Lokales FD 11.08.2026

Mehr Lehrer, weniger Schüler: Das erwartet die Schulen in Fulda

Fulda – Von Silas Messing – Mehr Lehrer, weniger Schülerinnen und Schüler, mehr Ganztag und ein stärkerer Fokus auf Mathematik, Digitalisierung und Demokratiebildung: Das Staatliche Schulamt für den Landkreis Fulda hat am Montag auf das neue Schuljahr geblickt. Dabei wurde deutlich: Die Schulen in der Region stehen vor einigen Veränderungen – gleichzeitig sieht das Schulamt die Unterrichtsversorgung gut aufgestellt.

Harald Persch, Marion VanCuylenburg und Christian Pießnack stellten die Schwerpunkte für das neue Schuljahr vor. Foto: Silas Messing

„Wir können wirklich von einer guten Unterrichtsabdeckung ausgehen“, sagte Amtsleiterin Marion VanCuylenburg. Der Grundunterricht sei abgedeckt, auch darüber hinaus seien die Schulen gut versorgt. Dafür stehen im neuen Schuljahr 1969 Lehrerstellen zur Verfügung – 14 mehr als im vergangenen Jahr. Besetzt werden konnten die Stellen unter anderem durch Pensionärinnen und Pensionäre, Quereinsteiger und verlängerte Dienstzeiten. „

Gleichzeitig sinkt die Zahl der Schülerinnen und Schüler. 20.872 Kinder und Jugendliche besuchen im neuen Schuljahr die öffentlichen Schulen im Schulamtsbezirk – 179 weniger als im vergangenen Jahr. Besonders deutlich zeigt sich der Rückgang bei den Intensivklassen. Dort sinkt die Zahl von 877 auf 621 Schülerinnen und Schüler. „Wir haben weniger Zuwanderung“, erklärte der stellvertretende Amtsleiter Harald Persch. Das bedeute allerdings nicht, dass die Deutschförderung weniger wichtig werde. Im Gegenteil: „Trotz dieser geringeren Anzahl ist übrigens die Zahl der Stunden, die wir als Schulamt für Deutsch-Fördermaßnahmen erteilen können, gestiegen.“

Für die jüngsten Schülerinnen und Schüler beginnt derweil ein neuer Lebensabschnitt. 2249 Kinder werden in diesem Jahr neu an den Grundschulen aufgenommen. Auch hier gibt es Veränderungen: Die Zahl der Kinder in Vorlaufkursen, die bereits vor der Einschulung Deutsch lernen, ist von 482 auf 428 gesunken. „Von den Zahlen her ist es so, dass Ukrainerinnen und Ukrainer weiterhin mit Abstand die größte Gruppe ausmachen“, sagte Persch. Dahinter folgen Kinder und Jugendliche unter anderem aus der Türkei, Syrien und Afghanistan.

An den Schulen soll dabei nicht nur im regulären Unterricht Deutsch gelernt werden. Auch das Ferienprojekt „Deutsch-Summer“ wird erneut angeboten. Acht Grundschulen nehmen daran teil. Gemeinsam mit Theaterpädagogen, Deutschlehrern und Sozialpädagogen erarbeiten die Kinder ein Theaterstück. Traditionell steht „Ronja Räubertochter“ auf dem Programm. Für Persch ist das Projekt ein Beispiel dafür, wie Sprachförderung auch außerhalb des normalen Unterrichts funktionieren kann: Die Kinder kommen freiwillig in den Ferien und lernen Deutsch „mit einem etwas anderen Ansatz“.

Eine der größten Veränderungen betrifft den Ganztag. Alle 81 öffentlichen Schulen im Schulamtsbezirk sind inzwischen in das Landesprogramm aufgenommen. Damit sieht das Schulamt die Region grundsätzlich gut auf den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung vorbereitet. „Stand heute können wir davon ausgehen, dass der Rechtsanspruch umgesetzt werden kann“, sagte VanCuylenburg. Selbst wenn einzelne Schulen vor Herausforderungen stehen, sollen Lösungen gefunden werden. Als Beispiel nannte sie den Wasserschaden an der Schule in Poppenhausen.

