Es war eine über zweistündige Sitzung des Ausschusses, der erstmals in der neuen Konstellation zusammenkam. Vorsitzender Guido Lomb (CDU) begrüßte die Mitglieder und wünschte eine gute Zusammenarbeit. Einige Mitglieder wie Thomas Hering (CDU) oder Pierre Lamely (AfD) ließen sich entschuldigen und schickten Vertretungen, während sich alle kurz vorstellten. Lomb selbst ist als Schulleiter der Beruflichen Schulen am Obersberg in Bad Hersfeld vom Fach. „Wir wollen gute Arbeit für die Zukunft leisten“, betonte er. Der Niederschrift der konstituierenden Sitzung aus dem Mai wurde derweil einstimmig zugestimmt.
Druck auf Landkreis Fulda
Größter Tagesordnungspunkt war die Vorstellung der Machbarkeitsstudie für die Umgestaltung der Pestalozzischule an der Abt-Richard-Straße – aufgrund ihres Förderschwerpunkts „geistige Entwicklung“ legt die Stadt hier ein besonderes Augenmerk. Wie Bürgermeister Dag Wehner betonte, „wären wir gerne schon deutlich weiter“. Doch die Rahmenbedingungen hätten die Planungen bisher erschwert. Unter anderem ist nur etwa die Hälfte der Schüler aus dem Stadtgebiet, die andere Hälfte komme aus dem Fuldaer Kreisgebiet, und damit hat auch der Landkreis Mitspracherecht. „Der Landkreis hat damals entschieden, für ‚seine‘ Schüler einen anderen Weg zu gehen“, so Wehner: In Neuhof solle als Anbau an die Kepler-Schule zeitnah ein Komplex entstehen, der für die Schüler aus dem Südkreis ebenfalls den Schwerpunkt geistige Entwicklung anbiete. Es gehe dabei um etwa 60 bis 80 Schülerinnen und Schüler, die dann an der Pestalozzischule wegfallen würden. Damit die freiwerdenden Kapazitäten in Fulda genutzt werden können, müsse der Landkreis seine Planungen vorantreiben, und die Stadt habe „die Signale deutlich verschärft“, so Wehner. Sogar eine Vereinbarung wurde aufgekündigt, „und das ist nicht alltäglich“. Nun warte die Stadt auf Ergebnisse der anstehenden Gespräche.
Für die komplexe Umgestaltung der Pestalozzischule habe die Stadt Fulda das Büro conceptk aus Regensburg ins Boot geholt. Auch die Schülerschaft und die Schulleitung sei mit einbezogen worden. „Wir haben Experten an unserer Seite“, so Wehner.
Conceptk stehe der Stadt sowohl architektonisch als auch pädagogisch zur Seite, wie Petra Korger-Vieres, Amtsleiterin Schule und Sport, erklärte, und dankte dabei Sina Steinbrück und Jürgen Luga aus dem Büro. Die Planungsphase startete bereits vor fast zwei Jahren mit ersten Workshops an der Pestalozzischule, bei der sich Probleme und Wünsche bei den Beteiligten aufgetan hatten, die mit einbezogen werden konnten. Auch Schulleiter Markus Pötz wohnte der Ausschusssitzung am Dienstag bei und ging auf die gestiegenen Schülerzahlen und Herausforderungen der vergangenen Jahre ein. Was die Zahlen angehe, vermuten Schule und Stadt zumindest, dass aktuell ein „Peak“ erreicht sei.
Aktuelle Situation: Außenstelle, Container, bauliche Mängel
Christian Heil aus dem Gebäudemanagement Stadt Fulda berichtete anschließend über den Bestandsbau und die Überlegungen der Neugestaltung: Der Bau ist aus dem Jahre 1978, also fast 50 Jahre alt. Ebenfalls ist die Haustechnik fast fünf Jahrzehnte alt und stelle das Hauptproblem dar. „Es fehlen Behandlungs- und Förderräume“, ergänzte er. Außerdem wurde der Platz immer enger: In der Ernst-Barlach-Straße 6 wurde bereits eine Außenstelle in einem ehemaligen Kasernenbau errichtet, die früher auch mal gebrannt hatte und mittlerweile schon aufgestockt wurde, dazu wurde die Verwaltung am Hauptstandort vor etwa fünf Jahren in Container ausgelagert. Die Akustik-Paneele in der Cafeteria seien porös, und das Dach der Hauptstelle liege bereits über der Lebenserwartung – also viele Probleme, die angegangen werden müssen, ganz von Wasser, Heizungen und Lüftungsanlage abgesehen. Einzig die Sporthalle, die 2010 saniert wurde, wird in den nächsten Jahrzehnten nicht angegriffen – jedoch wurde hier auch nur optisch, und nicht energetisch saniert. Immerhin: Was die digitale Ausstattung sowie den Punkt Unfall und Barriere angeht, haben die Verantwortlichen keine Mängel ausmachen können und meldeten: Alles im grünen Bereich.
