Lokales FD 06.08.2026

USA-Experte Dr. Josef Braml bei Vorlesung in Fulda

Fulda (pm/st) – Warum führt sich US-Präsident Donald Trump so auf, wie er es tut? Und warum wird er von so vielen Menschen unterstützt? Bei einem Akademieabend der Katholischen Akademie Fulda gab der USA-Experte und Publizist Dr. Josef Braml am Dienstag Einblicke in seine Analysen. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Reihe „250 Jahre Vereinigte Staaten von Amerika – Demokratie, Macht und Gesellschaft“ statt.

Gast und Gastgeber (von links): Jana Nathalie Burg von der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, Dr. Josef Braml und Akademiedirektor Gunter Geiger. Foto: Katholische Akademie Fulda

Der Akademieabend wurde in Zusammenarbeit mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung veranstaltet. In seiner Begrüßung erinnerte Akademiedirektor Gunter Geiger daran, dass der Vortrag auf den 65. Geburtstag des früheren US-Präsidenten Barack Obama fiel. Anschließend stellte er den Referenten skizzenhaft vor: Braml studierte Politikwissenschaft, Soziologie und französische Kulturwissenschaft in Passau. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Wissenschaft und Politik, Congressional Fellow der American Political Science Association sowie legislativer Berater im US-Abgeordnetenhaus (1997–1998). Anschließend war er USA-Experte bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP). Heute ist er European Director der Trilateral Commission, einer einflussreichen globalen Plattform für den Dialog eines exklusiven Kreises politischer und wirtschaftlicher Entscheider aus Amerika, Europa und Asien. Geiger wies zudem darauf hin, dass in etwa einem Monat Bramls neues Buch „USA – Die narzistische Nation“ erscheint.

„Ich versuche seit 30 Jahren, Amerika zu verstehen“, erklärte Braml. Aber er sei immer noch dabei. Amerika habe ihm persönlich die Chance zum beruflichen Aufstieg gegeben und er sei überzeugter Transatlantiker. Mit Blick auf die heutige Entwicklung der USA fügte er jedoch hinzu: „Ich bin nicht blöd.“ Denn die Schutzmacht USA habe sich grundlegend verändert. Als Beispiel für das bisherige Verhältnis verwies Braml auf eine Äußerung von NATO-Generalsekretär Mark Rutte, der auf Trumps Kritik an den europäischen NATO-Partnern gesagt habe: „Papa muss halt mal böse werden, wenn die Kinder auf dem Hof streiten.“ Doch was, wenn sich der US-Präsident gegenüber seinen Verbündeten wie ein Schutzgelderpresser aufführe? Das sei neu.

In Zeiten, in denen ein Narzisst – ein „Big Ego“ – im Weißen Haus sitze, sei unterwürfiges Verhalten fatal. In Anlehnung an Immanuel Kant warnte Braml davor, dass Menschen, die passiv oder unterwürfig handeln, die Konsequenzen ihres eigenen Verhaltens tragen müssten. Sein Fazit: „Wer sich benimmt wie ein Wurm, wird zertreten wie ein Wurm.“ Als Gegenbeispiel erinnerte er an den Zollstreit mit den USA. Als Bundeskanzler Friedrich Merz mit europäischen Gegenmaßnahmen gedroht habe, sei Trump zurückgerudert. Das narzisstische Verhalten Trumps sei, so Braml, bereits in dessen Kindheit grundgelegt. Wenn – wie bei Trump – vor allem die Mutterliebe fehle, habe das Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl. Unsicherheit werde durch ein übersteigertes Ego kompensiert. Hinzu komme, dass Trumps Vater von seinen Söhnen Erfolg um jeden Preis verlangt habe – entweder Killer oder Verlierer.

Braml verwies darauf, dass der US-Präsident häufig von Deals spreche. Für Trump gehe es dabei jedoch nicht um Vereinbarungen auf Augenhöhe: „Es geht ihm immer darum, der Gewinner zu sein.“ Narzissten wie Trump hätten Charisma und könnten Menschen begeistern. Deshalb verfange ihr Verhalten bei vielen. „Narzissten haben aber nie selbst Schuld.“ Deshalb könne Trump aus dieser Sichtweise auch keine Wahl verlieren. Für wirtschaftliche Probleme der USA müssten andere verantwortlich gemacht werden – bis hin zu Feindbildern wie den von ihm angeführten „katzenfressenden Latinos“.

Und die Politiker wie Vizepräsident J. D. Vance, der sich vom Trump-Kritiker zum unterwürfigen Gefolgsmann entwickelt habe? Als Begründung für seine Entscheidung zugunsten von Vance habe Trump selbst gesagt: „Er küsst mir den Hintern.“ Auch Milliardäre wie Elon Musk machten mit. Bramls Erklärung: „Sie wollen beim Sieger sein.“ Dieses Verhalten Trumps habe auch Auswirkungen auf die Weltpolitik. Die Amerikaner sähen sich als Nummer eins unter den Weltmächten – und seien dies derzeit auch. Diese Vormachtstellung werde jedoch zunehmend durch China herausgefordert. Für Braml zielten die Konflikte in Venezuela und mit dem Iran vor allem auf China, da das Land insbesondere bei der Energieversorgung verwundbar sei. Fraglich bleibe allerdings, ob diese Strategie aufgehe.

Die rund 120 Zuhörer erlebten einen kurzweiligen und intellektuell anregenden Vortrag. Nach den Rückmeldungen der Teilnehmer war der Abend ein deutlicher Weckruf zum Thema USA – fernab von Mainstream und Wunschdenken, stattdessen auf sachlicher Analyse und plausiblen Schlussfolgerungen aufbauend. Der Vortrag regte intensiv zum Nachdenken an – ein realistischer und düsterer Blick auf die Zukunft, zugleich aber auch ein Appell an Europa, sich auf die eigene Stärke zu besinnen.