Mit dem Ausbau des Ganztags kommen auch zusätzliche Stellen. 106 Lehrerstellen stehen dafür zur Verfügung, weitere 63 Stellen werden den Schulen finanziell zur Verfügung gestellt, um zusätzliches Betreuungspersonal beschäftigen zu können. Für viele Familien dürfte damit vor allem eine Frage entscheidend sein: Funktioniert die Betreuung tatsächlich, wenn der Rechtsanspruch greift? Nach Einschätzung des Schulamts lautet die Antwort derzeit: ja.

Inhaltlich will das Schulamt im kommenden Schuljahr vor allem genauer hinschauen. Die sogenannte datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung soll eine noch größere Rolle spielen. Dahinter steckt ein vergleichsweise einfacher Gedanke: Schulen sollen stärker anhand konkreter Daten erkennen, wo ihre Schülerinnen und Schüler stehen und wo sie sich verbessern müssen.

„Es geht im Kern darum, nicht so auf das Bauchgefühl zu vertrauen“, sagte VanCuylenburg. Stattdessen sollen Schulen gemeinsam mit der Schulaufsicht konkrete und messbare Ziele entwickeln. „Keine Daten ohne Taten“ lautet dabei der Grundsatz. Vor allem die Grundkompetenzen sollen stärker in den Mittelpunkt rücken – mit einem besonderen Schwerpunkt auf Mathematik.

Drei der zehn Startchancen-Schulen im Landkreis und in der Stadt Fulda nehmen deshalb an einem Pilotprojekt mit erweiterten Mathematiküberprüfungen teil. Insgesamt gehören fünf Schulen aus der Stadt und fünf aus dem Landkreis zum Startchancen-Programm. Sie erhalten zusätzliche Unterstützung, unter anderem für die Förderung in Deutsch und Mathematik sowie für sozialpädagogische Angebote.

„Das ist, glaube ich, so das große Thema für dieses Schuljahr“, sagte Christian Pießnack, Schulaufsichtsbeamter am Staatlichen Schulamt, über die datengestützte Schulentwicklung. Gerade die Startchancen-Schulen sollen dabei eng begleitet werden. „Es geht eben auch darum, die sozialen und personalen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler zu stärken“, erklärte Pießnack. Dafür könnten beispielsweise zusätzliche Sozialpädagogen eingesetzt werden.

Auch beim Thema Digitalisierung will das Schulamt einen Spagat schaffen. Auf der einen Seite stehen die Smartphone-Schutzzonen, auf der anderen die zunehmende Bedeutung digitaler Medien und künstlicher Intelligenz im Unterricht. Für VanCuylenburg ist das kein Widerspruch. „Wie soll es auch anders sein“, sagte sie mit Blick auf die Medienbildung. Digitale Geräte sollen dort eingesetzt werden können, wo sie für den Unterricht sinnvoll sind. Gleichzeitig müssten Kinder und Jugendliche lernen, mit ihnen richtig umzugehen.

„Zur Medienbildung gehört eben auch der gute und sachgemäße Umgang mit den Dingen und mit den Geräten, die es gibt“, sagte die Amtsleiterin. Im neuen Schuljahr soll zudem künstliche Intelligenz stärker in den Fokus rücken. Die regionale Steuergruppe Jugendmedienschutz will Schulen, Lehrkräfte und Schulleitungen dabei unterstützen. Die Extremismusprävention soll dabei nicht aus dem Blick geraten.

Auch die Schulpsychologie soll näher an die Schulen rücken. Die Abteilung ist nach Angaben des Schulamts inzwischen vollständig besetzt. Im vergangenen Schuljahr wurde die Präsenz vor Ort deutlich ausgeweitet. Das soll fortgesetzt werden. Dabei geht es nicht nur um einzelne Schülerinnen und Schüler. Schulpsychologen können beispielsweise auch Lehrkräfte beraten, Supervisionen anbieten oder Schulen bei ihrer Entwicklung unterstützen.

