Lokales FD 06.08.2026

Kunst, die man erleben muss: Jens Rausch eröffnet Ausstellung

Eichenzell – Von Silas Messing – Manche Bilder betrachtet man nur für einen kurzen Moment. Andere ziehen einen förmlich in ihren Bann. Genau das passiert in der neuen Ausstellung „Natur. Struktur. Spur“ von Jens Rausch auf Schloss Fasanerie. Schon nach wenigen Schritten durch das historische Badehaus wird klar: Diese Werke funktionieren nicht auf Fotos. Sie müssen aus nächster Nähe erlebt werden. Die großformatigen Arbeiten besitzen eine Tiefe und Materialität, die den Eindruck entstehen lässt, sie würden aus der Wand herausragen. Man ertappt sich dabei, ihnen immer näherzukommen – und verspürt fast den Drang, die Oberflächen zu berühren.

Foto: Silas Messing.

Am Donnerstagabend wurde die Ausstellung im Beisein zahlreicher Gäste aus Politik, Kultur und Gesellschaft eröffnet. Unter den Besuchern waren unter anderem Bürgermeister Johannes Rothmund, der Parlamentarische Staatssekretär Michael Brand sowie das Hessentagspaar Vera und Max Dudyka. Gemeinsam erhielten sie einen ersten Eindruck von einer Ausstellung, die Natur auf völlig neue Weise zeigt.

Museumsdirektor Dr. Markus Miller erinnerte in seiner Begrüßung daran, wie das Projekt begann. Kurz vor Weihnachten 2023 habe ihn eine E-Mail von Jens Rausch erreicht. Wenige Monate später besuchte Miller eine Ausstellung des Künstlers – und wusste sofort, dass dessen Arbeiten nach Schloss Fasanerie gehören. „Diese Arbeiten passen nach Schloss Fasanerie“, habe für ihn damals schnell festgestanden. „Jens Rausch verändert unseren Blick auf die Natur“, sagte Miller. Seine Bilder zeigten nicht einfach Bäume, Wälder oder Gewässer. Vielmehr würden sie den Betrachter dazu bringen, Strukturen, Oberflächen und Spuren wahrzunehmen, an denen man im Alltag meist achtlos vorbeigehe.

Genau das macht die Ausstellung so besonders. Wer zunächst glaubt, klassische Landschaftsmalerei vor sich zu haben, merkt schnell, dass deutlich mehr dahintersteckt. Die Werke erzählen von Wachstum, Veränderung und Vergänglichkeit. Sie beschäftigen sich mit der Kraft der Natur ebenso wie mit den Spuren, die der Mensch hinterlässt. Dabei malt Jens Rausch seine Bilder nicht einfach. Er baut sie regelrecht auf. Schicht für Schicht verarbeitet er Ölfarbe mit Materialien wie Asche, Erde, Bitumen, Kalk, Oxiden oder Blattgold. Anschließend trägt er Teile wieder ab, verletzt die Oberfläche bewusst und arbeitet sie erneut heraus. Das Ergebnis sind Werke, die eher an Reliefs oder Skulpturen erinnern als an klassische Gemälde.

Auf den ersten Blick scheinen die Arbeiten vor allem Wälder, Baumstämme oder Gewässer zu zeigen. Wer jedoch länger vor ihnen stehen bleibt, entdeckt immer neue Details. Rausch zeigt keine vollständigen Landschaften, sondern bewusst gewählte Ausschnitte. Sie eröffnen Raum für eigene Gedanken und erzählen von Veränderung, Vergänglichkeit und den Spuren, die Natur und Mensch im Laufe der Zeit hinterlassen. Genau diese Dreidimensionalität sorgt für den besonderen Eindruck. Je nach Lichteinfall verändern sich Strukturen und Schatten. Rillen, Vertiefungen und Erhebungen wirken beinahe greifbar. Viele Besucher dürften sich dabei ertappen, den Bildern ganz nah kommen zu wollen. „Man möchte die Bilder fast berühren“, sagte Miller augenzwinkernd – verbunden mit der Bitte, dies natürlich nicht zu tun.

