Die Dachdecker hatten Eindruck hinterlassen auf dem Hessentag in Fulda: Das Handwerk präsentierte sich mit Live-Erlebnissen und vielen weiteren Aktionen, wie Jürgen Bug, Obermeister der Innung Fulda, den Gästen aus dem ganzen Bundesland auf der Verbandstagung berichtete: „Wenn wir Fuldaer etwas anpacken, dann machen wir es richtig“, machte er deutlich. Der Schwung des großen Landesfestes konnte genutzt werden: „So viel Spaß, so viel Motivation, so schönes Miteinander. Das habe ich in 18 Jahren als Obermeister noch nicht erlebt, und das war ansteckend“, strahlte Bug und erntete großen Applaus.
Die besten Ideen entstehen bekanntlich in der Praxis – und die Blechrosen wie auch die Schieferherzen, die die Dachdecker hergestellt hatten, kamen bei den Hessentagsgästen super an: „Wir wurden schnell gefragt, was die denn kosten würden“, sagte Bug – eigentlich waren die Produkte gar nicht zum Verkauf gedacht. Kurzerhand wurde eine Gummibärchen-Box zu einer Spendenbox umfunktioniert, von der das „Feierabendbier“ bezahlt werden sollte. Nichts war es: Der Erfolg sei so gewaltig gewesen, dass eine andere Lösung her musste. Schließlich entschied sich die Dachdecker-Innung Fulda, die gesamten Erlöse der FZ-Spendenaktion „Ich brauche deine Hilfe“ zukommen zu lassen. Tobias Farnung, Chefredakteur der Fuldaer Zeitung, war daher zum Verbandstag und war gespannt auf das Ergebnis. Er berichtete, dass mit der Aktion jährlich etwa 30 Initiativen und Projekte unterstützt werden können, und lobte: „Das, was Sie am Hessentag abgeliefert haben, war ein Brett. Es war Riesen-Werbung für Ihren Beruf“. Über 4800 Euro kamen zusammen, die Innung legte noch etwas drauf, sodass ein satter Spendenscheck in Höhe von 5000 Euro überreicht werden konnte. Diesen durften auch die beiden Dachdecker Leon und Sebastian entgegennehmen, die an zehn Tagen Hessentag täglich zehn Stunden im Einsatz waren, was Bug lobend hervorhob.
Zur Verbandstagung konnte der frisch gewählte Landesinnungsmeister Florian Häßner aus Nidda auch zahlreiche Ehrengäste begrüßen, nicht nur aus dem eigenen Haus, sondern auch aus dem Zentralverband Deutsches Dachdeckerhandwerk, so beispielsweise die Vizepräsidenten Dirk Sindermann und Jan Voges sowie Hauptgeschäftsführer Ulrich Marx. Auch die hessischen Ehrenlandesinnungsmeister Ludwig Held und Stefan Schöffmann sowie der Ehrenvorsitzende des Berufsbildungswerks, Manfred Feger, waren vor Ort in Fulda. Aus der Region schauten Kreishandwerkerschafts-Geschäftsführer Lukas Henke und Ehren-Innungsobermeister Robert Löser vorbei. Dazu kamen Landesinnungsmeister aus Bayern (Mario Kunzendorf) und Brandenburg (Karsten Kirchhoff), sowie Staatssekretär Dr. Johannes Loheide aus dem Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum – er war in Vertretung für Minister Mansoori in Fulda.
Landesinnungsmeister Häßner hob die aktuellen Herausforderungen des Dachdecker-Handwerks hervor, das vor „großen Aufgaben“ stehe. Bürokratie, Fachkräftemangel und sinkende Umsätze. Auch das Thema Sozialversicherung sollte ein großes bei der Verbandstagung werden. Die Frage, „wie die Systeme leistungsfähiger und finanzierbarer“ werden, stand dabei im Raum. Und angesichts der Vielzahl von 130 Anmeldungen machte Häßner klar: „Mit dem Thema haben wir einen Treffer gelandet“. Stolz auf das eigene Handwerk und selbstbewusst sollen die Dachdecker sein, so Häßner, und gemeinsam Verantwortung für die Zukunft ihres Gewerkes übernehmen. Er wünschte eine „erfolgreiche, erkenntnisreiche und inspirierende“ Tagung, bei der voneinander gelernt werden kann. „Ein starker Verband braucht eine starke Basis“, gab er mit auf den Weg. Und: „Das Handwerk darf gesellschaftspolitische Fragen nicht anderen überlassen“.
