Lokales FD 09.08.2026

Rhönklub feiert 150-jähriges Bestehen mit bunter Kulturvielfalt

Gersfeld (sk) – Mit einem hochkarätigen und stimmungsvollen Festabend in der voll besetzten Stadthalle Gersfeld hat der Rhönklub e.V. am Samstagabend sein stolzes 150-jähriges Bestehen gefeiert. Dass Kultur, Brauchtum und Zusammenhalt nicht nur eine lange Tradition, sondern auch bei allen Veränderungen Zukunft haben, zeigte der Abend eindrucksvoll.

Foto: Stefan Krug

Zum feierlichen Auftakt spielte die Stadtkapelle Gersfeld auf, bevor Moderator Horst Gutermuth die zahlreichen Gäste charmant durch den Abend führte. Nach der offiziellen Eröffnung hieß Präsident Klaus Neisser die Ehrengäste und Delegierten, darunter Vertreter aus fünf Landkreisen und vielen Gemeinden, herzlich willkommen. Besonders begrüßte er die Delegation aus der Gersfelder Partnerstadt Bellegarde in Südfrankreich – auch das 25-jährige Bestehen dieser Partnerschaft wird am Wochenende gefeiert.

Den inhaltlichen Kern des Abends bildete die Festansprache von Vizepräsident Bernd Müller-Strauß, der einen fundierten Rückblick auf eineinhalb Jahrhunderte Vereinsgeschichte warf und gleichzeitig den optimistischen Weg des Rhönklubs in die Zukunft skizzierte. Der Rhönklub sei 1876 gegründet worden, „um den Menschen die Schönheit der Rhön näherzubringen“. An diesem Ziel habe sich nichts geändert: „Eins ist geblieben: die Liebe zur Rhön.“ Dabei erinnerte er daran, dass vor eineinhalb Jahrhunderten die Rhön noch ein raues Gebiet ohne Wege war und Wandern keine Freizeitbeschäftigung, sondern oft die einzige Fortbewegungsmöglichkeit darstellte. Zur kulturellen und auch wirtschaftlichen Entwicklung habe der Rhönklub viel beigetragen. Neben dem Wegebau erinnerte Müller-Strauß an über 100 Jahre Vereinszeitschrift, den Rhönkalender und das Heidelsteindenkmal. Er betonte in seinem Ausblick: „Wir sind das Aushängeschild der Rhön und müssen es bleiben. Das braucht Mut zur Veränderung. Nicht Tradition aufgeben, sondern in eine moderne Form übersetzen. Der Rhönklub ist der Schatz der Rhön, in dem die Natur schon gepflegt wurde, als dies noch keineswegs allgemein in der Gesellschaft anerkannt war, genau wie die Gemeinschaft.“

In den offiziellen, wertschätzenden Grußworten von Landrat Bernd Woide betonte dieser: „Kultur ist dort, wo Menschen sind. Die vielen, die sich ehrenamtlich engagiert haben – das ist Arbeit für die Heimat.“ Wer heute durch die Rhön wandere, begegne nicht nur einer einzigartigen Landschaft, sondern wandle auf den Spuren von Menschen, welche die markierten Wege und Schutzhütten ausbauen und pflegen, Veranstaltungen organisieren sowie Natur- und Heimatpflege betreiben. Diese Ehrenamtlichen würden jungen Menschen unsere schöne Heimat näherbringen und Gästen die Schönheit und Einzigartigkeit der Rhön zeigen.

Vom Deutschen Wanderverband gratulierte Werner Mohr dem Verein, der älter ist als der Verband selbst. Oft habe der Rhönklub überregionale Veranstaltungen wie den Deutschen Wandertag ausgerichtet: „Der Deutsche Wanderverband ist oft und sehr gerne beim Rhönklub.“ Mit seinen 5,7 Millionen Mitgliedern stehe der Verband für bürgerschaftliches Engagement und die Zukunft unserer Heimat: „Wir Wanderer wissen: Der Weg nach vorne ist der erfolgreiche. Die Offenheit und Vielfalt machen es möglich.“

Dr. Steffen Korell, Bürgermeister der Gastgeberstadt Gersfeld, begrüßte die Gäste am Gründungsort: „Der Gründungsgedanke lebt fort. Damals wie heute verbindet unsere einzigartige Landschaft Generationen.“ Auch wenn sich die Bedürfnisse der Gäste ändern, genau wie die Anforderungen an Natur- und Klimaschutz, sah Korell positiv in die Zukunft: „Ich bin sicher, dass der Rhönklub die Zukunft meistern wird. Vereine werden lebendig durch Menschen, die zusammen lachen, feiern, sich begegnen und ein gemeinsames Ziel haben. Möge der Rhönklub dank dieser Menschen bleiben, was er seit eineinhalb Jahrhunderten ist: Ein einzigartiger Botschafter unserer Rhön.“ In einer Pause wurde eine eindrucksvolle Bildpräsentation der Rhön und des Premiumwegs „Der Hochrhöner“ gezeigt, bei der die Anwesenden ins Schwärmen kamen.

Das Kulturprogramm des Festabends spiegelte auf eindrucksvolle Weise die gelebte Dreiländer-Identität des Rhönklubs wider, indem es Akteure aus Hessen, Bayern und Thüringen zu einem bunten, länderübergreifenden Gesamtkunstwerk vereinte. Den hessischen Part übernahm zu Beginn die Kindertanzgruppe Dalherda mit einer schwungvollen Gratulation, gefolgt von den glänzenden musikalischen Beiträgen des Ensembles „Dreierlei“ aus ehemaligen Rhönlerchen sowie dem historischen Gründungslied des Singkreises des Zweigvereins Gersfeld. Auch der ehemalige Hofbieberer Bürgermeister Eberhard Lauer bereicherte den Abend mit einem pointierten hessischen Mundartvortrag. Die thüringische Rhön präsentierte sich stolz durch den humorvollen Mundartbeitrag von Roger Hartmann aus Klings sowie den stimmgewaltigen Handwerkerchor des Zweigvereins Dermbach, der das Publikum gleich mehrfach begeisterte. Die bayerische Rhön wiederum setzte mit einem gelungenen Beitrag von Edeltraud Spieß vom Zweigverein Hammelburg, dem Auftritt der dynamischen Tanzgruppe des Zweigvereins Rother Kuppe sowie dem umjubelten Mundartvortrag von Martina Markert aus Fladungen starke kulturelle Akzente.

Zum feierlichen Ausklang richtete Vizepräsident Bernd Müller-Strauß dankende Worte an alle Helfer und Akteure der drei Bundesländer. Das Ensemble „Dreierlei“ leitete schließlich über zum emotionalen Höhepunkt des Abends: Dem traditionellen, gemeinsamen Abschlusslied „Ich weiß basaltene Bergeshöhn“, das aus hunderten Kehlen tief verbunden durch die Halle erklang, bevor die Stadtkapelle Gersfeld den unvergesslichen Abend gebührend ausklingen ließ.