Erstmals schließen sich in der Region Fulda Ärztinnen und Ärzte, Ernährungsfachkräfte, Bewegungsanbieter sowie psychologische Fachkräfte zu einem interdisziplinären Netzwerk zusammen. Ziel ist es, Menschen mit Übergewicht und Adipositas auf ihrem individuellen Weg zu begleiten und ihnen den Zugang zu qualifizierten Therapieangeboten zu erleichtern. „Adipositas ist keine Frage mangelnder Disziplin. Sie ist eine chronische Erkrankung, die eine ebenso professionelle wie menschliche Begleitung braucht“, sagt Initiator Dr. Holger Löbig, Facharzt für Allgemeinmedizin und Diabetologie: „Wir möchten vorhandene Kompetenzen miteinander vernetzen und den Betroffenen einen einfachen Zugang zu einer modernen, leitliniengerechten Behandlung ermöglichen."
Die aktuelle medizinische Leitlinie empfiehlt eine multimodale Therapie. Neben einer ärztlichen Behandlung gehören dazu qualifizierte Ernährungsberatung, regelmäßige Bewegung, psychologische Unterstützung sowie – wenn erforderlich – eine medikamentöse Therapie oder bariatrische (operative) Verfahren. Genau diese Bausteine bringt das Netzwerk unter einem Dach zusammen. Auch die sogenannten „Abnehmspritzen“ spielen dabei eine Rolle. Moderne GLP-1-Rezeptoragonisten stellen einen bedeutenden Fortschritt in der Behandlung der Adipositas dar und eröffnen vielen Betroffenen neue therapeutische Möglichkeiten. Nach Auffassung des Netzwerks können diese Medikamente jedoch ihre volle Wirkung nur im Rahmen eines ganzheitlichen Behandlungskonzeptes entfalten. Ziel bleibe es, Patientinnen und Patienten langfristig zu einer nachhaltigen Veränderung ihres Lebensstils zu befähigen – mit einer individuell abgestimmten Kombination aus medizinischer Behandlung, Ernährungsberatung, Bewegung und psychologischer Unterstützung.
Dabei versteht sich das Netzwerk ausdrücklich nicht als Konkurrenz bestehender Angebote, sondern als verbindende Plattform. Patientinnen und Patienten sollen die Möglichkeit erhalten, die für sie passenden Unterstützungsangebote individuell zu kombinieren. Ebenso fördert das Netzwerk den fachlichen Austausch zwischen den beteiligten Berufsgruppen und möchte die Qualität der Adipositasversorgung in Osthessen langfristig weiterentwickeln. Das Netzwerk legt Wert auf eine wissenschaftlich fundierte Weiterentwicklung seiner Aktivitäten und steht hierzu im Austausch mit Akteuren aus Wissenschaft und Versorgungsforschung. Gleichzeitig arbeitet das Netzwerk unabhängig von wirtschaftlichen Einzelinteressen. Therapeutische Entscheidungen orientieren sich ausschließlich an wissenschaftlicher Evidenz und den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten.
Netzwerk stellt sich erstmals öffentlich vor
Seine Ziele und Arbeitsweise präsentiert das Netzwerk erstmals bei einem öffentlichen Informationsabend am Mittwoch, 19. August, von 18.30 bis 20 Uhr im Hörsaal des Klinikums Fulda. Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Achim Hellinger, Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Endokrine und Onkologische Chirurgie am Klinikum Fulda, informieren Expertinnen und Experten über moderne Adipositastherapie, therapeutischer Ernährungsberatung, Bewegungsangebote und den Einfluss des sogenannten emotionalen Essens. Im Anschluss besteht Gelegenheit zum persönlichen Austausch und für Fragen aus dem Publikum. Die Teilnahme ist kostenfrei. Eine Anmeldung wird per E-Mail an anmeldung@adipositas-fulda.de erbeten, eine spontane Teilnahme ist ebenfalls möglich.
