Fußball 22.08.2026

Regionalliga – Wilde Schlussphase: SGB rettet Unentschieden in Ulm

Ulm (jah) – Was für eine Schlussphase im Donaustadion: Nach turbulenten letzten Minuten hat sich die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz beim SSV Ulm ein 2:2 (1:0)-Unentschieden erkämpft. Die Gastgeber gingen in der Nachspielzeit in Führung, doch das letzte Wort hatte die Elf von Trainer Daniyel Cimen (update).

Roko Ivankovic sorgte für den späten Ausgleich. Foto: Christine Görlich

In der Nachspielzeit überschlugen sich im Ulmer Donaustadion die Ereignisse: Erst avancierte der eingewechselte Arlind Iljazi zum Unglücksraben, als er am Strafraumeck Alexandre Azevedo regelwidrig zu Fall brachte – Schiedsrichter Tobias Ewerhardy zeigte sofort auf den Punkt, Steffen Meuer verlud Jannik Horz und sorgte für den vermeintlichen Siegtreffer (90.+2). Die ekstatischen Ulmer Fans hatten die Rechnung jedoch ohne Roko Ivankovic gemacht: Die Fuldaer warfen noch einmal alles nach vorne. Einen Freistoß bugsierte Milian Habermehl zunächst an den Pfosten, Iljazi machte seinen Fehler anschließend wieder gut und flankte an den zweiten Pfosten, die anschließende Kopfballablage musste Ivankovic dann aus einem Meter nur noch über die Linie drücken (90.+4). „Das ist auch nicht ganz erklärbar, was da in den letzten fünf Minuten passiert ist“, analysierte Daniyel Cimen nach dem Abpfiff: „Der Elfer in dieser Phase ist brutal, aber auch da muss ich alle Hüte ziehen die ich habe. Es ist nicht üblich, nochmal so zurückzukommen. Das zeigt einfach den Teamgeist und die Moral der Truppe, die sind zu 100 Prozent da. Für viele Mannschaften wäre das der Nackenschlag gewesen.“

Während die SGB in den ersten 45 Minuten die deutlich aktivere Mannschaft war und zur Pause verdient mit 1:0 in Führung lag, gehörte den „Spatzen“ Durchgang zwei: Dennis Chessa meldete die „Spatzen“ zum ersten Mal an (49.) und auch in der Folge waren die Gastgeber die spielbestimmende Mannschaft – der Ausgleich durch Steffen Meuer war entsprechend folgerichtig: Ulm kombinierte sich nach vorne und sorgte durch viele, schnelle Pässe für Unstimmigkeiten in der Hintermannschaft der Fuldaer. Meuer stand am Ende der Kombination am Strafraum sträflich frei und konnte sich die Ecke aussuchen – er wählte mit einem präzisen Schuss die linke, Jannik Horz im Kasten der Gäste war chancenlos (63.). „Er hat das super gemacht. Da sieht man auch einfach die Qualität“, lobte auch der SGB-Coach den Torschützen: „Aber wir haben auch danach eine Riesenreaktion gezeigt, wo man denken könnte, dass das Momentum jetzt komplett kippt“, so Cimen, der auf die Doppelchance von Sebastian Schmitt und Kevin Hillmann anspielte, die nur kurz nach dem 1:1 für die perfekte Antwort hätten sorgen können. „Das sind dann die Situationen, die wir uns vorwerfen müssen. Da müssen wir wieder in Führung gehen“, haderte der Barockstadt-Trainer. 

Ulm startete forsch in die Partie und hatte die ersten Abschlüsse, das erste Tor fiel jedoch auf der anderen Seite. Moritz Reinhard und Neuzugang Nicolas Wähling attackierten die Gastgeber im Spielaufbau, Reinhard eroberte den Ball und steckte auf den Neuzugang durch. Wähling brachte den Ball in die Mitte, Marcel Seegerts Klärungsversuch landete unglücklich im eigenen Kasten (7.) – der perfekte Start für die Gäste. Und auch in der Folge war die SGB gefälliger. Die Ulmer wirkten ob des frühen Rückschlags zunehmend verunsichert, die Fuldaer verpassten es jedoch, nachzulegen. Für Moritz Reinhard wurde der Winkel nach einer schönen Balleroberung an der Grundlinie jedoch zu spitz (31.), wenig später scheiterte Sebastian Schmitt nach einer schönen Freistoßfinte von Wähling an Ulms Schlussmann Radomir Novakovic (36.). Und auch defensiv überzeugte die Cimen-Elf praktisch auf ganzer Linie: Abgesehen von zwei weniger gefährlichen Abschlüssen vor dem 0:1 ließ die SGB überhaupt nichts zu, exemplarisch war die Szene von Oliver Wähling gegen Kapitän Aaron Frey, der den Ulmer nach etwas mehr als 20 Minuten im Eins-gegen-Eins mühelos abkochte.

Bei den Gästen tauschte Daniyel Cimen im Vergleich zum Sandhausen-Spiel auf zwei Positionen: Für Leon Pomnitz, der überhaupt nicht im Kader stand, und Tobias Göbel begannen Moritz Reinhard und Wähling – dessen Bruder Oliver übrigens beim SSV in der Anfangsformation stand. Von Oliver Wähling und den Ulmern war jedoch insbesondere im ersten Durchgang wenig zu sehen – ganz anders Bruder Nicolas: Von Beginn an setzte der Neuzugang immer wieder Akzente im Spiel nach vorne und überzeigte mit Übersicht und Spielwitz. Wenig verwunderlich, dass der 28-Jährige auch am frühen Führungstreffer der Fuldaer direkt beteiligt war. 

„Vom Spielverlauf her und den Chancen war auf jeden Fall mehr drin als ein Punkt“, bilanzierte Daniyel Cimen abschließend: „Aber wenn man das Ende sieht, dann nehmen wir das Unentschieden auch mit. Ich denke, am Ende ist das 2:2 mehr als verdient und absolut gerecht.“

SSV Ulm: Novakovic; Hülsenbusch, Lockl, Wähling, Chessa, Kempf, Birkic (35. Azevedo), Meuer, Kopf, Taffertshofer, Seegert

Barockstadt: Horz; Kraft (87. Iljazi), Habermehl, Frey, Hillmann (80. Gün), Ivankovic, Sarpei, Schmitt, Dittmann, Wähling (66. Göbel), Reinhard (86. Hahn)

Schiedsrichter: Tobias Ewerhardy (Losheim am See)

Tore: 0:1 Marcel Seegert (7., Eigentor), 1:1 Steffen Meuer (63.), 2:1 Steffen Meuer (90.+2, Foulelfmeter), 2:2 Roko Ivankovic (90.+4)

Zuschauer: 5272