„Der Tag, an dem die Erde stillstand“ – unter dieser Überschrift wendet sich Justine Schäfer, eine enge Freundin der Familie, an die Öffentlichkeit. Sie kennt Sophie und Lucas seit langer Zeit, auch ihre Kinder seien eng miteinander verbunden. Was sie in ihrem Spendenaufruf beschreibt, ist der Versuch, Worte für einen Verlust zu finden, für den es eigentlich keine passenden Worte gibt. „Sophie hat auf tragische Weise ihren geliebten Partner verloren – und ihre erst zweijährige Tochter ihren Papa“, schreibt Schäfer.
Am Montagmorgen hatte sich das Leben der jungen Familie innerhalb weniger Augenblicke verändert. Lucas verunglückte bei Arbeiten an einem Lkw in dem Basaltwerk in der Gemeinde Kalbach. Die genauen Umstände sind weiterhin Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen. Für Sophie und ihre kleine Tochter beginnt damit eine Zeit, in der neben der Trauer auch zahlreiche praktische Fragen geklärt werden müssen.
Lucas sei, so beschreibt es seine Freundin, ein Familienmensch durch und durch gewesen. Ein liebevoller Partner, ein fürsorglicher Vater und ein Freund, der für andere da gewesen sei, wenn er gebraucht wurde. Besonders eng sei seine Beziehung zu seiner kleinen Tochter gewesen. „Seine kleine Tochter war sein ganzer Stolz und sein größtes Glück“, heißt es im Aufruf. Nach einem langen Arbeitstag nach Hause zu kommen, ihr Lachen zu sehen und Zeit mit ihr zu verbringen, habe ihm alles bedeutet.
Jetzt bleiben Sophie und ihre Tochter mit der Trauer und gleichzeitig mit all den Dingen zurück, die nach einem solchen Schicksalsschlag plötzlich geregelt werden müssen. Rechnungen, laufende Kosten und weitere organisatorische Fragen kommen zu einem Verlust hinzu, der emotional kaum zu begreifen ist. Genau hier setzt die Spendenaktion an.
„Wir können ihnen ihren geliebten Partner und Papa nicht zurückgeben“, schreibt Justine Schäfer. Helfen könne man der Familie aber trotzdem. Die Spenden sollen Sophie dabei unterstützen, unmittelbar entstehende und laufende Kosten zu tragen und ihr vor allem eines ermöglichen: Zeit für ihre kleine Tochter und Zeit zum Trauern, ohne sich zusätzlich zu jeder emotionalen Belastung um finanzielle Sorgen kümmern zu müssen.
Wie groß die Anteilnahme ist, zeigt inzwischen die Entwicklung der Spendenaktion. Am Mittwoch, 26. August, waren bis 14 Uhr 40.847 Euro zusammengekommen. Mehr als 30.000 Euro waren bereits zuvor innerhalb kurzer Zeit erreicht worden. Für die Organisatoren ist jeder einzelne Beitrag ein Zeichen dafür, dass Sophie und ihre Tochter in dieser schweren Situation nicht alleine sind.
„Jeder einzelne Beitrag – ganz egal in welcher Höhe – bedeutet unglaublich viel“, schreibt Justine Schäfer in einem Update. Die Familie erfahre dadurch nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch Anteilnahme, Hilfe und das Gefühl, dass viele Menschen an sie denken.
Dabei richtet sich der Aufruf nicht ausschließlich an Menschen, die Lucas und Sophie persönlich kannten. Freunde, Bekannte und Familienmitglieder haben die Aktion weitergetragen. Aber auch Menschen, die der jungen Familie bisher nie begegnet sind, können einen Beitrag leisten oder den Aufruf teilen.
Denn hinter den inzwischen mehr als 40.000 Euro steht eine junge Mutter, die ihren Partner verloren hat, und ein zweijähriges Mädchen, das von einem Tag auf den anderen ohne seinen Vater aufwachsen muss. Die Spenden können den Verlust nicht kleiner machen. Sie können keine gemeinsame Zeit zurückbringen und keine Antworten auf die Frage geben, warum ein Familienleben plötzlich auf diese Weise zerbricht.
