Lokales FD 21.08.2026

Bouffier gratuliert: Silicon Valley, China, Hünfeld - 20 Jahre Zuse-Stadt

Hünfeld (pf) – 20 Jahre Konrad-Zuse-Stadt: Hünfeld feierte am Freitagmittag nicht nur seine amtliche Zusatzbezeichnung, sondern auch die Geschichte und viele Geschichten dahinter. Und es schloss sich für Stadt und Land ein besonderer Kreis: Denn als Ehrengast durfte Bürgermeister Benjamin Tschesnok den damaligen Innenminister und späteren Ministerpräsidenten, Volker Bouffier, im Rathaus begrüßen.

Die amtliche Urkunde für den Namenszusatz hängt heute noch im Rathaus. Volker Bouffier (von links) schaute sie mit Bürgermeister Tschesnok und Stadterordnetenvorsteher Bohl noch einmal an. Fotos. Pascal Fischer

Der Hessische Ministerpräsident a.D. stellte damals noch in seiner Funktion als Innenminister den Erlass des amtlichen Namenszusatzes für die Stadt Hünfeld aus: Seit dem 11. Juli 2006 trägt das osthessische Städtchen den Beinamen des Computerpioniers, der seit 1956 in Hünfeld als Wahlheimat lebte und 1995 ebenda verstorben war.

Den feierlichen Empfang in Rathaus eröffnete Bürgermeister Benjamin Tschesnok mit einer Einführung in Zuses Leben: „Man begegnet ihm noch heute im Bürgerpark“, verwies er auf die Bronzestatue, die die Stadt im Jahr 2000 vom Land zum Hessentag erhalten hat und den Pionier in üblicher Pose im Trenchcoat zeigt. „So haben ihn viele Hünfelder noch in lebhafter Erinnerung“. Tschesnok wies auf das zweite Vintage Computer Festival hin, das dieses Wochenende in der Stadt stattfindet. Dazu begrüßte er auch Prof. Dr. Wolfgang Karl, Vorsitzender der Konrad-Zuse-Gesellschaft, im Saal. Ob Zuse-Schule, Zuse-Museum, Zuse-Hotel, am Bahnhof oder am Zuse-Ring, wo am Molzbacher Berg gerade neues Baugebiet entsteht – „der Name unseres Ehrenbürgers begegnet uns überall. Er ist uns bis heute Verpflichtung“, so Tschesnok, der herausstellte, „dass der Namenszusatz auch einen prägenden Anteil daran hat, dass sich Hünfeld zu der modernen Stadt weiterentwickelt hat, die sie heute ist“.

Volker Bouffier wurde vom Bürgermeister sowie Stadtverordnetenvorsteher Jürgen Bohl anschließend als „guter Freund“ der Stadt im Rathaus begrüßt. Bohl erinnerte sich an den Hessentag 2000 zurück, als er Bouffier oftmals im Polizeibistro begegnet war: „Sie haben Ihren Beamten den Rücken gestärkt und waren ein nahbarer Chef, der es verstand, auch zuzuhören“.

Anschließend begann der Ministerpräsident a. D. mit seinem kurzweiligen und abwechslungsreichen Vortrag und stellte die Frage: „Wo liegen die technologischen Zentren, die die Welt verändert haben“. Tatsächlich brachte er nicht nur Hünfeld in eine Reihe mit dem Silicon Valley oder China, sondern betonte: „Das ist nicht Hybris, sondern eine Einordnung. Hünfeld wird da selten genannt – und das ist ein Fehler“. Mit Zuse habe ein Mann aus der Stadt „die Welt verändert“, was auch in der heutigen Zeit noch sichtbar sei: „Auch KI wäre undenkbar, ohne die damaligen Grundlagen“. In einer immerzu belebten Welt habe Zuse gezeigt, „dass der Einzelne etwas bewegen kann“. Und Bouffier wünsche sich, dass die Gesellschaft sich dies heutzutage in Erinnerung ruft: „Zukunft braucht Herkunft“, zitierte er den Philosophen Odo Marquard: „Wir brauchen Orientierung und Zuversicht“. Genau das habe es im Leben von Konrad Zuse auch gegeben, „und das sollten wir uns bewusst halten“. Für seine Leistungen, die aus Visionen resultierten, sei Zuse bundesweit geehrt worden. Bouffier habe ihn nie persönlich kennengelernt, doch erzählte stattdessen eine Anekdote aus seiner Zeit als Staatssekretär im Hessischen Ministerium der Justiz: „Es gab keine Technik. Ich habe damals das erste Faxgerät angeschafft“. Es war 1987, und das Land wollte eine Zentralisierung vorantreiben. Später übernahm das Amtsgericht in Hünfeld alle Mahnverfahren in Hessen (1998), es folgte die Eröffnung der Justizvollzugsanstalt als erste teilprivatisierte JVA Ende 2005. Auch die Außenstelle der Hessischen Zentrale für Datenverarbeitung ist seit Jahrzehnten in der Zuse-Stadt angesiedelt.

