Am 12. August 1926 zog jedoch ein Gewitter auf, so dass die Flieger mit ihren zerbrechlichen Apparaten schnell landeten. Nicht so der Luftpolizist Max Kegel, seit Jahren dienstlich auf der Wasserkuppe. Mit seiner selbstgebauten Maschine sog das Gewitter beide in die mächtigen Wolken. Kegel verlor die Orientierung, versuchte aber immer seinen „Vogel" stabil zu halten. Das gelang ihm, bis er sich in kürzester Zeit in einer bisher unerreichten Höhe wiederfand. Die thermischen Aufwinde der Gewitterwolke, also eine vertikale Luftstömung, hatte ihn auf fast zwei Kilometer Höhe gebracht. Die Landschaft erkannte Kegel nicht mehr, seine Orientierung war verloren. Also gleitete er die enorme Höhe in ruhigerer Luft ab. Auf der Wasserkuppe machten sich alle große Sorgen, wo Kegel geblieben sein mochte. Die Spannung wandelte sich in Jubel, als Kegel sich per Fernsprecher meldete. Er sei in Gompertshausen gelandet, wo das lag, wussten die Anwesenden allerdings nicht. Hierzu aus der Zeitschrift „Flugsport": „Alles stürzte nach den in der Sportleitung aufgehängten Umgebungskarten und suchte Gompertshausen. Aber o weh! So weit reichte das Kartenmaterial nicht. Erst nach langem Suchen gelang es, bei einem Automobilfahrer eine Karte zu requirieren, aus welcher hervorging, daß Gompertshausen 54 km entfernt liegt. Ein lang anhaltendes Hurrarufen auf Max Kegel dröhnte durch das Lager."
Diese „Welthöchstleistung" ebnete den Weg zur Erforschung der Meteorologie und den Zusammenhängen zwischen Sonneneinstrahlung und Wolkenbildung. Im Folgejahr wurde die Thermik entdeckt, mit deren Hilfe die Segelflieger bis heute ihre Höhe mit Sonnenkraft gewinnen und so von Wolke zu Wolke „überland" fliegen – in Mitteleuropa heute teilweise über 1000 Kilometer weit an einem Tag. Der Ausgangspunkt war ein kühner Polizist vor 100 Jahren am Berg der Segelflieger, der Wasserkuppe.
