„Tatsächlich jetzt wieder entspannter“, sagt Tim Dittrich zu seiner persönlichen Anspannung. Noch am Vortag sei es deutlich stressiger gewesen. „Als wir um 15 Uhr gerade mal mit dem Eindecken fertig wurden oder als die letzten Möbel kamen“, erzählt er. Pünktlich zum ersten Öffnungstag war dann aber alles bereit.
Und die Gäste ließen nicht lange auf sich warten. Bereits kurz nach der Öffnung füllten sich die ersten Plätze. „Die Gäste kommen, die haben Bock drauf“, sagte Sabrina Dittrich. Besonders erleichtert habe sie, dass die Menschen schon am Nachmittag gekommen seien – obwohl die Live-Musik erst am Abend beginnen sollte. „Hätte ja auch keiner kommen können“, sagt sie. Stattdessen habe man schon früh gemerkt: Das neue Brauhaus wird angenommen.
Für Tim Dittrich war die Situation am Samstag damit deutlich angenehmer als bei der inoffiziellen Eröffnung am Vorabend. Vor rund 70 Menschen eine Rede zu halten, sei für ihn schließlich etwas völlig anderes, als mit Gästen am Tisch zu sitzen. „Ich kann mit Gästen, 20 Leute am Tisch, du machst Scherze, du hast Spaß dabei, alles super“, erzählt der Gastronom. „Aber wenn dann so 70 wie gestern auf dich gucken, das ist nicht meine Welt.“ Da fühle er sich am Tisch deutlich wohler.
Am Samstag durfte er dagegen beobachten, wie das Konzept bei den Gästen ankommt. Nach kurzer Zeit gab es bereits den ersten kleinen Grund zum Feiern: Die ersten 200 Besucher waren erreicht – diese bekamen ihr erstes Getränk als Willkommensgeschenk aufs Haus. „Es ist mega. Es ist einfach schön. Es ist einfach geil“, sagte Sabrina.
Das Brauhaus ist für das Ehepaar nicht einfach nur ein weiterer Gastronomiebetrieb. Tim Dittrich ist in Schlitz bereits seit Jahren als Gastronom bekannt. Mit dem Braustübchen in der Altstadt hat er sich einen Namen gemacht. Doch dort seien die räumlichen Möglichkeiten inzwischen ausgeschöpft gewesen. „Wir sind platzmäßig lange, lange, lange schon an den Kapazitätsgrenzen angekommen“, sagt Dittrich. Gäste wegzuschicken, nur weil kein Platz mehr da sei, sei für ihn keine gute Lösung.
Hinzu kamen die Bedingungen des alten Standorts. „Ich habe noch 30 Jahre vor mir, die habe ich einfach nicht mehr im alten Laden gesehen“, sagt Dittrich. Er habe mit seinem Team weiter wachsen wollen. Das neue Brauhaus bietet dafür deutlich mehr Möglichkeiten.
Auch das Thema Barrierefreiheit spielte bei der Entscheidung eine wichtige Rolle. Sabrina und Tim Dittrich kennen die Schwierigkeiten aus eigener Erfahrung. Ihr Sohn sitzt im Rollstuhl. „Da ist es wirklich schwierig, was zu finden“, erzählt Sabrina. Aber nicht nur für Menschen mit Behinderung sei ein barrierearmer Standort wichtig. Auch für ältere Gäste habe der neue Standort Vorteile. Im Braustübchen sei beispielsweise das Kopfsteinpflaster vor allem im Winter ein Problem. „Im Winter kommt die ältere Gesellschaft nicht, weil das Kopfsteinpflaster, sie könnten ausrutschen“, erklärt Tim Dittrich. Im Sommer sei das anders. „Und hier ist es perfekt“, ergänzt Sabrina. Auch Behindertenparkplätze gibt es am neuen Standort.
Für die beiden ist das neue Gebäude deshalb ein Standort mit Zukunft. „Das Haus ist energetisch effizient. Neuester Stand“, sagt Tim Dittrich. Vor allem aber biete das Areal Platz für weitere Entwicklungen. Neben dem Brauhaus könnten künftig auch größere Veranstaltungen und Tagungen stattfinden. „Perfekter Standort eigentlich“, sagt Dittrich.
Kulinarisch bleibt Dittrich seiner Linie treu. Auf der Speisekarte steht weiterhin deutsche, rustikale Küche. Schnitzel und andere klassische Gerichte gehören ebenso dazu wie vegetarische und vegane Angebote. „Wir haben eine tolle Karte“, sagt Sabrina. Das bewährte Konzept aus dem Braustübchen soll damit auch im Hahnekiez weiterleben.
Zum neuen Standort gehört außerdem ein eigenes Bier. Das naturtrübe Landbier trägt den Namen „Kieztrunk“ und wird exklusiv für das Brauhaus angeboten. Gebraut wird es von der Vogelsberger Landbrauerei. „Das ist unseres. Wir sind ein Brauhaus“, sagt Tim Dittrich. Eigene Braukessel gibt es zwar nicht, dafür aber das passende Hausbier. Die Gläser mit dem eigenen Logo sollen im September folgen.
Während sich am Samstag die Gäste bei Essen und Getränken auf der Terrasse und im Gastraum trafen, war auch für den Sonntag ein buntes Programm vorbereitet. Ein Familientag mit Hüpfburg, Zaubershow und Musik sollte dafür sorgen, dass das Brauhaus nicht nur für Freunde der gutbürgerlichen Küche interessant ist.
Bereits am Samstagabend stand mit „Crazy Unplugged“ Live-Musik auf dem Programm. Für Sabrina Dittrich gehört Musik zum neuen Konzept dazu. „Die Musik ist auf jeden Fall mega geil“, sagte sie mit Blick auf die Musiker. Unterstützung bekommen die Dittrichs dabei von Familie, Freunden und ihrem Team. „Die sind einfach alle da, und das tut auch noch mal gut“, sagt Sabrina. Viele hätten in den vergangenen Tagen mit angepackt und dafür gesorgt, dass die Eröffnung pünktlich stattfinden konnte.
Nach den vergangenen Wochen dürfte damit vor allem eines überwiegen: Erleichterung. Aus der Baustelle im Hahnekiez ist ein neuer Treffpunkt geworden. Und während Tim Dittrich am Freitag noch vor vielen Menschen eine Rede halten musste, konnte er am Samstag wieder das tun, was ihm offenbar deutlich mehr liegt: mit Gästen sprechen, scherzen und beobachten, wie sein neues Brauhaus langsam mit Leben gefüllt wird. „Für den ersten Moment sind wir schon mal beruhigt“, hatte er kurz nach der Öffnung gesagt. Die ersten 200 Gäste dürften diese Sorge endgültig genommen haben.
