Von einem „Wechselbad der Gefühle“ sprach SGB-Trainer Daniyel Cimen hinterher - wie schon in Ulm musste er das Gefühl äußern, „dass deutlich mehr drin war“. Was die Leistung angeht, könne er seinen Jungs keinen Vorwurf machen – „es ist nur schade, dass wir wieder nur mit einem Punkt dastehen, der sich heute auch nicht so gut anfühlt“.
Eine Auswechslung machte sich vornweg bezahlt: Ali Gün begann für Kevin Hillmann links offensiv – es war der einzige Wechsel in der Startelf nach dem Ulm-Spiel. Gün lieferte mit seiner Dribbelstärke und seinem Tempo ein klasse Spiel ab, setzte immer wieder seine Mitspieler stark in Szene und hatte selbst auch nach einer Stunde schon fast zehn Torabschlüsse. Doch der Ball wollte einfach nicht über die Linie – bis in Minute 72, als Frankfurt das Spiel in Unterzahl gedreht hatte, und Gün die Antwort hatte: Per Kopf glich er nach Kraft-Flanke zum 2:2 aus und läutete die Schlussphase ein.
Die Barockstadt lieferte ein richtig gutes Hessenderby ab – und zwar vom Start weg. Moritz Dittmann und Nicolas Wähling hatten schon nach nicht einmal fünf Minuten die erste Doppelchance, ehe Frankfurt bereinigen konnte. Wähling versuchte es per Schlenzer (9.), für Dittmann war wenig später der Winkel zu spitz (18.). In jener Dittmann-Szene hatte Ali Gün den Ball erobert und war vor dem Pass in die Tiefe gezogen worden – wäre er gefallen, hätte der Schiri über eine Notbremse nachdenken können.
Danach klingelte es aber: Güns flache Hereingabe fand Dittmann, der erst noch an FSV-Keeper Becker scheiterte, dann aber im Nachschuss zur Führung traf (22.). Doch die Gäste stellte die Johannisau drei Minuten später mit der ersten Chance wieder ruhig: Filip Pandza entwischte Aaron Frey und wurde von Iorga toll bedient, er überwand Jannik Horz und glich zum 1:1 aus (25.). Doch die SGB spielte unbeirrt weiter nach vorne: Nur eine Minute später überlegte Gün eine Sekunde zu lange - er hatte richtig viel Platz, aber setzte die Kugel neben den Pfosten. Auch Moritz Dittmann und Nicolas Wähling vergaben gute Gelegenheiten – bei Wählings Ball aus spitzem Winkel waren Torwart und Pfosten im Weg.
Dann hatte der FSV Frankfurt viele Gründe, sich aufzuregen: Schiri Ritter, der bis dato kleine klare Linie hatte, zeigte George Iorga nach einem Ballverlust im Mittelfeld die Rote Karte, als er Dittmann von hinten per Grätsche stoppte – die Entscheidung war hart, Frankfurt war von da an eine gute Stunde in Unterzahl, versteckte sich aber nicht. Bis zur Pause gab es den einen oder anderen Abschluss, doch auch Fulda vergab durch Dittmann und Gün beste Chancen.
Noch druckvoller wurde es dann in Hälfte zwei: Die SGB gab den Ton an, Frankfurt bekam kaum noch Ballbesitzphasen und Entlastung. Alleine Gün und Reinhard hätten für eine komfortable Führung sorgen können, auch Wähling scheiterte nochmal, ehe FSV-Spieler Doktorczyk den Einschlag durch eine sagenhafte Grätsche gegen Gün nach 62 Minuten verhinderte. Die Barockstadt wollte einen Elfer, doch den gab es nicht – und es kam, was kommen musste: Nach unzähligen vergeben Chancen spielte der FSV nach vorne, Joker McDonald bediente Doktorczyk auf rechts außen und der drehte das Spiel aus sehr spitzem Winkel (70.).
Abermals jedoch war bei Fuld überhaupt nichts von „Köpfe runter“ zu spüren – im Gegenteil: Gün hielt mit der letzten Aktion vor seiner Auswechslung den Kopf in die Flanke von Keanu Kraft und weckte das Stadion wieder auf – 2:2.
Die Schlussviertelstunde gehörte – natürlich – auch der SGB: Nicolas Wählings Abschluss wurde geblockt (79.), danach sah Kapitän Aaron Frey wegen Meckerns Gelb-Rot. Es war wieder konsequent, aber sehr hart vom Unparteiischen. Auch Neuzugang Diamant Lokaj kam noch zu seinem Debüt für die Fuldaer. Es spielte nur noch die Barockstadt – es konnte eigentlich nur einen Sieger in diesem Derby geben, das die Frankfurter aber zumindest kämpferisch voll angenommen hatten und sich in alles reinwarfen. Bis in die Nachspielzeit suchte das Team von Daniyel Cimen die Wege nach vorne, doch auf den ersten Regionalliga-Sieg gegen die Bornheimer seit November 2023 müssen die Osthessen weiter warten.
Dennoch lobte der Fuldaer Coach auch die Art und Weise, gerade auch nach dem 1:2: „Auch in Überzahl kann einen das schocken und mental zurückwerfen. Die Jungs haben wieder Widerstandsfähigkeit gezeigt, davor habe ich großen Respekt. Ich hoffe, dass wir das lange beibehalten. Aber natürlich haben wir auch wieder gesehen, dass – wenn du einmal nicht aufpasst – jede Mannschaft in der Liga die Qualität hat, es ausnutzen“.
Barockstadt: Horz – Sarpei, Habermehl, Frey – Kraft, Ivankovic, Reinhard (84. Lokaj), Schmitt (82. Hillmann) – Wähling, Dittmann, Gün (72. Göbel).
FSV Frankfurt: Becker; Ehlich (89. Harnafi), Weißmann, Kemper, Breir, Iorga, Del Vecchio (89. Suljic), Peters (46. Deger), Gottwalt, Doktorczyk, Pandza (68. McDonald).
Schiedsrichter: Jan-Vincent Ritter (Münchweiler a.d. Alsenz)
Tore: 1:0 Moritz Dittmann (22.), 1:1 Filip Pandza (25.), 1:2 Nick Doktorczyk (70.), 2:2 Ali Gün (72.)
Zuschauer: 1780
Rote Karte: George Daniel Iorga (Frankfurt, 31.) – grobes Foulspiel
Gelb-Rote Karte: Aaron Frey (Barockstadt, 83.)
