Einen detaillierten Überblick gab die städtische Klimaschutzmanagerin Jessica Stoll. Dabei konnte sie auf einige bereits erfolgreich umgesetzte Projekte verweisen – die meisten anderen befinden sich in der aktiven Umsetzung. Die Stadt Fulda treibt ihre Aktivitäten im Bereich des Umwelt- und Klimaschutzes konsequent voran. In der Analyse der einzelnen Handlungsfelder verdeutlichte Stoll, dass sich ein Großteil der geplanten Projekte bereits in der Arbeitsphase befindet. Im Handlungsfeld Wirtschaft stehen alle vier definierten Maßnahmen in der aktiven Umsetzung. Die Initiativen werden federführend von der Region FD GmbH getragen. Dazu gehört die klimafreundliche Weiterentwicklung des Technologieparks Fulda als Musterprojekt für Energieeffizienz, für das im Juni 2026 eine umfassende Datensammlung zum Ist-Zustand gestartet wurde. Zudem wird die Zwischennutzung leerstehender Gebäude über ein etabliertes Immobilien-Netzwerk mit 81 Mitgliedern sowie das Co-Karl-Coworking-Netzwerk vorangetrieben. Im Handlungsfeld der Technischen Infrastruktur befindet sich das Flächenmanagement für erneuerbare Energien in der Umsetzung, wobei die Potenziale über die kommunale Wärmeplanung ermittelt werden.
Im Handlungsfeld Stadtplanung, Gebäude und Wohnen sind vier von fünf Maßnahmen in Arbeit. Dazu zählen ein rechtlich geprüfter Kriterien-Baukasten für Bebauungspläne mit einheitlichen Festsetzungsstandards für die Infrastruktur sowie gezielte Sanierungsanreize für Privatpersonen, die im Rahmen der Energiesparwochen vermittelt werden. Beim Solarausbau wird mangels technologischer Aktualität vorerst von einer Solarnutzungspflicht für Neubauten abgesehen. Ein messbarer Erfolg zeigt sich bei der Straßenbeleuchtung: Trotz eines kontinuierlichen Anstiegs auf 8672 Leuchten im Stadtgebiet konnte der durchschnittliche Jahresstromverbrauch pro Leuchte durch Modernisierungen drastisch auf 226 Kilowattstunden im Jahr 2026 gesenkt werden.
Im Sektor Verkehr und Mobilität befinden sich die Prüfung zur Umgestaltung von Kfz-Parkflächen auf Quartiersebene zur Reduzierung des Gehwegparkens sowie der flächendeckende Ausbau des öffentlichen Carsharings per Sondernutzung in der Umsetzung. Ebenso läuft die kontinuierliche E-Bus-Umstellung der RhönEnergie-Busflotte, die im Juli 2026 bereits 13 E-Busse im Bestand verzeichnete und zwölf weitere für Mitte 2027 bestellt hat. Im Handlungsfeld Konsum, Kultur und Bildung stehen die konzeptionelle Ausarbeitung des neuen, gebündelten Klimaschutzpreises für das Jahr 2027 sowie die zielgruppenspezifischen Bildungsangebote des Umweltzentrums, wie das Schuljahr der Nachhaltigkeit, in der Umsetzung. Demgegenüber stehen der klimafreundliche Tourismus und die Mieterstrommodelle noch ganz am Anfang.
Im Bereich der kommunalen Verwaltung befindet sich eine Vielzahl der Maßnahmen in der Umsetzung, darunter der PV-Ausbau auf städtischen Dächern, die Sanierungsstrategie für Liegenschaften mit der Installation neuer Wärmepumpen sowie ein vorbildliches Rechenzentrum mit einem herausragenden Energieeffizienzwert von 1,16 und aktiver Abwärmenutzung.
Zusammenfassend zeige das übergeordnete Ampelsystem des Plans eine sehr positive Dynamik hin zu mehr Aktivität. Der Status der inaktiven, roten Maßnahmen verringerte sich im Vergleich zum Vorjahr um sechs auf nunmehr acht Maßnahmen. Demgegenüber stieg die Zahl der gelben Maßnahmen, die sich in aktiver Umsetzung befinden, um sechs auf 26 Projekte an. Eine Maßnahme, der Hitzeaktionsplan, ist bereits vollständig grün umgesetzt. Zwei weitere Maßnahmen, darunter das Klimadashboard und die Wandelkarte, sind als grau eingestuft und müssen grundlegend überarbeitet werden.
Parallel dazu liefert der städtische Hitzeaktionsplan (HAP) seit seinem Beschluss im Juni 2025 wichtige Impulse zur Bewältigung von extremen Wetterereignissen. Von den insgesamt 19 Maßnahmen in den Kategorien der Sommervorbereitung, der Akutmaßnahmen und der langfristigen Anpassung wurden bereits sieben vollständig umgesetzt, und eine Vielzahl befindet sich in der Bearbeitung. Zu den erfolgreich realisierten Projekten gehört der konsequente Ausbau der Trinkwasserinfrastruktur mit mittlerweile sieben installierten Trinkwasserspendern im öffentlichen Raum. Ebenfalls vollständig umgesetzt sind die Integration von Klimafunktionskarten in Planverfahren, die Schulung des Personals der Tourist-Information sowie eine breit gestreute Risiko- und Krisenkommunikation über digitale Kanäle.
