Lokales FD 20.08.2026

Neue Bewohner auf vier Pfoten: Neuzugänge im Wirgarten – Fotos

Fulda – Von Janosch Hensel – Große Ohren, neugierige Blicke und jede Menge neue Stimmen im Gehege: Im Wirgarten Fulda ist in den vergangenen Wochen tierisch viel los gewesen. Gleich mehrere neue Bewohner haben ihr neues Zuhause bezogen – darunter zwei Bennett-Kängurus, ein Mini-Shetlandpony, zwei Kaninchen, ein Hahn und zwei junge Anglo-Nubische Ziegen. Beim Presserundgang am Donnerstagvormittag gab es die Gelegenheit, die tierischen Neuzugänge kennenzulernen und einen Blick hinter die Kulissen ihrer Eingewöhnung zu werfen.

Wirgarten-Tierpflegerin Claudia Schwertz mit Pony Ronja. Foto: Janosch Hensel

Besonders die beiden Bennett-Kängurus sorgten für neugierige Blicke. Eines der beiden Tiere trägt braunes Fell, das andere ist weiß. Die beiden jungen Kängurus wurden im vergangenen Oktober geboren und sind inzwischen von ihren Müttern abgesetzt und selbstständig. Im Wirgarten steht ihnen ein Gehege mit langen Lauf- und Sprungstrecken sowie einem eigens angelegten Sandplatz zur Verfügung. Die beiden Tiere sind Geschwister und haben denselben Vater, stammen aber von unterschiedlichen Müttern. Seit rund zwei Wochen leben sie im Wirgarten – und haben sich nach Angaben von Tierpflegerin Claudia Schwertz bereits gut eingelebt. Dass ausgerechnet zwei weibliche Tiere nach Fulda kamen, war dabei kein Zufall. „Wir haben ziemlich lange gesucht nach weiblichen Tieren. Das war tatsächlich gar nicht so einfach“, erklärte Schwertz.

Der Grund dafür: Eine reine Männergruppe könne funktionieren, berge aber auch Risiken. „Und deswegen wollten wir gern weibliche Tiere und das war jetzt ein glücklicher Zufall“, sagte die Tierpflegerin. Dass eines der beiden Kängurus weiß ist, sei hingegen nicht geplant gewesen. Die beiden Tiere seien zur gleichen Zeit geboren worden und hätten gemeinsam abgegeben werden können. So seien sie bereits aneinander gewöhnt gewesen und konnten zusammen nach Fulda kommen. Wer die beiden beobachtet, bekommt schnell eine Vorstellung davon, warum Kängurus so faszinierende Tiere sind. Bennett-Kängurus können bis zu acht Meter weit springen und Geschwindigkeiten von rund 30 Kilometern pro Stunde erreichen. Ursprünglich stammen sie aus den kühleren Regionen im Südosten Australiens und aus Tasmanien. Dort sind sie vor allem in Wäldern, Buschland und offenen Grasflächen unterwegs.

Für die Haltung seien die Tiere vergleichsweise unkompliziert, erklärte Schwertz. „Sie sind winterhart, und ansonsten tatsächlich relativ anspruchslos.“ Auf dem Speiseplan stehen vor allem Gras und Blätter. Im Winter bekommen die Kängurus Heu und zusätzlich eine kleine Menge spezielles Kängurufutter. Dass die beiden neuen Bewohner schnell zum Besuchermagneten geworden sind, überrascht im Wirgarten niemanden. Rund zweieinhalb Jahre hatte es dort keine Kängurus mehr gegeben, nachdem die vorherigen Tiere altersbedingt gestorben waren. „Es vergeht kein Wochenende, wo Besucher gefragt haben: Wo sind eure Kängurus? Wann kriegt ihr wieder Kängurus?“, berichtete Schwertz. Die Nachfrage sei „schon enorm“ gewesen.

