Dass Bad Soden erneut zum engsten Favoritenkreis gezählt wird, überrascht Trainer Sead Mehic nicht. Viel Bedeutung misst er dieser Einschätzung allerdings nicht bei. „Es gibt immer zwei oder drei Mannschaften, die oben dabei sind, dazu kommt meistens noch eine Überraschungsmannschaft.“ Entscheidend sei ohnehin etwas anderes. „Wir beschäftigen uns damit gar nicht groß. Wir schauen nur auf uns.“
Nach dem personellen Umbruch befindet sich die SGBS noch mitten im Entwicklungsprozess. Viele junge Spieler sollen Verantwortung übernehmen und sich Schritt für Schritt an ihre neuen Rollen gewöhnen. „Natürlich muss man den Jungs etwas Zeit geben“, sagt Mehic. Gleichzeitig stellt er klar, dass sich die eigenen Ansprüche dadurch nicht verändern. „Wir wollen jedes Spiel gewinnen.“ Zwar werde die Findungsphase auch in die ersten Saisonwochen hineinreichen, „aber wir haben nicht an Qualität verloren.“
Zum Auftakt wartet allerdings direkt eine unangenehme Aufgabe. Aufsteiger Bronnzell geht mit viel Euphorie in seine erste Verbandsliga-Saison nach dem direkten Wiederaufstieg und dürfte entsprechend selbstbewusst auftreten. „Aufsteiger bringen immer eine besondere Energie mit. Bronnzell ist keine unbekannte Mannschaft und schwer zu bespielen“, weiß Mehic. Seine Mannschaft werde sich dennoch treu bleiben. „Uns ist egal, wer auf uns wartet oder wo wir spielen. Wir wollen offensiv auftreten, unsere Philosophie durchziehen und fahren dorthin, um drei Punkte mitzunehmen.“ Trotz einiger Ausfälle und einer Sperre sieht sich der Trainer gut vorbereitet. „Wir werden nicht jammern. Wir sind sehr gut auf den Saisonstart vorbereitet.“
Während Bad Soden den Blick nach oben richtet, denkt man in Bronnzell zunächst nur an eines: den Klassenerhalt. Trainer Zlatko Radic weiß, dass seine Mannschaft in einer deutlich stärkeren Liga angekommen ist. Gerade deshalb sieht er dem Auftakt mit großer Vorfreude entgegen.
„Bad Soden ist für mich der Topfavorit“, sagt Radic ohne zu zögern. „Sie haben in den vergangenen Jahren immer oben mitgespielt und werden das auch diesmal wieder tun.“ Angst macht ihm das aber keineswegs. Im Gegenteil. „Vielleicht ist es sogar eine Chance, gleich am ersten Spieltag gegen den Favoriten zu spielen. Bevor sie ihren Rhythmus gefunden haben, kann das ein Vorteil sein.“
Dass seine Mannschaft spielerisch nicht mit jedem Konkurrenten mithalten könne, sei ihm bewusst. Deshalb soll Bronnzell vor allem über den Teamgeist kommen. „Wir haben nicht die individuellen Einzelspieler wie Bad Soden. Deshalb müssen wir als Gemeinschaft funktionieren. Genau darüber wollen wir den Gegner ärgern.“
Für Radic wird die Verbandsliga in dieser Saison noch einmal anspruchsvoller als im Vorjahr. „Die Liga ist stärker geworden. Die Absteiger bringen Qualität mit und auch die Aufsteiger sind qualitativ gut aufgestellt. Es wird ein Kampf um jeden Punkt, jedes Tor und jeden Zweikampf.“ Hinzu kommt, dass noch einige Spieler urlaubsbedingt fehlen. „Wir sind noch nicht komplett, aber die Vorfreude ist riesig. Direkt mit einem Heimspiel gegen so einen Gegner zu starten, ist etwas Besonderes.“
Auch beim FC Britannia Eichenzell beginnt am Sonntag ein neues Kapitel. Nach dem Trainerwechsel steht für Marius Grösch die erste Verbandsliga-Partie an –auswärts beim FSV Dörnberg. Vieles sei für ihn in der neuen Liga noch Neuland, sagt der Coach, weshalb der Fokus zunächst ganz auf der eigenen Mannschaft liege.
Den ersten Gegner könne man nur schwer einschätzen. „Unsere osthessischen Vereine kennt man natürlich. Auch mit Blick auf Dörnberg bekomme ich aus der Mannschaft die eine oder andere Info. Den Gegner können wir aber nicht komplett einschätzen – genauso wenig wie sie uns.“ Gerade deshalb wolle sich Eichenzell nicht zu sehr am Kontrahenten orientieren. „Wir wollen unseren Spielstil etablieren – unabhängig vom Gegner. Natürlich passt man sich immer etwas an, aber grundsätzlich wollen wir aktiv Fußball spielen, aus einer guten Ordnung heraus – mit Tiefenläufen, Flanken und Abschlüssen.“
Die Zielsetzung formuliert Grösch bewusst bodenständig. „Wir wollen eine ordentliche Saison spielen und möglichst nichts mit dem Abstieg zu tun haben.“ Für den Trainer steht zunächst im Vordergrund, dass sich seine Mannschaft schnell in der neuen Liga zurechtfindet. Gleichzeitig blickt er mit großer Vorfreude auf die bevorstehende Spielzeit. „Da sind schon ein paar schöne Spiele dabei. Auf die Barockstadt freut man sich genauso wie auf die kurzen Wege gegen Flieden oder Steinbach. Aber grundsätzlich ist jedes Spiel etwas Besonderes, weil für mich vieles Neuland ist.“
Mit der Vorbereitung zeigt sich Grösch zufrieden. „Jeder hat hervorragend mitgezogen. Wir hatten intensive Einheiten, haben auch mal überzogen und die Testspiele bewusst variiert.“ Dadurch habe sich die Mannschaft Schritt für Schritt gefunden. „Man merkt, dass wir immer besser zusammenfinden.“ Personell sieht es ebenfalls ordentlich aus. „Der Großteil des Kaders ist einsatzfähig. Bei ein, zwei Personalien müssen wir noch schauen.“ Trotzdem weiß der Trainer, dass Testspiele nur bedingt aussagekräftig sind. „Wir fühlen uns bereit. Aber ob wir wirklich bereit sind, sehen wir erst am Sonntag. Letztendlich zählt es erst, wenn es losgeht.“
Schon der erste Spieltag könnte erste Fingerzeige liefern. Kann Bad Soden seiner Favoritenrolle gerecht werden? Gelingt Bronnzell vor heimischer Kulisse die Überraschung? Und wie schlägt sich Eichenzell zum Auftakt? Nach Wochen intensiver Vorbereitung gibt es endlich wieder Antworten auf dem Platz – dort, wo sie am meisten zählen.
Verbandsliga Nord
Samstag
15 Uhr
SV Buchonia Flieden – SV Steinbach
Tuspo Grebenstein – SG Barockstadt Fulda-Lehnerz II
15.30 Uhr
OSC Vellmar – TSV Jahn Calden
1. FC Schwalmstadt – TSV Wabern
Sonntag
15 Uhr
FSV Dörnberg – FC Eichenzell
SG Bronnzell – SG Bad Soden
VfL Rengershausen – FSV Wolfhagen
Lichtenauer FV – SG Adler Weidenhausen
