Lokales FD 25.08.2026

Meilenstein am Klinikum Fulda: 1000. DaVinci-Operation

Fulda (pm/pf) – Ein bedeutender Meilenstein für die moderne Medizin in Osthessen: Die Klinik für Urologie und Kinderurologie am Klinikum Fulda hat zum 1000. Mal erfolgreich eine Operation mit dem DaVinci-Roboter-System durchgeführt. Das Team um Klinikdirektor Prof. Dr. Tilman Kälble setzt damit ein starkes Zeichen für die Weiterentwicklung der roboter-assistierten Chirurgie in der Region. Patientinnen und Patienten profitieren von der besonders schonenden, minimal-invasiven Methode: kleinste Schnitte, weniger Belastung und eine deutlich schnellere Genesung.

Prof. Dr. Tilman Kälble (Sechster von rechts) mit seinem Team der Klinik für Urologie und Kinderurologie. Fotos: Peter Jacob, Klinikum Fulda

Viele Patienten haben bei dem Begriff „OP-Roboter“ die Sorge, dass eine Maschine sieeigenständig operiert. Prof. Dr. Tilman Kälble gibt hierzu klare Entwarnung: „Der DaVinci-Roboter führt keinen einzigen Schnitt selbstständig aus. Er ist kein Autopilot, sondern ein hochpräzises Werkzeug, das zu 100 Prozent von der operierenden Ärztin oder dem Arzt gesteuert wird. Die erfahrenen Hände des Chirurgen übersetzen jede Bewegung an einer Steuerkonsole millimetergenau auf die Instrumente im Körper. Die Kontrolle liegt in jeder Sekunde vollständig beim Menschen.“

Prof. Kälble führt weiter aus: „Die Einführung der roboter-assistierten Chirurgie bedeutet keineswegs, dass die klassischen offenen Operationsverfahren schlechtere Behandlungsergebnisse erbracht hätten, insbesondere nicht hinsichtlich der Onkologie und Tumorsicherheit bei Krebsoperationen“, betont der Chirurg. „Der entscheidende Vorteil des DaVinci-Systems liegt jedoch in den minimal-invasiven Zugängen über winzige Hautschnitte.“ 

Bei herkömmlichen offenen Eingriffen, beispielsweise an der Niere, sind oft längere Flankenschnitte erforderlich. Diese können über längere Zeit schmerzhaft sein und gelegentlich zu einer vorübergehenden Schwächung der Bauch- und Flankenmuskulatur führen. Beim DaVinci-Verfahren verläuft die Erholung hingegen drastisch schneller: Bis auf ein leichtes Druck- oder Blähgefühl am ersten Tag, bedingt durch das sanft eingebrachte Kohlendioxid-Gas (CO₂-Insufflation) zur besseren Sicht im Bauchraum, sind die Patienten ganz rasch nach dem Eingriff wieder selbstständig mobil. Die meisten Patientinnen und Patienten können das Krankenhaus bereits nach vier bis fünf Tagen schmerzfrei verlassen.

Auch bei der vollständigen Entfernung der Prostata bei Prostatakrebs (radikalen Prostatektomie) bietet das roboter-assistierte Verfahren entscheidende Vorteile: 

  • Präzise Sicht: Die hochauflösende 3D-Kamera ermöglicht dem Operations-Team eine hochpräzise Einsicht selbst in tief gelegenen Gewebeschichten des Beckens.
  • Präzise Nahtverbindung: Die Verbindungsnaht zwischen Blase und Harnröhre wird unter direkter optischer Kontrolle angelegt und sofort auf Dichtigkeit geprüft.
  • Frühere Katheterentfernung: Der Blasenkatheter kann in der Regel bereits am vierten Tag nach der Operation entfernt werden – im Gegensatz zu den bisher üblichen 7 bis 10 Tagen.

Diese Vorteile der schnelleren Schmerzfreiheit und kurzen Erholungszeiten gelten ebenso für weitere urologische Eingriffe, wie die Korrektur von Scheidenvorfällen, die Entfernung von Nebennierentumoren, die Behandlung von Lymphansammlungen oder komplexe Blasenoperationen mit Ersatzblasenbildung.

 

Herausragende Teamleistung und kontinuierliches Training

Der Weg zu diesem Erfolg beruht auf einer konsequenten und engagierten Teamleistung. Von intensiven Übungen am Simulator über Hospitationen in spezialisierten Zentren bis hin zu begleiteten Eingriffen mit erfahrenen Fachexperten (Proktoren) hat das Team der Klinik für Urologie und Kinderurologie eine hochgradige Routine entwickelt.

„Hinter diesem Meilenstein steht ein hochgradig engagiertes Team aus Ärztinnen, Ärzten und Pflegenden“, erklärt Prof. Dr. Kälble. „Neben mir operieren mein Leitender Oberarzt Dr. Karsten Fischer von der ersten Stunde an sowie die Oberärzte Dr. Kristina Wiens und Dr. Maximilian-Phil Mulfinger souverän am DaVinci-System. Zudem wurden zahlreiche Assistenzärztinnen und Assistenzärzte als sog. Tischassistenten ausgebildet, die essenzielle Aufgaben wie das Saugen, das Setzen von Gefäßclips und das Einbringen des Nahtmaterials übernehmen. Alle Teammitglieder beherrschen den Einsatz des Operationsrobotors und sind heute exzellente und sichere roboter-assistierte Chirurgen. Ich bin außerordentlich stolz auf diese Teamleistung unserer Klinik.“ 

 

Spitzenmedizin, Lehre und regionale Verantwortung

Als Universitätsmedizin Marburg – Campus Fulda leistet das Klinikum Fulda auch einen wichtigen Beitrag in der Ausbildung angehender Ärztinnen und Ärzte. Das DaVinci-System ist fest in die Ausbildung des medizinischen Nachwuchses integriert:

  • Live-Einblicke: Über eine spezielle Doppelkonsole verfolgen Medizinstudierende die Operationen live und lernen die menschliche Anatomie in detailgetreuer 3D-Optik kennen.
  • Praktisches Training: Am Simulator trainieren angehende Ärztinnen und Ärzte unter fachkundiger Anleitung frühzeitig ihre feinmotorischen Fähigkeiten für die Chirurgie der Zukunft.

Als Krankenhaus der Maximalversorgung unterstreicht das Klinikum Fulda mit der 1000. DaVinci-Operation in der Klinik für Urologie und Kinderurologie einmal mehr seinen Anspruch, Spitzenmedizin mit persönlicher Geborgenheit, Vielfalt und Respekt zu verbinden.