Lokales FD 31.08.2026

„Gelebter Zusammenhalt“: Freiherr-vom-Stein-Urkunde an Dittlofrod

Dittlofrod – Von Pascal Fischer – Das große Jubiläum ist vorüber – und in Dittlofrod war am Sonntag nochmal richtig Trubel rund ums Dorfgemeinschaftshaus. Der Heimat- und Geschichtsverein feierte das 875-jährige Ortsbestehen mit vielen Besuchern bei schönem Spätsommerwetter. Im Rahmen eines Festakts wurden die kommunalen Verdienste des Eiterfelder Ortsteils außerdem gewürdigt: Dittlofrod bekam vom Land Hessen in Person von Innenstaatssekretär Martin Rößler die Freiherr-vom-Stein-Ehrenurkunde verliehen.

Von links: MdL Tanja Hartdegen, Lothar Mihm, Dana Hauke, Michael Hofmann, Innenstaatssekretär Martin Rößler, MdL Stefanie Klee, Bernd Woide und Klaus-Dieter Rucht (Vorsitzender der Gemeindevertretung). Foto: Pascal Fischer

In der Einleitung zum Festakt legte Lothar Mihm, Vorstand des Heimat- und Geschichtsvereins, interessante Fakten der Historie sowie Zahlen zum Dorf offen. Mit 261 Einwohnern steht Dittlofrod heute da, die sich auf 105 Haushalte in 80 Häusern verteilen. Mihm erinnerte an das 850-jährige Jubiläum vor 25 Jahren, bei dem eine Chronik erstellt und groß gefeiert worden war. Diesmal sollte der Fokus auf den Vereinen, den Festen und der Gemeinschaft liegen – daher stellte der HGV auch in Zusammenarbeit mit allen weiteren Vereinen ein großes Jahresprogramm auf, das sich noch bis in den Winter zieht.

Ortsvorsteher Michael Hofmann begann seine Rede in „Platt“ und brachte vor allem ein Gefühl zum Ausdruck: Stolz. Im Dorf werde Zusammenhalt gelebt: „Das beweisen die Vereine und die Menschen. Hier hilft jeder jedem“. Auch neue Einwohner seien herzlich willkommen – und es hätte sich rumgesprochen, dass der idyllische Ort anziehend ist: „Aktuell gibt es keinen Bauplatz mehr“.

Eiterfelds Bürgermeisterin Dana Hauke knüpfte daran an und hob die „Verbundenheit der Menschen“ hervor: „Dittlofrod lebt Gemeinschaft. Die Freiherr-vom-Stein-Ehrenurkunde ist eine besondere Anerkennung für bürgerschaftliches Engagement, und eine Anerkennung für alle, die sich über Jahre und Jahrzehnte für ihren Ort eingesetzt haben“. Sie sagte dem Ort eine Zuwendung als Geschenk zu, und hob nochmal die besondere Leistung beim diesjährigen Stadtradeln hervor: Dort sei Dittlofrod ein „schönes Beispiel dafür, was möglich ist, wenn Menschen etwas bewegen wollen“. Dafür werde das Dorf im Rahmen des Matthäusmarktes im September nochmal prämiert.

Bernd Woide, Landrat des Kreises Fulda, konnte sich nach diversen Besuchen der Kirmes noch an den Weg nach Dittlofrod erinnern, und schlug in dieselbe Kerbe: „Wenn diese Gemeinschaft nicht immer getragen hätte – auch durch schwere Zeiten – würden wir heute nicht hier sein“. Und bei all den schlechten Nachrichten, die es überall auf der Welt nach dem Motto „Früher war alles besser“ gebe, betonte er: „875 Jahre – das sind etwa 35 Generationen. Würde man aus jeder Generation heute einen hierher bringen und ihm den Ort zeigen und die Frage stellen: Wo willst du leben? Dann wäre die Antwort ‚heute‘ statt im Jahr 1151 ziemlich eindeutig“.

Innenstaatssekretär Martin Rößler fasste sich anschließend zur Urkundenübergabe kurz, legte aber ebenfalls den Fokus auf die Gemeinschaft: „Sie feiern hier nicht sich, sondern die Gemeinschaft im Ort. Das ist der Kern der Gesellschaft: Menschen sollen miteinander, nicht nebeneinander leben. Dieses Gefühl brauchen wir in Hessen und Deutschland“.

Abseits des Festakts, der vom Oliver Zentgraf und Michael Keller als „Herrenabend-Duo“ musikalisch umrahmt wurde, sorgte der Heimat- und Geschichtsverein für einen rundum gelungenen Ausklang des großen Jubiläumswochenendes: Chöre und Musiker unterhielten im Saal später beim „Konzert-Café“ mit sogar eigens getexteten Liedern mit Ortsbezug. Draußen tummelten sich die kleinen und großen Gäste bei Bier, Bratwurst oder Eis. Außerdem hatte der Verein eine Bilderausstellung von jeglichen Festen und Vereinen aufgebaut und rief vor allem bei der älteren Generation tolle Erinnerungen hervor. Ein Drohnen-Rundflug über das heutige Dorf auf einem großen Bildschirm lockte die Menschen an, neue Perspektiven zu erkunden. Und von der 850-Jahr-Feier wurden die alten, nachgebauten Häuser früherer Zeiten wieder herausgekramt, restauriert und als Modell vor dem Dorfgemeinschaftshaus liebevoll aufgebaut. Unter den Besuchern tummelte sich auch die Partnerfeuerwehr Dittlofsroda aus Unterfranken, während sich MdB Michael Brand entschuldigen ließ und Grüße übermittelte. Am Morgen schon hatte Pfarrer Winfried Vogel (St. Franziskus-Xaverius Arzell) seinen letzten Gottesdienst vor seinem Abschied in der Kirche gefeiert, danach pilgerten die Menschen zur Gräbersegnung zum Friedhof.

Das gesamte Fest zeigte einmal mehr, wie gut Alt und Jung gemeinsam feiern können, und wie Traditionelles mit Modernem verbunden werden kann. „Möge Dittlofrod auch bei seinem 900-jährigen Bestehen noch so lebens- und liebenswert sein wie heute“, so Staatssekretär Rößler.

Hintergrund: Freiherr-vom-Stein-Ehrungen

Als preußischer Staatsminister wirkte Karl Freiherr vom und zum Stein (1757-1831), der aus Nassau an der Lahn stammte, auf Reformen hin, die im Jahr 1808 in die Preußische Städteordnung mündeten. Diese wegweisende Ordnung wurde zur Grundlage für die heutige kommunale Selbstverwaltung. Auf dem Wiener Kongress 1815 setzte sich Freiherr vom Stein erfolgreich für das Fortbestehen der staatlichen Selbständigkeit der Stadt Frankfurt am Main ein und wurde dort daraufhin zum Ehrenbürger ernannt. Der Hessische Landtag wählte 1952 als Kommunalverfassung bewusst die Magistratsverfassung in der Tradition der Steinschen Städteordnung von 1808. 

Die Freiherr-vom-Stein-Plakette ist die höchste Auszeichnung des Landes Hessen für kommunale Verdienste. Außer der nur einmal stattfindenden Verleihung der Freiherr-vom-Stein-Plakette an Gemeinden, die mindestens 750 Jahre alt sind, kann einzelnen Ortsteilen der Gemeinden aus Anlass eines entsprechenden Jubiläums die Freiherr-vom-Stein-Ehrenurkunde verliehen werden. Seit dem Jahr 1956 wird diese auch an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens verliehen, die sich auf dem Gebiet der kommunalen Selbstverwaltung besondere Verdienste erworben haben.

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