Lokales FD 04.08.2026

Fachkräfte von morgen fördern: Podiumsdiskussion in Fulda

Fulda (st) – Wie gelingt es Unternehmen, Wissen an die nächste Generation weiterzugeben und junge Fachkräfte langfristig zu binden? Mit dieser Frage beschäftigte sich am Dienstag die Veranstaltung „Gute Ausbildung braucht Wissenstransfer – Politik und Wirtschaft im Dialog“, zu der das JOBvision WIN-Netzwerk in den Biergarten des Theresienhofs nach Fulda eingeladen hatte. Gemeinsam mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik wurde darüber diskutiert, wie Mentoring-Prozesse die Ausbildung in Unternehmen nachhaltig stärken können.

Fotos: Stephanie Trapp

Das WIN-Netzwerk ist ein Förderprogramm zur Fachkräftesicherung für kleine und mittlere Unternehmen in der Region Fulda. Ziel ist es, Betriebe dabei zu unterstützen, Wissen im Unternehmen gezielt weiterzugeben und die Ausbildung sowie die Integration neuer Mitarbeiter durch Mentoring langfristig zu stärken. Im Rahmen der Förderlinie JOBvision wird das Projekt durch das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Bis Mitte 2028 fließen insgesamt 560.000 Euro in das Fuldaer Projekt.

Zu den Gästen zählte auch Bundestagsabgeordneter Michael Brand. „Dieses Projekt ist sinnvoll und deswegen bin ich auch vor allen Dingen dann im direkten Gespräch auch auf Ihr Feedback gespannt“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär. Die drei Leitbegriffe des Programms seien „ausbilden, qualifizieren und gestalten“. Aktuell beteiligen sich 37 Unternehmen an dem Mentoring-Programm. Dabei gehe es vor allem darum, Menschen auf ihrem beruflichen Weg zu begleiten. „Eine gute Bilanz, die zeigt, wir haben noch einen lebendigen Mittelstand“, betonte Brand.

Mit einem augenzwinkernden Vergleich bezeichnete er Fulda als „Daniel Düsentrieb“. Die Menschen in der Region suchten nach Lösungen, entwickelten Ideen und machten daraus erfolgreiche Geschäftsmodelle. „Dieses Engagement in der Region zahlt sich besonders aus“, sagte Brand und ergänzte: „Wir sind besonders stolz in der Region.“

Gleichzeitig machte der Bundestagsabgeordnete deutlich, dass der Mittelstand das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bilde, die Zahl der Auszubildenden jedoch seit Jahren zurückgehe. „Was das Thema Ausbildungsplätze betrifft, ist dieses Programm wirklich sehr gezielt hier in Fulda gut aufgehoben“, erklärte Brand. Vor allem die duale Ausbildung stehe zunehmend unter Druck. „Der Fehler, der über Jahrzehnte gemacht worden ist, der Mensch fängt erst beim Abitur oder beim Studium an“, sagte er. Zwar seien Studium und Abitur wichtig, dennoch gehöre ebenso zur Wahrheit, dass berufliche Ausbildungen unverzichtbar seien.

Im Anschluss leitete Julian Bolz aus dem Projektmanagement die Diskussionsrunde und sprach mit Vertretern verschiedener Unternehmen und Institutionen über ihre Erfahrungen. Denise Otto von der Industrie- und Handelskammer Fulda betonte, Mentoring beginne bereits mit grundlegenden Fragen wie dem Aufbau eines Kundenstamms. Ebenfalls an der Gesprächsrunde beteiligten sich Ina Rohde von RhönSprudel, Frank Roth von der KGM-Kugelfabrik Fulda sowie Peter Gitzler aus dem Projekt.

Roth machte deutlich, dass Mentoring in vielen Betrieben an personelle Grenzen stoße. „Als Chef denkt man: ,Na ja, dann gehe ich zum Arbeitsamt und hole mir jemanden. Aber leider haben die dieses Know-how nicht, das sich die Menschen hier vor Ort angeeignet haben“, erklärte er. Zum Abschluss nutzten zahlreiche Vertreter regionaler Unternehmen die Gelegenheit, sich mit Fragen und Anregungen in die Diskussion einzubringen.

Politik- und Wirtschaftstalk auf dem Theresienhof. Fotos: Stephanie Trapp