Lokales FD 14.08.2026

Von Spannung bis Sinnlichkeit – „Leseland“-Programm vorgestellt

Fulda (pm/gü) – Bücherfans dürfen sich auf den September freuen. Dann beteiligt sich die Stadt Fulda zum nunmehr 23. Mal an der vom Hessischen Kultusministerium initiierten landesweiten Veranstaltungsreihe „Leseland Hessen“. Das Kulturamt der Stadt Fuldaorganisiert vom 9. September bis zum 13. Oktober ein abwechslungsreiches Programm für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Freuen sich auf die 23. Ausgabe von Leseland Hessen in Fulda (von links): Klaus Orth (Kulturamt Stadt Fulda), OB Dr. Heiko Wingenfeld, Sparkassen-Vorstand Horst Habermehl, Kulturamtsleiter Jürgen Peter sowie Jutta Sporer (ehrenamtliche Mitarbeiterin des Kulturamts). Foto: Stadt Fulda

Neben 27 nicht öffentlichen Lesungen an Schulen in Stadt und Landkreis Fulda stehen in der Aula der Alten Universität Fulda sechs Abendveranstaltungen auf dem Programm. Sie rücken aktuelle Romane namhafter Autorinnen und Autoren in den Mittelpunkt, die sich historisch hintergründig, ironisch, humorvoll oder auf andere Weise unterhaltsam mit der Suche nach Sinn und Sinnlichkeit auseinandersetzen, dabei Spannung erzeugen oder Sehnsüchte wecken. Ideale Lektüren also, um rund um die Frankfurter Buchmesse auch lokal und regional den diesjährigen Leseherbst zu eröffnen.

Alle sechs Abendlesungen beginnen jeweils um 19 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos und eine Anmeldung nicht erforderlich.

„Das Fuldaer Publikum darf sich auf anspruchsvolle Unterhaltung freuen“, sagte Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld bei der Vorstellung des Programms, und unterstrich: „Wir sind glücklich, dass wir als Kulturstadt Fulda die Lesungen auch weiterhin kostenfrei anbieten können.“ Seim Dank galt in diesem Zusammenhang den Sponsoren der landesweiten Reihe: dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und hr2-kultur sowie der Jubiläumsstiftung der Sparkasse Fulda, die zudem die Veranstaltungen in Fulda finanziell großzügig fördert. Horst Habermehl, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Fulda, betonte: „Fulda hat sich in den letzten Jahrzehnten mit verschiedenen Formaten zu einer Literatur-„Hochburg“ entwickelt. „Leseland Hessen“ wendet sich dabei mit zahlreichen Lesungen in Schulen ausdrücklich an junge Menschen. Auch deshalb hat sich die Jubiläumsstiftung in den letzten Jahren gerne dafür gewinnen lassen, die Veranstaltungsreihe zu unterstützen.“

 

Das Programm

Zur Eröffnung am Mittwoch, 9. September, liest der vielfach preisgekrönte Schriftsteller Ingo Schulze, eine der bedeutendsten Stimmen der deutschen Gegenwartsliteratur, aus seinem Roman „Das Wasser im August“. Darin reist ein Erzähler im Sommer 2025 zu einer Lesung aus einer noch unfertigen Novelle nach Mecklenburg, in jene seenreiche Landschaft, die er in seinem Text, der im Sommer 1979 spielt, als den „Norden“ bezeichnet hat. Eine unerwartete Begegnung scheint seine Novelle lebendig werden zu lassen und es entspinnt sich ein raffiniertes Spiel zwischen Hoffnungen und Ansprüchen, Erwartungen und Sehnsüchten, Erinnerung und Liebe.

Der in Karlsruhe lebende Autor Markus Orths ist am Donnerstag, 17. September, mit „Die Enthusiasten“ zu Gast. Sein Buch wimmelt nur so von skurrilen Figuren und bietet einen irrwitzigen Lese-Spaß rund um eine ziemlich eigenwillige Familie, bei der Bücherplateaus von der Decke hängen und in der Geschichten zum Leben erweckt werden. Ein sensationeller Fund bringt dabei das Leben in einer nordenglischen Kleinstadt durcheinander und setzt ein Geschehen in Gang, das auf halsbrecherische Weise die Grenzen dessen auslotet, was Erzählen kann und was menschengemachte Kunst ist.