In aktiver Bearbeitung befinden sich die hitzeresistente Ertüchtigung der Schulinfrastruktur durch außenliegenden Sonnenschutz und die Erhöhung des Grünflächenanteils durch Neupflanzungen, wie beispielhaft an der Grundschule Lehnerz. Das Bürgerbüro fungiert bereits als Informationspunkt, und ein Flyer zu den „Kühlen Orten“ in Fulda wird für das Jahr 2027 vorbereitet. Für Kindertagesstätten entwickelt eine Arbeitsgruppe einen allgemeingültigen Hitzeschutzplan. Auch der Hitzeschutz für wohnungslose Menschen wird über die Bereitstellung von kostenlosem Trinkwasser und Sonnenschutz in den Stadtteiltreffs Nordend, Südend und Ostend vorangetrieben.
Demgegenüber stehen zwei noch nicht begonnene Maßnahmen zur Sensibilisierung von Veranstalterinnen, Veranstaltern und Sportvereinen. Die ursprünglich geplante Anschaffung einer Klima-Gesundheitskiste für Kitas wurde offiziell gestoppt, da die damit verbundene zeitaufwendige Pflichtfortbildung der Fachkräfte aufgrund personeller Kapazitätsgrenzen nicht darstellbar war und diese Inhalte effizienter über das bestehende Alternativangebot „Klimagesundheit – aktiv für Kitas“ abgedeckt werden.
Die kommunale Wärmeplanung stellte Marcel Ciré vom Bauamt vor. Bisher liegt sie als Entwurfsfassung vor und soll noch in diesem Jahr von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen werden. Die notwendige Anpassung an das geänderte Gebäudemodernisierungsgesetz führte im Vorfeld noch einmal zu umfassenden Umarbeitungen. Insgesamt zeigt sie in erster Linie das Potenzial für verschiedene Heizungsarten auf und kann wertvolle Hilfestellung leisten, in welchen Bereichen beispielsweise Fernwärme möglich sein könnte. Wie Stadtbaurat Daniel Schreiner auf Nachfrage von Jochen Kohlert (Grüne) bestätigte, ergeben sich aus dem Planwerk selbst keinerlei im Haushalt einzuplanende Kosten für die Stadt.
Wie Ciré erläuterte, sieht der Plan zehn konkrete Maßnahmensteckbriefe für die zukünftige Klima- und Wärmeplanung vor. Im Fokus stehen dabei gezielte Anreize für Effizienzmaßnahmen in Unternehmen sowie die Anregung von Sanierungsmaßnahmen und der Umrüstung der Heizungstechnik durch Privatpersonen, flankiert von Strategien zur aktiven Vermeidung von Gebäudeleerstand. Auf struktureller Ebene sieht das Konzept die Initiierung von Quartierslösungen und Bürgerbeteiligungsmodellen sowie die Einrichtung eines vorausschauenden Flächenmanagements für erneuerbare Energien vor. Zudem sollen Synergien mit einer im Landkreis angedachten Wasserstoffproduktion für den Schwerlastverkehr eingehend geprüft werden. Um eine langfristige Wirkung zu erzielen, soll der Prozess der kommunalen Wärmeplanung dauerhaft verstetigt und durch regelmäßige Austauschformate mit allen relevanten Akteuren begleitet werden. Abgerundet wird die Strategie durch den gezielten Ausbau der Vorbildwirkung der Stadtverwaltung sowie stadtnaher Unternehmen im gesamten Stadtgebiet.
Das Klimaanpassungskonzept stellte Sebastian Kupski vom Institut für Klima- und Energiekonzepte GmbH vor. Das Konzept gliedert sich in einen fünfstufigen, aufeinander aufbauenden Prozess. Den Ausgangspunkt bildet eine umfassende Bestandsaufnahme zur theoretischen Ermittlung von Klimarisiken auf der Basis von Klimaprojektionen. Darauf folgt eine detaillierte Betroffenheitsanalyse, welche der Einschätzung von bestehenden sowie kommenden Risiken, betroffenen Handlungsfeldern und konkreten Hotspots dient. Im dritten Schritt schließt sich die Entwicklung spezifischer Maßnahmen an, die gemeinsam mit den beteiligten Akteuren erarbeitet werden. Diese mündet anschließend in die detaillierte Ausarbeitung der Gesamtstrategie und der dazugehörigen Maßnahmensteckbriefe, um im letzten Schritt die finale Klimaanpassungsstrategie erfolgreich zu etablieren.
Im nächsten Jahr soll das Konzept fertiggestellt sein. Kupski bestätigte den Anwesenden dabei ausdrücklich: „Beim Klimaschutz sind Sie in Fulda schon sehr weit.“