Besonders bemerkenswert ist dabei, dass viele der ausgestellten Arbeiten erst in den vergangenen Monaten entstanden sind. Ein Großteil stammt aus den Jahren 2024 bis 2026, zahlreiche Werke wurden sogar erst in diesem Jahr fertiggestellt. Gleichzeitig zeigt die Ausstellung auch frühe Arbeiten aus den Jahren 2018 bis 2023. In zwei eigens eingerichteten Räumen wird die Entwicklung des Künstlers nachvollziehbar. So entsteht nicht nur eine Ausstellung einzelner Bilder, sondern eine Reise durch verschiedene Schaffensphasen. Erstmals sind auch Werke aus der Reihe „Mondphase“ zu sehen. Ergänzt werden sie durch die Werkserien „Forstwerke“, „Gewässer“ und „Experimentierfelder“, die sich auf unterschiedliche Weise mit Natur, ihren Kreisläufen und ihrer Zerbrechlichkeit auseinandersetzen.

Miller berichtete außerdem von der intensiven Zusammenarbeit mit dem Künstler. Gemeinsam habe man immer wieder Bilder verschoben, Kombinationen ausprobiert und sogar bereits angelieferte Werke wieder aussortiert. Insgesamt 16 Werke wurden letztlich bewusst nicht gezeigt. Nicht, weil sie schlechter gewesen wären, sondern weil beide überzeugt gewesen seien, dass „weniger tatsächlich mehr ist“ und die Ausstellung dadurch insgesamt stärker wirke.

Sichtlich bewegt zeigte sich auch Jens Rausch selbst. Eine Ausstellung entstehe nicht in wenigen Tagen, sondern sei das Ergebnis monatelanger Arbeit, zahlreicher Gespräche und vieler Entscheidungen. „Ich bin unglaublich dankbar, dass Sie heute Abend erschienen sind“, sagte der Künstler. Er dankte dem gesamten Team von Schloss Fasanerie, den Leihgebern und besonders Museumsdirektor Dr. Markus Miller für das Vertrauen und die enge Zusammenarbeit. Kunst solle Menschen miteinander verbinden und zum Austausch anregen. „Ich hoffe, dass Sie sich in diesen Bildern wiederfinden und miteinander ins Gespräch kommen. Ich glaube, dann gibt es auch weniger Krieg und mehr Frieden“, sagte Rausch.

Auch Bürgermeister Johannes Rothmund würdigte die Ausstellung. Schloss Fasanerie sei längst weit mehr als ein historisches Schloss. „Wir können stolz sein, hier in Eichenzell ein solches Kultur- und Kunstangebot zu haben“, sagte er. Mit Veranstaltungen wie dieser werde der Kulturstandort immer wieder neu belebt. Er freue sich, dass ein Künstler aus der Region seine Werke nun in diesem besonderen Ambiente präsentieren könne.

Die Ausstellung „Natur. Struktur. Spur“ ist bis zum 11. Oktober im historischen Badehaus von Schloss Fasanerie zu sehen. Geöffnet ist sie freitags bis sonntags sowie an Feiertagen jeweils von 11 bis 17 Uhr.

Wer sich fragt, ob sich der Besuch lohnt, bekommt die Antwort schon beim Betreten des historischen Badehauses. Fotos können die Wirkung der Werke kaum wiedergeben. Erst wenn man unmittelbar davorsteht, werden die Schichten, Risse und Strukturen sichtbar. Mit jedem Schritt verändert sich das Bild, je nach Lichteinfall entstehen neue Eindrücke. Man ertappt sich immer wieder dabei, näher heranzutreten – fast so, als wolle man die rauen Oberflächen berühren. Genau darin liegt die besondere Faszination dieser Ausstellung: Man betrachtet die Kunst nicht nur – man erlebt sie.

Jens Rausch eröffnet Ausstellung auf Schloss Fasanerie. Fotos: Silas Messing.