Überschattet wurde der Festauftakt im Vorfeld allerdings von einer Hiobsbotschaft für die Einwohner aus Wüstensachsen und Melperts: Das dortige Trinkwasser war durch bakterielle Verunreinigungen belastet, weshalb das Gesundheitsamt kurz vor Festbeginn ein striktes Abkochgebot erlassen musste. Der logistischen Meisterleistung hinter den Kulissen tat dies jedoch keinen Abbruch – die Stände und teilnehmenden Gastronomiebetriebe stellten sich umgehend auf die Ausnahmesituation ein, sodass die Sicherheit der Tausenden Festgäste zu jedem Zeitpunkt vollends gewährleistet blieb.
Der absolute Höhepunkt des Festes war der Festzug am Sonntag, der sich mit mehreren hundert Metern Länge vor einer riesigen Zuschauerkulisse durch die Straßen zog. Begeisternd war dabei, was den Gästen am Straßenrand geboten wurde: Der Grottenverein Seiferts präsentierte eine originalgetreue Mariengrotte, während der Ortsteil Thaiden gleich ein komplettes, mobiles Standesamt aufbot. Die Ortsvorsteher machten gemeinsam mit Bürgermeister Peter Kirchner und dem Landtagsabgeordneten Sebastian Müller hinter einem humorvollen Transparent Ernst mit der lokalen Nahversorgung.
Unter der Aufschrift „Unser tegut... ist nun abgeschlossen, so manche Träne ist geflossen, der Markt, der gibt jetzt nix mehr raus, drum helfen wir persönlich aus!“ versorgten sie die Kinder am Straßenrand reichlich mit Süßigkeiten. Landrat Bernd Woide fuhr derweil nicht ganz stilecht, aber sichtlich gut gelaunt auf dem Notsitz eines Oldtimers der „Alten Zylinder Hilders“ mit – genau dort, wo früher die Erntehelfer für die harte Handarbeit auf dem Feld Platz fanden. Dynamische sportliche Vorführungen der gemeinsamen Rhönrad-Gruppe der Sportvereine aus Gersfeld und Bischofsheim bereicherten das Bild ebenso wie eine historische Oldtimer-Aufstellung in voller Bewegung. Am Ende tat man jedem Verein und jeder Gruppe unrecht, die nicht namentlich genannt werden konnte – alle Beteiligten präsentierten sich fantastisch und zeigten eindrucksvoll, wie viel Zusammenhalt und gelebter Bürgersinn in der Hohen Rhön herrschen.
Den Auftakt der Festtage markierte bereits am Freitagabend ein gut besuchtes Platzkonzert des Musikvereins „Hohe Rhön“ auf dem Bürgerhausplatz in Wüstensachsen, dessen musikalisches Repertoire von fetzigen Rockklassikern bis zur traditionellen Blasmusik reichte. Am Samstag verwandelte sich die gesamte Gemeinde in eine Erlebnismeile mit einem großen, länderübergreifenden Markt, auf dem Händler aus dem hessischen, bayerischen und thüringischen Teil der Rhön ihre regionalen Waren feilhielten. Ein dicht gestaffeltes Angebot an Fachführungen stieß auf enorme Resonanz: Während im Basaltwerk Billstein in Seiferts seltene Blicke hinter die Kulissen der modernen Gesteinsaufbereitung geboten wurden und der Rhönklub Wüstensachsen die lokale Bergbaugeschichte an der historischen Grube Barbara beleuchtete, widmete sich Ortshistorikerin Inge Hohmann in einem sensiblen Ortsrundgang den bleibenden Spuren jüdischen Lebens in Wüstensachsen.
Auch die moderne Landwirtschaft präsentierte sich transparent; die Biolandwirte Daniel und Thomas Keidel öffneten ihre Stalltore in der Beckenmühle, wo sich die Besucher beim automatisierten Melken von rund 100 Milchkühen ein Bild von zeitgemäßer Erzeugung machen konnten. Ein Stück weiter demonstrierte Schreiner Peter Trapp die Funktionsweise seines neun Meter langen mobilen Sägewerks und zog die Zuschauer beim Live-Schnitzen mit der Motorsäge in seinen Bann. Kulturgeschichtlich schlug die Veranstaltung den Bogen bis in die jüngere Vergangenheit: Das von Familie Hohmann privat betriebene DDR-Grenzmuseum im Ortsteil Thaiden öffnete seine Pforten und zeigte originalgetreue Grenzanlagen, Bunkerhäuschen sowie perfekt restaurierte DDR-Fahrzeuge wie ein „Duo“-Dreirad und einen Trabi. Für die jüngsten Festbesucher bot die von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Kindergartens „Ehrenberger Spatzennest“ betreute Kinderwelt oberhalb der Kirche mit einer großen Hüpfburg und kreativen Bastelaktionen einen idealen Anlaufpunkt. Nach einer gut besuchten Sommernacht mit Live-Musik der Tanzband „Belconda“ am Samstagabend strömten die Bürger am Sonntag zunächst zum Festgottesdienst auf den Kirchplatz, bevor dann am Nachmittag der große Festzug startete.
