Mehr als 2100 Bewerbungen waren in diesem Jahr landesweit eingegangen. Für die neuen Nachwuchskräfte gab es deshalb am 7. August zunächst einen gemeinsamen Empfang im Frankfurter Palmengarten. Finanzminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz begrüßte die Anwärterinnen und Anwärter dort als neue Kolleginnen und Kollegen und machte zugleich deutlich, welche Bedeutung ihre künftige Arbeit hat.
„Ohne uns läuft nichts!“ – der Satz sei dabei weit mehr als ein Motto, erklärte Lorz. „Jeder Tag Ihrer Arbeit trägt dazu bei, dass unser Gemeinwesen funktioniert, dass etwa Schulen gebaut, Straßen instand gehalten und soziale Leistungen finanziert werden.“ Der Einsatz der Beschäftigten sei damit „ein Grund, warum unser Staat handlungsfähig bleibt“.
Auch Oberfinanzpräsidentin Konstanze Bepperling richtete den Blick auf die Verantwortung, die mit dem Beruf verbunden ist. Die neuen Anwärterinnen und Anwärter hätten sich mit ihrer Entscheidung für die Hessische Steuerverwaltung bewusst dafür entschieden, „Verantwortung zu übernehmen: Sie dienen dem Land und dem Gemeinwohl“. Gleichzeitig verändere sich die Arbeitswelt durch künstliche Intelligenz und die digitale Transformation. „Technologie unterstützt uns, aber sie ersetzt nicht die Verantwortung, die wir als Verwaltung für Gesellschaft und Demokratie tragen“, betonte Bepperling.
Für die beiden neuen Anwärterinnen in Fulda bedeutet das zunächst vor allem Lernen und praktische Erfahrung sammeln. Das dreijährige duale Studium zur Diplom-Finanzwirtin beziehungsweise zum Diplom-Finanzwirt besteht aus Fachstudien an der Hochschule für Finanzen und Rechtspflege in Rotenburg an der Fulda oder Frankfurt am Main sowie darauf abgestimmten Praxisphasen im Finanzamt. Auf dem Lehrplan stehen unter anderem Abgabenrecht, Einkommen- und Ertragsteuern sowie Umsatzsteuer.
Das erworbene Wissen bleibt dabei nicht lange Theorie. In den Praxisphasen geht es an reale Fälle: Die Nachwuchskräfte ermitteln, prüfen und setzen beispielsweise Einkommen-, Körperschafts- oder Gewerbesteuern fest. Auch erste Erfahrungen im Umgang mit Steuerpflichtigen, Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern gehören dazu. Zusätzlich können sie bei Betriebsprüfungen Einblicke in weitere Bereiche der Steuerverwaltung gewinnen.
Wie vielfältig die späteren Einsatzmöglichkeiten sind, betont auch Dr. Arnulf Reinthaler, ständiger Vertreter des Amtsleiters des Finanzamts Fulda. „Viele spannende und höchst unterschiedliche Arbeitsbereiche erwarten sie“, sagt er. Dazu gehören unter anderem der Innendienst, die Außenprüfung, die Steuerfahndung oder die IT. „Die Aufgaben der Steuerverwaltung sind abwechslungsreich und bieten sehr gute Entwicklungsmöglichkeiten. Und das alles in einem Team, auf das man sich verlassen kann.“
Neben dem dualen Studium bietet die Hessische Steuerverwaltung auch eine zweijährige Ausbildung zur Finanzwirtin beziehungsweise zum Finanzwirt an. Auch hier wechseln sich theoretische Phasen an der Hochschule in Rotenburg mit praktischer Arbeit im Finanzamt ab. Dabei lernen die Nachwuchskräfte unter anderem, Steuerfälle sachgerecht zu bearbeiten, Steuerberechnungen zu prüfen und die zu zahlenden Steuern festzusetzen.
Für die neuen Kräfte gibt es neben den vielfältigen Aufgaben auch konkrete Vorteile: Während des dualen Studiums erhalten die Anwärterinnen und Anwärter monatlich 1724 Euro brutto, während der Ausbildung sind es 1645 Euro. Dazu kommen ein kostenloses Landesticket für den öffentlichen Personennahverkehr, ein sicherer Arbeitsplatz und verschiedene Karrierechancen.
Für Bepperling steht dabei trotz aller Digitalisierung der Mensch im Mittelpunkt. „Wir benötigen Ihre Expertise, Ihr Urteilsvermögen und Ihre Fähigkeit, komplexe Sachverhalte zu bewerten“, sagte sie den neuen Anwärterinnen und Anwärtern. Genau dafür würden sie im Steuerrecht fit gemacht und Teil der Gemeinschaft der Finanzverwaltung.
Für die beiden jungen Frauen in Fulda beginnt damit eine Ausbildung mit vielen unterschiedlichen Facetten – zwischen Hörsaal und Finanzamt, zwischen Steuerrecht und konkreten Fällen. Und vielleicht passt deshalb auch das Motto des Ausbildungsstarts ganz gut: „Ohne uns läuft nichts.“
