Lokales FD 14.08.2026

Lesemarathon für die Prüfung eines AfD-Verbotsverfahrens

Fulda (pm/gü) – Zum Schauplatz einer außergewöhnlichen demokratischen Aktion wird der Universitätsplatz in Fulda am Samstag von 9 bis 20 Uhr: Der Verein „Fulda stellt sich quer“ veranstaltet einen elf Stunden dauernden Lesemarathon zur Forderung nach einer verfassungsrechtlichen Prüfung eines möglichen AfD-Verbotsverfahrens.

Symbolfoto: Görlich Media.

Nach Kenntnis der Veranstalter handelt es sich um eine bundesweit einmalige Aktion, die es in dieser Form bislang noch nicht gegeben hat. Mehr als 100 Menschen aus Zivilgesellschaft, Politik, Kirchen und sozialen Organisationen werden gemeinsam über elf Stunden hinweg öffentlich Passagen aus dem von der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) vorgelegten Gutachten lesen. Gleichzeitig wird die Veranstaltung live über Instagram und YouTube übertragen und durch Talkrunden sowie Zuschaltungen prominenter Gäste ergänzt.

„Wir wollen mit dem Lesemarathon etwas sichtbar und hörbar machen, das sonst schnell hinter Schlagzeilen und politischen Parolen verschwindet: die konkreten Fakten und Argumente. Dass mehr als 100 Menschen gemeinsam elf Stunden lang öffentlich aus diesem Gutachten lesen, ist ein starkes Zeichen aus der Zivilgesellschaft. Wir wollen damit weit über Fulda hinaus Menschen erreichen und sie einladen, sich selbst mit den Argumenten auseinanderzusetzen“, erklärt Jens Schuch, Vorstandsmitglied von „Fulda stellt sich quer“.

Über den gesamten Veranstaltungstag hinweg sollen regelmäßig prominente Gäste aus Politik, Kultur und Gesellschaft zugeschaltet werden. Dazu gehören Politikerinnen und Politiker, Künstlerinnen und Künstler sowie bekannte Moderatoren. Zu den angekündigten Gästen gehört Ruprecht Polenz, langjähriger CDU-Bundestagsabgeordneter und ehemaliger Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages. Polenz war von 1996 bis 2006 Präsident der Deutschen Atlantischen Gesellschaft. 2014 wurde er mit dem „Preis für Dialog, Verständigung und Versöhnung“ ausgezeichnet. Auch Mitglieder des Hessischen Landtages sowie zahlreiche Gruppen und Organisationen aus Fulda und der Region beteiligen sich an der Aktion. Mit dabei sind unter anderem der BDKJ, die SPD Fulda, Bündnis 90/Die Grünen Fulda und die Omas gegen Rechts. Weitere prominente Persönlichkeiten aus Politik, Kunst und Medien werden im Laufe des Tages erwartet beziehungsweise digital zugeschaltet.

 

Informieren, zuhören und miteinander diskutieren

Der Lesemarathon soll ausdrücklich mehr sein als eine Bühnenveranstaltung. Auf dem Universitätsplatz können sich Bürgerinnen und Bürger den gesamten Tag über informieren und Einblick in das umfangreiche Gutachten nehmen. Fulda stellt sich quer möchte damit die Diskussion über ein mögliches AfD-Verbotsverfahren aus einer abstrakten politischen und juristischen Debatte heraus in die Öffentlichkeit tragen. Interessierte sollen die Möglichkeit erhalten, sich mit den vorgebrachten Argumenten und Grundlagen selbst auseinanderzusetzen. Begleitend zum Lesemarathon finden im Bereich der Omas gegen Rechts Talk- und Gesprächsrunden statt. Dort soll Raum für Fragen, Diskussionen und den direkten Austausch mit Gästen aus Politik, Gesellschaft und Zivilgesellschaft geschaffen werden.

 

Elf Stunden live auf Instagram und YouTube

Die Aktion soll nicht auf Fulda beschränkt bleiben. Wer am 15. August nicht persönlich auf den Universitätsplatz kommen kann, kann den Lesemarathon live über Instagram und YouTube verfolgen. Durch die Liveübertragung sowie die regelmäßigen Zuschaltungen soll die Veranstaltung Menschen weit über Fulda und Osthessen hinaus erreichen.

 

Unterschriftensammlung für Prüfung eines AfD-Verbotsverfahrens

Im Rahmen des Aktionstages wird „Fulda stellt sich quer“ außerdem seinen Fragenkatalog an den AfD-Kreisverband Fulda sowie den AfD-Bundestagsabgeordneten Pierre Lamely veröffentlichen. Der Verein will damit konkrete politische Positionen und Aussagen der AfD vor Ort öffentlich zur Diskussion stellen. Gleichzeitig setzt „Fulda stellt sich quer“ seine Unterschriftensammlung für die Prüfung eines AfD-Verbotsverfahrens fort. Nach Angaben des Vereins wurden inzwischen fast 6000 Unterschriften gesammelt. „Wer unsere Demokratie und unsere Verfassung ernst nimmt, darf nicht warten, bis ihre Gegner stark genug sind, sie von innen heraus auszuhöhlen. Wir erleben seit Jahren eine zunehmende Radikalisierung der AfD und Angriffe auf zentrale Grundwerte unserer demokratischen Gesellschaft. Deshalb braucht es jetzt eine konsequente und unabhängige verfassungsrechtliche Prüfung. Ein mögliches AfD-Verbot darf weder aus politischer Bequemlichkeit gefordert noch aus politischer Angst ausgeschlossen werden. Die entscheidende Frage muss sein, ob die verfassungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Genau diese Prüfung fordern wir“, erklärt Andreas Goerke, Vorsitzender von „Fulda stellt sich quer“.

Fulda stellt sich quer lädt alle Bürgerinnen und Bürger ein, am 15. August auf den Universitätsplatz zu kommen. Interessierte können jederzeit während des elf Stunden dauernden Lesemarathons dazukommen, zuhören, sich informieren und an den Gesprächen teilnehmen.