Eindrucksvoller Ovtcharov wirft Titelverteidiger aus dem Rennen
Für Dimitrij Ovtcharov waren es möglicherweise die vorentscheidenden sechs Ballwechsel der Partie. Trotz eines beherzten Starts geriet der Deutsche gegen Titelverteidiger Truls Möregardh im ersten Satz mit 5:9 in Rückstand. Der Fuldaer ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken, fokussierte sich in seiner unnachahmlichen Art auf jeden einzelnen Schlagabtausch und gewann die nächsten sechs Punkte in Folge gegen seinen ehemaligen Vereinskollegen beim TTC Neu-Ulm. Zu diesem Zeitpunkt hatten weder die schwedischen Fans noch ihr oft unberechenbares Idol damit gerechnet, dass Ovtcharov nach drei Niederlagen in den bisherigen direkten Duellen diesmal das Match für entscheiden könnte.
Doch anders als in den vorherigen Begegnungen gelang es Kreativspieler Möregardh diesmal nicht, das Spiel noch einmal an sich zu reißen. Denn der World-Cup-Gewinner von 2017, der nach wie vor jeden Spieler der Welt schlagen kann, ließ sich auch dann nicht aus seinem Rhythmus bringen, als der Olympiazweite von Paris und WM-Zweite von Houston im dritten Satz einen Vier-Punkte-Rückstand zum 8:8 ausglich. Ovtcharovs Konstanz und die auch in engen Situationen nicht nachlassende Qualität, mit der er seinen Gegner über die gesamte Partie unter Druck setzte, waren am Ende der Schlüssel zum verdienten 11:9, 11:3 und 11:8-Erfolg.
Ovtcharov sagte nach seinem Sieg im Halleninterview: „Es war von meiner Seite ein fantastisches Spiel. Ich hatte nichts zu verlieren, er war der große Favorit. Das Level, auf dem Truls seit langem so konstant spielt, ist absolut unglaublich. Er hatte hier in Malmö große Ambitionen vor heimischem Publikum. Für mich hingegen war es sehr wichtig zu beweisen, dass ich nach wie vor auf solch einem hohen Level spielen und an mich glauben kann.“
Im Kampf um den Einzug ins Achtelfinale trifft Ovtcharov am Donnerstag auf Champions-Yokohama-Finalist Oh Junsung aus Südkorea oder Polens Jungstar Milosz Redzimski, die sich erst Mittwoch gegenüberstehen. Ovtcharov blickt selbstbewusst auf die nächste Aufgabe: „Wenn es mir in den nächsten Runden gelingt, so gut wie heute zu spielen, kann ich gegen die meisten Spieler bei diesem Turnier gewinnen. Allerdings: Ich bin zwar jezt durch den Sieg über Truls an den Platz des Topgesetzten gerückt. Es gibt inzwischen aber sehr viele Spieler, die auf einem unglaublich hohen Niveau performen können.“
Dang Qiu findet gegen Andras keinen Rhythmus
Zu den leidvollen deutschen Niederlagen der ersten Runde zählte nach dem Ausscheiden von Patrick Franziska (2:3 gegen den Franzosen Poret) und Benedikt Duda (1:3 gegen den Taiwanesen Kuo) auch das 0:3 von Dang Qiu gegen den Ungarn Andras Csaba, der sich zuvor in der Qualifikation gegen Wim Verdonschot durchgesetzt hatte. Das Ergebnis von 5:11, 7:11 und 2:11 beim Aufeinandertreffen der Nummern elf und der Nummer 66 der Weltrangliste ist umso bemerkenswerter, weil der Europameister von 2022 seinem Gegner beim US Smash im Juni in drei Sätzen gerade einmal 13 Punkte überlassen hatte.
Für die Umkehr des Resultats in Malmö hatte der Spitzenspieler von Borussia Düsseldorf eine Erklärung: „Ich konnte nach meiner Teilnahme am Champions in Yokohama erst Sonntagabend in Schweden landen. Ich hatte damit nullkommanull Prozent Vorbereitung auf das Turnier. Die Spielbedingungen sind hier extrem anders, dazu kommen Jetlag, die Reiserei und die körperliche wie mentale Erschöpfung. Eigentlich bin ich in guter Form und hätte auch gegen Andras gerne gewonnen. Er hat aber gut gespielt und ich habe aufgrund der Summe aller Umstände nicht zu meiner gewohnten Sicherheit, Ruhe und Kontrolle gefunden. Die Niederlage ist ärgerlich, aber es geht weiter – hoffentlich dann auch mit einer besseren Kalenderplanung bei WTT. So eng getaktet wie Yokohama und Malmö auf zwei verschiedenen Kontinenten ist es für die Spieler kaum zumutbar.“