„Es soll sehr auf Augenhöhe gemeinsam überlegt werden: Wie kann die hohe schulpsychologische Ressource so effektiv wie möglich für diese Schulgemeinde genutzt werden?“, sagte VanCuylenburg. Welche Unterstützung gebraucht wird, soll deshalb gemeinsam mit der jeweiligen Schule entschieden werden.

Zum Thema Schule gehört für das Schulamt auch die Gesundheit derjenigen, die dort arbeiten. „Gesunde Schule ist mittlerweile deutlich mehr als das, was es vor ein paar Jahren noch war“, sagte VanCuylenburg. Neben Ernährung und Bewegung rücke vor allem die psychische Gesundheit der Lehrkräfte stärker in den Fokus. Auch Resilienz und Suchtprävention gehören zu den Angeboten.

Ein weiterer Bereich, der im vergangenen Schuljahr viel Arbeit verursacht hat, sind die Schutzkonzepte der Schulen. Alle Schulen mussten entsprechende Konzepte erarbeiten. Dabei gehe es nicht nur darum, ein Dokument vorzulegen, betonte VanCuylenburg. „Das funktioniert nicht, wenn nicht alle Lehrkräfte wissen, was im Schutzkonzept steht.“ Auch Betreuungskräfte, Eltern und Schülerinnen und Schüler müssten wissen, welche Regeln gelten und an wen sie sich wenden können.

Zusätzlich hat das Schulamt gemeinsam mit den Jugendämtern von Stadt und Landkreis einen Leitfaden zum Umgang mit Kindeswohlgefährdung entwickelt. Darin finden Schulen unter anderem Ansprechpartner, Ablaufpläne und Handlungsempfehlungen. Für VanCuylenburg ist das auch ein Zeichen der Zusammenarbeit in der Region.

Früher ansetzen will das Schulamt auch bei der Berufsorientierung. Sie soll nicht erst kurz vor dem Schulabschluss beginnen. Ein Beispiel dafür ist das Projekt „Dreiklang“, bei dem Grundschulen, berufliche Schulen und die Kreishandwerkerschaft zusammenarbeiten. Im vergangenen Schuljahr bauten Grundschüler gemeinsam mit der Ferdinand-Braun-Schule kleine Boote, die anschließend im Umfeld des Hessentags zu Wasser gelassen wurden.

„Es soll einfach schon von der Grundschule an einen Zugang zum Beruflichen geben“, sagte Persch. Gleichzeitig verwies er auf das OloV-Netzwerk und die Azubi-Region Fulda, über die Jugendliche Informationen zu Ausbildungsplätzen und Berufen erhalten können.

Und auch ein Thema aus dem vergangenen Jahr bleibt auf der Tagesordnung: Demokratiebildung. „Es ist jetzt in diesem Jahr nicht so, dass das abgeschlossen wäre, sondern nach wie vor, und ich glaube auch mehr denn je, als gesamtgesellschaftliche Aufgabe spielt die Wertevermittlung und Demokratiebildung an unseren Schulen eine essentielle Rolle“, sagte Pießnack.

Die Schulen sollen dabei nicht nur politische Inhalte vermitteln, sondern Demokratie im Schulalltag erlebbar machen. Dabei helfe unter anderem die WERTvoll-Plattform des Landes. Auch Schülerinnen und Schüler aus Intensivsprachfördermaßnahmen werden weiterhin mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung vertraut gemacht.

Für Pießnack gehört dazu auch, unterschiedliche politische Positionen zu zeigen. „In einer pluralistischen Gesellschaft“ gebe es nicht nur eine Sichtweise. Aufgabe der Schule sei es, verschiedene Seiten zu beleuchten und Kontroversität herzustellen.

Damit beginnt für die Schulen in Stadt und Landkreis Fulda ein Schuljahr mit vielen bekannten, aber auch einigen neuen Schwerpunkten. Die Rahmenbedingungen sieht das Schulamt dabei trotz sinkender Schülerzahlen und vieler Herausforderungen positiv. Mehr Lehrerstellen, eine vollständige Teilnahme der öffentlichen Schulen am Ganztagsprogramm und eine stärker datenbasierte Förderung sollen dafür sorgen, dass Schülerinnen und Schüler individueller unterstützt werden können.