Staatssekretär Dr. Johannes Loheide zeigte sich ebenfalls begeistert über das große Interesse und fühlte sich wie bei einem „Familientreffen“, da viele ihre Partner und Kinder mitgebracht hätten. Verschiedenen Generationen blickte er bei seiner Rede ins Gesicht und stellte einen „besonderen Zusammenhalt“ sowie eine „Schlüsselrolle“ der Dachdecker heraus: „Sie sind wichtige Player für die wirtschaftliche und ökologische Zukunft“. Auch auf die „beeindruckenden Auszubildenden-Zahlen“ ging Loheide ein und machte deutlich, wie attraktiv das Gewerk sei: „Das zeigt großes Engagement“, lobte er. Das Land wolle seinen Beitrag als Partner in wichtigen Themen leisten, seien es Förderungen, Ausbildung, Entbürokratisierung oder das Auftragsvolumen kleiner Betriebe. Loheide schloss damit, dass „gute Grundlagen“ vorhanden seien: „Nun müssen wir die PS durch die Investitionen aber schnell auf die Straße bringen“.
Dirk Sindermann als Vizepräsident des Zentralverbandes sprach ebenfalls über aktuelle Themen und betonte, dass die Betriebe unterstützt werden müssen und Zukunft gemeinsam gestaltet werden soll. „Gute Lösungen entstehen dort, wo Wissen und unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen“, so Sindermann.
Ein „Novum“ machte dann den Landesverband auch noch besonders stolz: Mit Kevin Schreijer, der 2025 hessischer Landessieger wurde und dann auch auf Bundesebne siegte, sowie im Jahr zuvor Valentin Bremer, der ebenfalls nach dem Landestitel auch den Bundessieg holte, kamen erstmals zwei Sieger in Folge aus einem Bundesland. Dies würdigten Florian Häßner und Landesinnungsverbands-Geschäftsführer Norbert Hain mit entsprechenden Urkunden, die Schreijer sowie Bremers Ausbilder übergeben wurden, da Letzterer nicht vor Ort sein konnte. Außerdem wurden sie von Häßner zu einer Weiterbildung auf Bundesebene eingeladen, der gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender des Berufsbildungswerkes ist.
Abgerundet wurde der erste Vormittag des Landesverbandstages, der zum 78. Mal stattfand und zum ersten Mal seit 2004 wieder in Fulda, von einer Finanzkabarett-Einlage: Christian „Chin“ Meyer alias Siegmund von Treiber und die Geldwäsche brachte als „Cash Man von der Steuerfahndung“ die Handwerker zum Schreien. Mit einer Opern-Arie, irren Scherzen ohne Ende und waghalsigen Rechnungen hatte er jeden schnell auf seiner Seite, und nahm selbst die Ehrengäste aufs Korn. Für den Nachmittag hat der Landesverband dann mit einem Vortrag von Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen (Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg) und einer Podiumsdiskussion für ein spannendes Programm gesorgt. Raffelhüschen sprach unter der Leitfrage „Vom Artensterben bedroht oder von Chancen überhäuft?“ über Risiken und Chancen der Branche, während es bei der Podiumsdiskussion, an der auch der heimische Bundestagsabgeordnete und Staatssekretär Michael Brand teilnahm, um die Sozialversicherungsbeiträge ging. Am Abend geht es dann mit einem Sektempfang und einem Festabend mit der Band „The Hangover“ weiter, ehe am Samstag eine Stadtführung und Kuppelbesichtigung im Dom auf dem Plan stehen. Für die Gäste endet das Wochenende dann mit dem Musical „Der Schimmelreiter“ im Schlosstheater.
