Lokales FD 20.08.2026

Olympia 1936: Der Fuldaer Dom vor dem Brandenburger Tor

Fulda (pm/jah) – Fast genau auf den Tag gingen vor 90 Jahren die Olympischen Spiele in Berlin zu Ende. Die Spiele, inszeniert von den Nationalsozialisten, gelten als erstes modernes Sportevent. Dass auch Fulda eine bedeutende Rolle in der Olympia-Propaganda spielte, das bewies der Historiker Alexander Kropp in einem äußerst kurzweiligen Vortrag des Fuldaer Geschichtsvereins Anfang August.

Im Fulda-Haus mit Bonifatius als Hausmarke waren französische Sportler untergebracht. Fotos: Sammlung Alexander Kropp

Die Postkarte der Spiele 1936 zeigt das Fuldaer Banner direkt am Brandenburger Tor.

Der Fuldaer Dom vor dem Brandenburger Tor – diese historische Postkarte von den Olympischen Spielen 1936 löste bei Alexander Kropp Erstaunen aus. Was hat das Wahrzeichen der Barockstadt mit den von den Nazis inszenierten Spielen zu tun? Der gebürtige Fuldaer hat sich auf Spurensuche begeben und ausführlich mit einem Thema beschäftigt, dessen Forschung – wie er selbst sagt – noch lange nicht abgeschlossen ist.

Kropp erinnerte die rund 90 Gäste im Kanzlerpalais aber zunächst daran, dass die Bewerbung um die Olympischen Spiele keine Erfindung der Nationalsozialisten war. „Die Vergabe an Berlin erfolgte bereits 1931, und die Nazis waren anfangs eher gegen den Gedanken eines internationalen Wettbewerbs.“ Doch schon unmittelbar nach der Machtergreifung 1933 habe Hitler den Propagandawert einer solchen Veranstaltung erkannt und sich persönlich in die Planungen eingemischt. Olympia 1936 wurde fortan als „nationale Aufgabe“ deklariert. „Die Spiele wurden dadurch zu modernen Medienspielen mit Elementen, wie wir sie heute noch kennen“, sagte Kropp. Merchandise-Artikel, Fernsehübertragungen, ein tägliches Extrablatt, Sonderberichte in den Lokalzeitungen, Hefte, ein Film von Leni Riefenstahl, ein Olympia-Zug mit Halt in 100 Städten und der erste Fackellauf vom antiken Olympia nach Berlin – die Bevölkerung wurde vollkommen auf die Spiele eingestimmt.

Dass auch das Fuldaer Land in die Propaganda eingebunden war, machte Kropp an drei Beispielen fest. Als erstes nannte er den Segelflug auf der Wasserkuppe: Die Disziplin war zwar selbst nicht olympisch, hatte er sportlichen Charakter und wurde ausführlich im Olympia-Heft vorgestellt – mit prachtvollen Bildern der Rhön. Das zweite Beispiel war das sogenannte Fulda-Haus im Olympischen Dorf. Die Häuser, in denen die Sportler der teilnehmenden Nationen untergebracht waren, trugen Namen deutscher Städte und sollten Typisches aus dieser Stadt zeigen. Das Fulda-Haus hatte Bonifatius als Hausmarke, im Inneren waren ein Wandgemälde vom Dom und dazu Fotos von der Stadt, aus der Rhön, von Bad Salzschlirf und Bischofsheim. Untergebracht im Fulda-Haus wurden französische Sportler. „Das Gebäude steht leider nicht mehr. Auf dem Areal des Olympischen Dorfes stehen teilweise Plattenbauten aus der Sowjetzeit, teilweise Ruinen, aber es entstehen auch moderne Wohnprojekte“, führte Kropp aus, der als Referent im Bayrischen Innenministerium tätig ist.

Der dritte Fulda-Bezug zu den Olympischen Spielen ist wohl der öffentlichkeitswirksamste: Die Nationalsozialisten hatten die Prachtstraße Unter den Linden zu einer „Via Triumphalis“ hergerichtet, in der sich 256 deutsche Städte auf eigenen Bannern präsentieren konnten. „Man kann sich das als eine Art Open-Air-Ausstellung vorstellen: Man lief durch die Städte und konnte deutsche Sehenswürdigkeiten bestaunen“, erklärte Kropp. Das Konzept sei ein großer Erfolg gewesen, schließlich hätten die Spiele nicht nur eine gewaltige Menge an Menschen aus Deutschland, sondern auch aus dem Ausland nach Berlin gebracht. „Die Nazis konnten dadurch zeigen: Seht her, wie schön es in Deutschland ist. Dank unserer Herrschaft sind wir wieder wer in der Welt.“ Der Historiker betonte zugleich, dass der NS-Staat damit eine Weltoffenheit vorgaukelte, die es in der Realität natürlich nicht gab.

Das Besondere am Fulda-Banner: Wie auf der historischen Postkarte zu sehen ist, befindet sich die Fahne mit Fulda-Wappen und Dom (Rückseite: Orangerie) direkt vor dem Brandenburger Tor – wohl einer der prominentesten Plätze der gesamten Ausstellung. Warum das so war, das ist (noch) unklar. Kropp vermutet geographische Gründe, da rund um das Fulda-Banner auch andere hessische Städte platziert sind. Anhand dieser drei Faktoren lasse sich dennoch festhalten: Fulda war durchaus ein Teil der Propagandamaßnahmen rund um Olympia 1936. Kropp will sich weiter dem Thema widmen – zum Beispiel unter dem Gesichtspunkt, dass bisher nur ein Bruchteil der Stadtbanner bekannt ist.

Auch der Vorsitzende des Fuldaer Geschichtsvereins, Dr. Thomas Heiler, bekräftigte, wie wichtig es sei, sich kritisch mit den Berliner Spielen zu befassen: „Wir haben bis heute Diktaturen, die sich mit Sportevents schmücken, für ihre Propaganda nutzen und von ihrem Glanz profitieren. Für sie alle sind die Olympischen Spiele 1936 die Blaupause schlechthin.“