Im Mittelpunkt des Abends standen die Gesundheitsclowns Hanna Münch, alias „Liesel“, und Katrin Jantz, alias „Lotti“, vom Förderkreis „Gute Clowns“. In ihrer Lesung unter dem vielsagenden Titel „Hoffentlich gibt’s da oben Currywurst und Kuchen“ – dem Originalzitat einer 103-jährigen Heimbewohnerin – nahmen die beiden ausgebildeten Künstlerinnen das Publikum mit auf eine Reise in einen Koffer voller wundersamer Begegnungen. Dabei nutzten sie auch die Gelegenheit, Einblicke in das Manuskript ihres neuen Buches „Sterbestammtisch“ zu geben. Sie berichteten eindrucksvoll von ihrer hochsensiblen, freiberuflichen Arbeit in Hospizen, Altenpflegeheimen und auf Palliativstationen. „Wenn ich weiß, dass ihr kommt, weiß ich, dass es ein guter Tag wird“, beschrieb eine der zitierten Stimmen den unschätzbaren Wert dieser Arbeit, die mit Empathie und Poesie Lebensfreude und Zuversicht in schwersten Stunden spendet. Die vorgetragenen Geschichten machten deutlich, wie Clownerie Brücken baut, wo Worte versiegen, und wie eng Freude, Leid, Lachen und Weinen beieinanderliegen. „Sterben ist verdammt harte Arbeit“, betonten sie. „Das Letzte, was man da braucht, ist Mitleid. Als Begegnungsclowns betreten wir den Raum ohne einstudiertes Ende.“ In ihrer Arbeit sind sie offen für jeden, da ein guter Clown Menschen nicht bewertet. Auch demenziell veränderte Menschen – sie legen großen Wert darauf, nicht „demenzkrank“ zu sagen – könne man sowieso nicht mehr ändern, sondern müsse sie in ihrer Welt abholen.
Flankiert wurde der Abend von namhaften Vertretern aus Politik und Verbänden. Caritas-Präsidentin Eva M. Welskop-Deffaa und Dr. Thomas Sitte, Vorstandsvorsitzender der Deutschen PalliativStiftung, diskutierten über die Notwendigkeit, dem Sterben mit Würde, Achtsamkeit und eben auch mit Leichtigkeit zu begegnen. Auch Michael Brand (MdB), Vorsitzender des Hospiz Fördervereins Fulda e.V., unterstrich die Bedeutung solcher integrativen Ansätze für die Region. Dr. Sitte begann die Diskussion humorvoll, indem er darauf hinweis, dass es nicht bewiesen sei, dass alle Menschen sterben: „Immerhin rund acht Milliarden lebende Menschen beweisen das Gegenteil.“ Schnell wurde es dann ernster, als Welskop-Deffaa auf ein Problem unserer Zeit auch im Zusammenhang mit dem Suizidpräventionsgesetz hinwies: „Wir leben in einer Gesellschaft, in der die Meinung zunimmt, das Sterben beschleunigen zu müssen.“ Hier forderte Michael Brand einen stärkeren Fokus auf die Suizidprävention. Hilfreich könnte für den Einzelnen dabei ein Perspektivwechsel werden: „Ich könnte selbst in der Rolle sein.“ Er forderte, geschäftsmäßige Suizidbeihilfe weiterhin konsequent zu verhindern. Dr. Sitte nannte sogenannte Suizidfördervereine in diesem Zusammenhang orwellsches Neusprech: „Das sind Tötungsvereine.“ Hier stimmte Brand zu, der die Frage aufwarf, was es über eine Gesellschaft aussagt, in welcher der Wunsch nach Suizid, auch um anderen nicht zur Last zu fallen, zunehme. Ein positives Gegenbeispiel seien die Hospize, die sich als „echte Bürgerbewegung“ zum Ziel gesetzt haben, ein würdiges Sterben zu ermöglichen.
Für die passende, einfühlsame Umrahmung des Abends sorgte das musikalische Chamäleon Suska Kliebisch. In den Räumen seiner Galerie gab Walter Steinbeck während des abschließenden Austauschs Interessierten Einblicke in sein künstlerisches Werk, während die Deutsche PalliativStiftung zeitgleich um neue Mitglieder warb. Die Veranstaltung bewies eindrucksvoll: Freude heilt zwar keine unheilbaren Krankheiten, aber sie gibt Kraft, weckt die Fantasie und lässt Angehörige wie Pflegekräfte in einer entspannten Atmosphäre tief durchatmen.
