„Wenn man nur die Schlussphase betrachtet, sind wir natürlich glücklich mit dem Punkt. Wenn man das ganze Spiel betrachtet, auch hinterher, ist es schade, denn es war sogar mehr drin“, sagt Daniyel Cimen nach dem 2:2 in Ulm. Der SSV hatte bis dato noch gar keinen Punkt auf dem Konto und ist nach zwei Abstiegen in Folge ohnehin gebeutelt. Doch auch und gerade deshalb war die Stimmungslage eine völlig andere bei beiden Teams als noch vor drei Jahren: Im Mai 2023 hatte der SSV 5:0 gegen Fulda gewonnen und feierte den Drittliga-Aufstieg.
Taktisch hatte Cimen sich etwas einfallen lassen – die SGB wollte früher und höher presse und Ulm unter Druck setzen. Beim frühen 1:0 gelang das prima: Moritz Reinhard eroberte den Ball und bediente Nicolas Wähling, der über rechts den Pass scharf genug hereinbrachte und das Ulmer Eigentor erzwingen konnte. „Die Jungs haben das gegen eine sehr spielstarke Mannschaft gut umgesetzt, wir sind gut in die Zweikämpfe bekommen und hatten unsere Ballgewinne“, analysiert Cimen. Auch in Hälfte zwei habe ihm der Auftritt gegen den Ball gut gefallen, nach vorne hin verpassten die Fuldaer dann die Möglichkeit, nachzulegen oder nach dem Ausgleich erneut in Führung zu gehen – eines von wenigen Dingen, die der Coach bemängeln müsste.
Doch die Taktik ging insgesamt auf: Optisch hatte die Defensive der Fuldaer den Anschein einer Fünferkette, wobei Cimen es nicht als klassische Kette interpretiert hatte: „Es war am Ende eine sehr dynamische Kette, durch das frühe Attackieren mussten ja auch immer ein, zwei Spieler mit rausschieben. Wir haben uns gegen den Ball etwas einfallen lassen und uns etwas dem Gegner angepasst, aber wollten selbst natürlich mutig sein“.
Wem das 2:2 nun gehörte, darüber sind sich immer noch viele uneinig: Der Schiedsrichter hatte den Treffer dem umtriebigen Roko Ivankovic zugeschrieben, der im Mittelfeld mit Moritz Reinhard unglaublich viel Arbeit nach vorne wie nach hinten leistete. Bei Ansicht der Bilder war der Ivankovic-Kopfball für Cimen womöglich schon hinter der Linie, „wobei man das nur erahnen und nicht 100-prozentig sagen kann“. Der Coach hätte sich „für beide gefreut“, sei es nun Ivankovic gewesen, oder Joker Göbel, dessen Abschluss dann zweifelsohne ins Schwarze traf. „Aber ehrlicherweise ist das am Ende auch nicht entscheidend“.
Nun wartet eine kurze Woche und das erste Derby der Saison: Am Freitagabend kommt mit dem FSV Frankfurt ein weiteres Schwergewicht in die Johannisau. Die SGB werde von Montag bis Donnertag durchtrainieren, so Cimen. Dabei meldete sich Keeper Maximilian Weisbäcker zunächst kränklich ab, soll aber im Laufe der Woche wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Für den Torhüter kommt ein Einsatz am Freitag zu früh, doch Cimen will abwarten, „wie er auf Training und Belastung reagiert. Dann schauen wir, wann er wieder eine Option ist“. Erstmal sei der Trainer froh, dass Weisbäcker nach seiner Ellbogen-Verletzung gleich zu Beginn der Vorbereitung „wieder soweit ist, und trainieren kann“. Bis auf den Schlussmann und Luis Klein ist der Kader damit nahezu komplett, und für Spielpraxis war am Sonntag auch gesorgt: Stadler, Iljazi, Erb, Hahn und Miftari spielten in der U23 gegen Rengershausen (0:0) mit. „Der eine oder andere ist auch von sich aus auf uns zugekommen. Wir begrüßen das natürlich. Es zeigt, dass die Jungs im Rhythmus bleiben wollen“.