Was die Planung für die Neugestaltung angeht, wurden zunächst drei Varianten A, B und C ins Auge gefasst, jedoch brachten alle Nachteile mit sich: Der komplette Umbau des Bestandsgebäudes würde sich schwer umsetzen lassen und die Schule „nicht aufgeräumter“ machen, so Heil. Ein Teilabriss sei den Schülern im laufenden Betrieb nicht zuzumuten, und ein Komplettabriss mit Neubau würde eine teure Auslagerung mit sich bringen. Nach intensiven Überlegungen wurde sich nun für einen Kompromiss entschieden, die die Stadt „Variante D“ nennt: Die Sporthalle bleibt erhalten, drumherum wird die Schule aufgebaut. Ein erster Baukörper entsteht völlig neu am Rand des Grundstücks, der knapp zwei Jahre Bauzeit frisst. Sobald dieser fertiggestellt ist, können dort sowie in der bestehenden Außenstelle fast alle Schüler ausgelagert werden, um das Bestandsgebäude anzugreifen.
Bis es mit den Arbeiten losgeht, würden aber noch ein bis anderthalb Jahre Planung vergehen, so die Stadt. In dieser Zeit könnte die Kreis-Schule in Neuhof fertig werden – im Optimalfall für die Stadt: Dann würden die 60 bis 80 Schüler ohnehin schon vorher „umziehen“ können, und die Auslagerung in Fulda einfacher machen. Kleine Unsicherheiten habe die Stadt aber noch, was die Schülerzahlen in den nächsten Jahren angeht. Es gebe Prognosen, aber keine Gewissheiten. Dag Wehner betonte aber: „Wir setzen natürlich kein Kind vor die Tür“.
Differenzierung in der Schülerschaft muss berücksichtigt werden
Nach den anderthalb Jahren Planungsphase würde die komplette Maßnahme an der Pestalozzischule dann nach Schätzungen der Verantwortlichen sechs bis sieben Jahre dauern – allerdings machte Wehner klar, dass die ersten Vorzüge und Erleichterungen bereits mit der Fertigstellung des neuen Baukörpers zu spüren sein werden, in den zum Beispiel die Grundstufe und die Mittelstufe einziehen könnten. Weiterhin nannte Wehner die Bonifatiusschule, die ihn ähnlichen Abschnitten erneuert wurde, als bestes Beispiel, dass der Weg der richtige sei. In jedem Fall werde – auch wenn die Maßnahme lange dauere – „ein pädagogischer Mehrwert“ geschaffen.
An die besonderen Ansprüche der Förderschule hat das Büro conceptk in Abstimmung mit Stadt und Schule natürlich gedacht: Es entstehen Differenzierungsräume, Timeout-Räume, eine Lehrküche, eine gemeinsame Mitte, ein neues Pflegebad, ein Multimedia-Band-Raum, Therapieräume und vieles mehr. Auch das Inventar wird zum Großteil neu angeschafft.
Heil kam abschließend auf die Kostenprognose zu sprechen: Die Verwaltung kämpfe mit Preissteigerungen, jährlich bis zu drei Prozent, jedoch sei die gewählte Lösung insgesamt nicht verhältnismäßig teurer, als nur ein Umbau, da dann die Auslagerungskosten höher wären. Die Stadt plane aktuell mit 32,1 Millionen Euro für die Gesamtmaßnahme an der Pestalozzischule. Eine stolze Zahl, doch der Stadt sei wichtig gewesen, „die aktuell zwei Standorte wieder zu einem zusammenzuführen“. Auch von der bisher „baulich herausfordernden“ Wabenstruktur werde abgegangen, wie die Grundrisse der Neuplanung zeigen. Die Stadt freue sich aber, dank der Erfahrungswerte von conceptk aus vielen detaillierten und vergleichbaren Daten, ziemlich kostengenau kalkulieren zu können. Und die Schulleitung um Pötz freute sich, dass der bisherige Standort, zu dem es ein „klares Bekenntnis“ gebe, mit den Maßnahmen den differenzierten Ansprüchen endlich gerecht werden könne.
Nach der Vorstellung der Machbarkeitsstudie wurde im Ausschuss noch über die Entwicklung der Schülerzahlen gesprochen. Petra Korger-Vieres berichtete von einem Rückgang der Geburten in der Stadt, aber von einer stabilen Gesamtbevölkerung. Für die Schülerzahlen bedeutete das: Vor zehn Jahren waren es 12.100 Schülerinnen und Schüler an städtischen Schulen, im aktuellen Schuljahr mit 11.333 etwas weniger. Sie legte die Übergangsquoten sowie Tendenzen für die kommenden Jahre dar. Die Rabanus-Maurus-Schule sei mit etwa einem Viertel die Schule mit dem niedrigsten Anteil an Schülern aus dem Stadtgebiet – viele junge Menschen ziehe es von Flieden oder Neuhof ans Domgymnasium. Ausschussvorsitzender Lomb lud abschließen zur nächsten Ausschusssitzung im September ein – dann ausgelagert in der Bonifatiusschule.