Yael Inokai, die aus Basel stammt und in Berlin wohnt und arbeitet, präsentiert am Dienstag, 22. September, Auszüge aus „Die Auster“. In ihrem jüngsten Roman inszeniert die gefeierte Stilistin eine Kriminalgeschichte, die ein feingefügtes Netz menschlicher Schicksale birgt: Der Geschäftsführer eines legendären Kaufhauses wird ermordet aufgefunden. Doch bis die Polizei am Tatort eintrifft, hat Leonora Bloch alle Spuren beseitigt, so diskret und gründlich, wie sie schon seit 45 Jahren als Reinigungskraft bei Dr. Bronstett jeder Form von Unordnung begegnet. Als die Ermittlungen in die Austernbar in der fünften Etage führen, ist man schon mittendrin im Mikrokosmos dieses Kaufhauses, das von der paradoxen Sehnsucht nach vergangener Pracht und erschwinglichem Luxus lebt.

Die Wahl-Hamburgerin Jarka Kubsova, die in der Tschechoslowakei geboren wurden und seit 1987 in Deutschland lebt, liest am Donnerstag, 2. Oktober, aus „Im Licht des neuen Tages“. Das Buch kreist um Elli Hajek, die sich zum Schreiben in ein abgelegenes Haus zurückzieht und sich an eine Figur erinnert, von der ihr einst ihre tschechische Großmutter erzählte: Viktorka, die junge Frau, die nach einem schwerwiegenden Ereignis für wahnsinnig erklärt wurde und fortan allein im böhmischen Wald lebte. Als Elli erfährt, dass Viktorka wirklich existierte, reist sie in das Land, aus dem sie selbst als Kind geflohen ist. Elli will mehr erfahren – doch tief im Wald, zwischen leuchtendem Farn und reißendem Fluss, wartet eine andere Aufgabe auf sie: Bevor sie die Wahrheit über Viktorka erfährt, muss Elli sich ihrer eigenen verdrängten Geschichte stellen. Eine große, leuchtende Geschichte um Gerechtigkeit und Vergangenheit, weibliche Geschichtsschreibung und den Mut zur Wahrheit.

„Im ersten Licht“ ist das vielbeachtete Buch von Norbert Gstrein betitelt, aus dem der aus Tirol stammende, durch viele Preise gewürdigte Schriftsteller am Donnerstag, 8. Oktober, Passagen präsentieren wird. Sein überwältigender Roman beginnt mit einem Axthieb: Adrians Vater macht ihn als Jugendlichen untauglich für den Ersten Weltkrieg, rettet ihn so vielleicht. Der störrische, zärtliche Mensch, der von da an durch über achtzig Lebensjahre hinkt, ist das Wunder dieses Erzählens. Adrian sieht zweimal seine Welt untergehen, hat zweimal mit jungen Männern zu tun, die weniger Glück hatten als er, und erlebt im Alter die unverhoffte Liebesgeschichte eines Mannes, der zu allem erzogen wurde, bloß nicht zum Lieben. Wie leben im Schatten der Kriege und des Tötens? Mit einem furchtlosen Blick in die Vergangenheit stellt sich „Im ersten Licht“ dieser großen Frage der Gegenwart.

Den Abschluss der Reihe bildet am Dienstag, 13. Oktober, die Lesung von Rebekka Frank. Die in Kassel geborene und nach Studium und zahlreichen Berufsstationen heute wieder in Nordhessen lebende junge Autorin rückt ins Zentrum ihrer Geschichten die kleinen und großen Geheimnisse, die alle in sich tragen, die die Menschen voneinander fernhalten oder sie auch zusammenbringen können. So auch in ihrem Roman „Spiegelland“, in dem sie die Frage aufwirft: Wie tief muss man graben, um die Wahrheit zu finden? Elias hat so richtig Mist gebaut, das weiß er. Er versteckt sich den Sommer über bei seiner Großmutter Catharina im Moor. Doch auch sie hütet ein Geheimnis, das alles infrage stellt, was Elias zu wissen glaubt. 

 

27 Lesungen an Schulen

Im Rahmen von „Leseland Hessen“ 2026 sind insgesamt 27 nicht öffentliche Lesungen an Schulen in Stadt und Landkreis Fulda geplant. Dort lesen Iris Lemanczyk, Stephan Köstler, Una López-Caparrós Jungmann, Volker Mehnert, Nina Blazon, Markus Orths, Maren Graf, Nikola Huppertz und Filiz Penzkofer. Mit ihren Neuerscheinungen richten sie sich an Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen, um bei ihnen die Begeisterung für das Medium Buch zu wecken. Begleitet werden sie von Jutta Sporer, ehrenamtliche Mitarbeiterin des Kulturamts, und Kulturamtsmitarbeiter Klaus Orth. Beide organisieren seit Jahren die Lesereihe vor Ort und können kaum erwarten, dass der diesjährige Lesereigen startet. 

Informationen zum Literaturfestival und der Flyer mit dem diesjährigen Programm zum Herunterladen finden Interessierte unter https://www.fulda.de/stadt-politik/angebote-einrichtungen/veranstaltungsreihen