Ronja wartet auf ihre neue Pony-Herde

Auch bei den Ponys gibt es Verstärkung. Ronja heißt die neue Bewohnerin, ein gerade einmal 85 Zentimeter großes Mini-Shetlandpony mit fuchsfarbenem Fell. Die Stute wurde am 6. August 2022 geboren und gilt als besonders lieb und zutraulich. Noch muss sich Ronja allerdings gedulden. Sie befindet sich derzeit in Quarantäne und wartet auf die tierärztliche Freigabe. Erst wenn ausgeschlossen ist, dass sie ansteckende Krankheiten mitbringt, darf sie zu den anderen Ponys ziehen und den Padock-Trail erkunden. Die Quarantäne gehört zur Eingewöhnung neuer Tiere im Wirgarten fest dazu. So soll verhindert werden, dass mögliche Infektionen in die bestehende Gruppe gelangen.

Zwei Kaninchen und ein neuer Hahn

Auch bei den kleineren Bewohnern hat sich etwas getan. Mit Oreo und Brownie sind zwei neue Kaninchen eingezogen. Oreo gehört zur Rasse Deutscher Riese, Brownie ist ein Wiener-Kaninchen. Beide wurden im Februar 2025 geboren und sind inzwischen Teil der Wirgarten-Gemeinschaft. Für zusätzliche Bewegung im Hühnergehege sorgt zudem ein neuer Hahn. Er ergänzt künftig die bereits bestehende Hühnerschar. Dass Oreo und Brownie gleich zu zweit nach Fulda kamen, hat einen Grund. „Wir versuchen immer nur zwei Kaninchen dazuzusetzen. Ein Einzeltier in so eine bestehende Gruppe zu integrieren hat sich bereits in der Vergangenheit als durchaus schwierig erwiesen“, klärte Claudia Schwertz auf. Zu zweit falle den neuen Tieren die Eingewöhnung leichter. Bei Oreo und Brownie habe das „super funktioniert“. Beide seien gut angekommen und würden sich bereits sehr zutraulich zeigen.

Pippa und Petite warten auf ihre große Begegnung

Besonders jung sind die beiden Neuzugänge im Ziegengehege: Pippa und Petite. Die beiden Anglo-Nubischen Ziegen wurden erst am 14. März dieses Jahres geboren und stammen von einem Züchter aus Wartenberg. Mit ihren langen, hängenden Ohren und der leicht gewölbten Nasenlinie sind die beiden bereits auf den ersten Blick gut zu erkennen. Die Rasse gilt als neugierig, intelligent und menschenbezogen. „Das sind sehr lustige Ziegen, die eigentlich sehr, sehr auf die Menschen fokussiert sind“, erläuterte Schwertz. Die charakteristischen langen Ohren seien ein besonderes Merkmal der Rasse. Auch die Größe der Tiere wird noch deutlich zunehmen. Aktuell sind Pippa und Petite erst rund viereinhalb Monate alt. „Sie wachsen sicherlich noch bis zum zweiten Lebensjahr“, erklärte die Tierpflegerin. Noch leben Pippa und Petite getrennt von der bestehenden Ziegenherde im Quarantäne-Gehege. Nach der tierärztlichen Freigabe steht ihnen dann die nächste spannende Etappe bevor: die Zusammenführung mit den anderen Ziegen. Zunächst soll den beiden jungen Tieren eine erfahrene Ziege als „Leittier“ zur Seite gestellt werden. „Bei jungen Ziegen muss eigentlich immer eine ältere, erfahrene Ziege dabei sein, an der sie sich orientieren“, erklärte Schwertz. Die beiden hätten sich in ihrem vorläufigen Zuhause bereits gut eingelebt. „Sie sind sehr ruhig und gut eingelebt“, sagte die Tierpflegerin. Auf ihre Begegnung mit der großen Gruppe müssen Pippa und Petite aber noch etwas warten.

Zwei Kängurus suchen noch Namen

Auch für die beiden Kängurus steht noch eine wichtige Frage aus: Wie sollen sie heißen? Besucherinnen und Besucher können vom 20. August bis zum 6. September Namensvorschläge an der Kasse im Torhaus abgeben. Das Wirgarten-Team will daraus eine Auswahl treffen und anschließend über die endgültigen Namen entscheiden. Marion Gottschalk aus dem Leitungsteam des Wirgartens rief die Besucher ausdrücklich zur Beteiligung auf: „Für die, die hierherkommen, steht ein kleiner Briefkasten bereit und jeder darf Namensvorschläge auf dem Zettel schreiben und einwerfen.“ Aus den Vorschlägen soll anschließend eine engere Auswahl entstehen. Dabei wolle das Team möglichst viele Ideen berücksichtigen und schließlich einen Namen auswählen.