Anekdote aus dem Korb der Feuerwehr-Drehleiter 

Bouffier blickte kurz auf den Hessentag in 2000 zurück, als er als Innenminister neue Wege ging und die Vereidigung der Polizeianwärter aus der Kaserne herausholte: „Die Polizei gehört dorthin, wo Menschen sind“. So fand die Vereidigung erstmals „unterm Volk“ in Hünfeld statt – und das bewährte sich bis heute. Mit einem zwinkernden Auge begrüßte Bouffier den Ehrenbürgermeister Dr. Eberhard Fennel, und erinnerte sich an die Einführung der neuen Drehleiter vor einem guten Vierteljahrhundert: Schon bei Anschaffung habe Fennel alles gegeben, „bis er mich irgendwann soweit hatte“, lachte Bouffier – und dann musste der damalige Innenminister auch noch unwissend die Rathaustreppen nach oben steigen, nur um dann in den Korb des neuen Fahrzeuges umzusteigen und wieder nach unten zu fahren. „Es war dunkel, und der Korb war ein Meter vom Fenster entfernt, durch das wir steigen mussten“, lachte Bouffier: „Er hat sich diebisch gefreut, und ich sagte: Nie wieder irgendwo mit dir nach oben“. Es sei ein prägender Moment gewesen, „den ich nie vergesse, auch nach 40 Jahren in der Politik nicht“. Bouffier wünschte den Amts- und Entscheidungsträgern der Stadt Hünfeld weiterhin viel Glück dabei, „aus Menschen eine Gemeinschaft zu machen“, und wünschte sich: „Ein Rückblick ist immer verbunden mit dem Blick nach vorne“. Mit dem Namenszusatz, der Stolz, Verbundenheit und Auftrag für die Stadt sei, gebe es ein „starkes Fundament für Zuversicht und Zukunft“.

Als Geschenk bekam Volker Bouffier nach dem Festakt von Bürgermeister Tschesnok das erste druckfrische Exemplar eines neuen Bildbandes sowie einen AHA überreicht. Der Bildband unter dem Titel „Hünfeld – viele Orte, meine Stadt“ ist ab sofort für 19,90 im Buchhandel, im Hünfelder Bürgerbüro oder online beim Verleger parzeller erhältlich. Es sei ein weiteres erfolgreiches Projekt, das die Stadt mit dem Hünfelder Fotoclub auf die Beine gestellt habe. Das Buch zeigt besondere Landschaften, Menschen vor Ort, Feste, Feiern und Traditionen aus der Stadt und ihren Stadtteilen. Dabei dankte Tschesnok vor allem dem Club-Vorsitzenden Martin Sandrock, sowie unter anderem Bruder Andreas Grabon und Dirk Jonas, die „besonders vorangegangen sind“, und Rainer Klitsch vom Verlag parzeller. Mit Blick auf die Fotografie schlug Tschesnok abschließend den Bogen, denn schließlich resultieren auch Fotos aus Computer-Technik: „Kurzum: Zuse war in vielfacher Hinsicht ein universeller Denker und Revolutionär. Und er war Hünfelder aus Überzeugung. Wir sind stolz, schließlich ist er ein Beleg dafür: Wo Hünfeld ist, ist vorn“.

Mehr über Konrad Zuse unter: https://www.huenfeld.de/de/huenfeld-meine-stadt/heute-und-morgen/konrad-zuse/