespuckt werden.

Hatay im Südosten der Türkei gelangte vor gut drei Jahren zu unrühmlicher Bekanntheit. Am 6. Februar 2023 bebte dort sowie in Nordsyrien die Erde. Bei dem Beben der Stärke 7,7 starben offiziellen Angaben zufolge mehr als 53.000 Menschen. Die Folgen des verheerenden Erdbebens und der Wiederaufbau sind auch heute noch dort zu spüren.

Bürgermeister Matthias Möller und andere Vertreter der Stadt hatten die Gäste in der Synagoge begrüßt. Er freute sich über das internationale Interesse an dem großen Sanierungsprojekt. Die Gäste trugen sich auch in das goldene Buch der Stadt ein. Büttner führte die interessierte Delegation durch das gesamte Gebäude. Anschließend brachen sie zu einem Rundgang durch Schlüchtern auf, bevor sie wieder zur Landeskonferenz nach Hanau zurückkehrten.   

Das denkmalgeschützte Ensemble der ehemaligen Synagoge und des Rabbinerhauses ist ein markanter, neuromanischer Bau, der von einer wechselvollen 135-jährigen Geschichte erzählt. Einer Glanzzeit jüdischer Kultur und Lebens (1898 – 1938) folgte eine Phase von Zerstörung und Verwüstung (1938 – 1945) und eine Phase der industriellen und kulturellen Nutzung (1948 – 2010).

Noch heute gehört das aus roten Sandsteinquadern auf einem fast kreuzförmigen Grundriss symmetrisch errichtete Bethaus mit seinen auffälligen Schildgiebeln zu den markantesten Bauwerken des östlichen Main-Kinzig-Kreises. Die Synagoge Schlüchtern repräsentiert europaweit eine der wenigen erhaltenen Zentralbauten, die in ihrer Kernsubstanz noch sanierungsfähig ist. 

Seit etwa 20 Jahren wurde die Synagoge nicht mehr genutzt. Ende 2019 hat die Stadt Schlüchtern das Ensemble aus Synagoge und Rabbinerhaus erworben. Im Juli 2021 wurde der Verein Freunde der Synagoge Schlüchtern e.V. gegründet. 

Der Verein ist Erbbaupächter und für die Sanierung und Wiederherstellung des Ensembles ebenso zuständig wie für die Gestaltung der Nutzung. Der Verein hat in Abstimmung mit den politischen Gremien und der Stadtverwaltung entschieden, das Ensemble wiederherzustellen und zu betreiben. Dieser Prozess soll sich an dem Motto orientieren „Besinnen, Bewahren und Beleben“. Besinnen auf die Vergangenheit, Bewahren der historischen Bausubstanz, Beleben durch eine differenzierte kulturelle Nutzung.