So unterschiedlich die neuen Bewohner auch sind – vom kleinen Mini-Shetlandpony bis zum sprunggewaltigen Känguru verbindet sie eines: Sie müssen zunächst in Ruhe an ihr neues Zuhause gewöhnt werden. Für die Besucher bedeutet das zugleich, dass es im Wirgarten in den kommenden Wochen immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt. Wer die neuen Bewohner kennenlernen möchte, kann den Wirgarten donnerstags von 13 bis 18 Uhr sowie freitags bis sonntags jeweils von 10 bis 18 Uhr besuchen. Pädagogische Angebote können dienstags bis donnerstags gebucht werden.

Heimattiergartenverein richtet sich neu aus

Hinter den Kulissen hat sich im Wirgarten zudem auch beim Heimattiergartenverein einiges getan. Der Verein, der den früheren Heimattiergarten über Jahrzehnte getragen hatte, besteht weiterhin. Heute ist die Kinder-Akademie Fulda Betreiber des Wirgartens, während sich der Verein neu aufgestellt hat und künftig stärker als Förderer und Unterstützer wirken möchte. Ein großer Teil des Tierbestands gehört weiterhin dem Verein. Jana Dumschat aus dem Vorstand des Heimattiergartenvereins hat die Entwicklung des Vereins und des Wirgartens selbst über längere Zeit begleitet. Als sie nach Fulda gezogen ist, habe sie zunächst ehrenamtlich im Verein begonnen und dabei auch den Umbau und die Neustrukturierung miterlebt. „Das war für mich ganz spannend“, blickte Dumschat zurück. Inzwischen arbeitet sie selbst als tiergestützte Pädagogin im Wirgarten.

Mit der Neuausrichtung habe sich auch die Frage gestellt, welche Aufgabe der Verein künftig übernehmen soll. „Klar war, unser Heimattiergartenverein ist eben nicht mehr wie vorher der Betreiber von dem Ganzen. Das ist jetzt eben die Kinderakademie“, erklärte Dumscheidt. Zugleich sei klar gewesen, dass der Verein weiterhin eine wichtige Rolle spielen solle. Schließlich hätten viele Mitglieder über Jahrzehnte Zeit, Arbeit und Geld in den Tiergarten investiert. „Ohne den Verein würde es uns als Wirgarten jetzt so nicht geben“, betonte sie. Künftig soll der Verein vor allem das Ehrenamt organisieren und den Wirgarten unterstützen. Dazu gehört auch die Möglichkeit, sozial schwächeren Familien tiergestützte Angebote zu ermöglichen, die bislang nicht von Krankenkassen oder anderen Kostenträgern finanziert werden. Der Verein stellt außerdem Tiere für den Zoobetrieb und die pädagogische Arbeit zur Verfügung und unterstützt entsprechende Angebote mit Spendengeldern.

Auch für Menschen, die sich selbst engagieren möchten, soll es neue Möglichkeiten geben – etwa in der Tierpflege, bei der Besucherarbeit oder im pädagogischen Bereich. Vom 21. bis 24. August lädt der Heimattiergartenverein deshalb zu Info- und Aktionstagen unter dem Motto „Informieren. Mitmachen. Unterstützen.“ ein. Den Auftakt bildet am Freitag, 21. August, um 17 Uhr eine offene Informationsveranstaltung am Eingang des Wirgartens. Am Samstag steht die Besucherarbeit im Mittelpunkt, am Sonntag können Interessierte bei Morgen- und Abendrunden Einblicke in die ehrenamtliche Tierpflege erhalten. Den Abschluss bildet am Montag der Bereich Pädagogik und tiergestützte Arbeit. Auch Tierpflegerin Claudia Schwertz ist inzwischen eng mit dem Verein verbunden: Sie wurde zur ersten Vorsitzenden gewählt. Gemeinsam soll nun versucht werden, den Verein wieder stärker zu beleben und gleichzeitig die Verbindung zum Wirgarten weiter auszubauen. Denn eines hat sich trotz aller Veränderungen nicht geändert: Die Liebe zu den Tieren und das Engagement für den besonderen Ort an der Sickelser Straße.

Tierische Neuzugänge im Wirgarten. Fotos: Janosch Hensel