Stefan Schneider, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Fulda-Hünfeld, und Geschäftsführer Sebastian Schramm blickten beim Ernteabschlussgespräch nicht nur auf die Ergebnisse der Getreideernte zurück, sondern auch auf die zunehmenden Folgen der Trockenheit und die damit verbundenen Herausforderungen für die landwirtschaftlichen Betriebe. „Das Jahr 2026 hat eigentlich relativ kühl angefangen. In der Witterung nach dem Winter war es lange recht frisch, auch mit Bodenfrost“, berichtete Schneider. Bis Mai hätten sich die Bestände gut entwickelt. Die drei heißen Tage Ende Juni hätten dann allerdings deutliche Spuren hinterlassen. Temperaturen von knapp 40 Grad hätten sich insbesondere auf die späteren Kulturen ausgewirkt. Die Wintergerste war zu diesem Zeitpunkt bereits abgereift. Entsprechend fiel die Ernte gut aus: Mit etwa acht Tonnen pro Hektar lagen die Erträge im überdurchschnittlichen bis guten Bereich. Anders sah es beim Sommerweizen aus. Durch die hohen Temperaturen sei dieser zu schnell gelb geworden und habe dadurch an Ertrag verloren.
Auch die Sommergerste zeigte je nach Standort und Wasserversorgung ein unterschiedliches Bild. Im Durchschnitt wurden rund sechs Tonnen pro Hektar geerntet. Besonders stark litt dagegen der Winterweizen unter der Hitze. Die Kornfüllung war noch nicht abgeschlossen, als die Pflanzen aufgrund des fehlenden Wassers bereits in die Notreife gingen. Besonders betroffen waren schwache Böden mit geringem Wasserhaltevermögen, etwa Kaltkiesböden. Bei der Notreife wird die Pflanze vorzeitig gelb und stellt die Kornfüllung ein, obwohl die Vegetation noch nicht vollständig abgeschlossen ist. Entsprechend fiel die Weizenernte eher unterdurchschnittlich aus. Neben der Menge spielt dabei auch die Qualität eine Rolle. Nach Angaben des Kreisbauernverbandes berichten Betriebe teilweise von kleineren und ungleichmäßigeren Körnern sowie von Schmachtkorn. Dadurch können unter anderem Backqualität, Proteingehalt und Hektolitergewicht beeinträchtigt werden.
Auch die Roggenernte litt unter der Hitze und fiel nicht besonders gut aus. Beim Raps zeigte sich dagegen ein anderes Bild: Er reifte in diesem Jahr ungewöhnlich spät ab. „Er ist eigentlich fast vollständig erst nach dem Weizen gedroschen worden“, sagte Schneider. In anderen Jahren werde der Raps teilweise sogar vor dem Weizen geerntet. Beim Raps gab es zudem deutliche Ertragsunterschiede. Je nach Standort lagen die Erträge zwischen zwei und vier Tonnen pro Hektar. Beim Mais hat teilweise bereits die Noternte begonnen. „Der Ertrag wird eine Ecke weniger sein als letztes Jahr. Ich würde sagen, wir haben eine Einbuße von 30 bis 40 Prozent“, schätzte Schneider.
Sorgen um Grünland und Futterversorgung
Besonders die Kulturen, die derzeit noch auf den Feldern stehen, sowie das Grünland bereiten den Landwirten Sorgen. Damit verbunden ist auch die Frage der Futterversorgung für den kommenden Winter. Der erste Schnitt auf den Wiesen sei für viele Betriebe eher unterdurchschnittlich ausgefallen, weil es lange kühl und trocken gewesen sei. Der zweite Schnitt sei lediglich zufriedenstellend gewesen. Der dritte Schnitt sei vielerorts ausgefallen oder habe nur noch als Notmaßnahme durchgeführt werden können. „Wir haben seit fast zwei Monaten einen Stillstand auf Wiesen und Weiden“, betonte Schneider.
Umso wichtiger sei nun Regen, damit möglicherweise noch ein weiterer Schnitt möglich wird. Teilweise müsse bereits jetzt Futter zugekauft werden, das eigentlich für den Winter vorgesehen war. Auf einigen Weiden würden Rinder bereits mit Winterfutter versorgt, weil dort kaum noch grünes Gras vorhanden sei. Eine Futterreserve in ausreichendem Umfang konnten viele Betriebe in diesem Jahr nicht aufbauen. Deshalb hat der Kreisbauernverband erneut eine Futterbörse ins Leben gerufen. Landwirte, die Futter benötigen, können sich dort ebenso melden wie Betriebe, die Futter zur Verfügung stellen können. Ziel ist es, die Betriebe untereinander zu unterstützen.
Angespannte Lage auf den Höfen
Die schwierige Ernte fällt zudem in eine wirtschaftlich angespannte Zeit. „Das Ganze spielt in einer Phase hinein, wo die landwirtschaftlichen Betriebe eine sehr angespannte Liquidität haben. Die ganze Preissituation auf den Betrieben ist sehr schlecht“, sagte Schneider. Durch die niedrigen Preise könnten die aktuellen Kosten der Betriebe teilweise nicht gedeckt werden. Gleichzeitig blieben die Ausgaben hoch. „Die Betriebe haben mit den hohen Kosten genauso zu kämpfen“, betonte Schneider. Das betreffe Energiekosten ebenso wie Dünger und insbesondere zusätzliche Ausgaben für Futter infolge der Trockenheit.
Auch Geschäftsführer Sebastian Schramm sieht die Politik gefordert. „Wir brauchen Entlastung auf dem Hof von der Politik“, sagte er. Gegen die extremen Marktschwankungen könnten die Landwirte kaum noch ansteuern oder diese ausgleichen. Aus Sicht des Kreisbauernverbandes brauche es deshalb einen Risikoausgleich für Jahre, in denen die Ernte deutlich schwächer ausfällt. So könnten schlechte Erntejahre zumindest steuerlich besser abgefedert werden. Die diesjährige Erntebilanz zeigt damit erneut, wie stark die Landwirtschaft von Wetter, Erträgen und Preisen abhängig ist. Eine reibungslose und frühe Getreideernte kann dabei nicht darüber hinwegtäuschen, dass Trockenheit, Futterknappheit und wirtschaftlicher Druck für viele Betriebe zunehmend zu einer Belastungsprobe werden.
