Lokales FD 08.08.2026

CDU-Stadtteilbegehung: Zukunft der Innenstadt im Fokus

Fulda (sk) – Um Konzepte gegen drohende Leerstände und für eine nachhaltige Wiederbelebung historischer Gebäude zu diskutieren, lud die CDU-Stadtverordnetenfraktion Fulda zu ihrer abschließenden Sommerbegehung ein. Unter der Führung des Stadtverordneten Hans-Dieter Alt wurden wegweisende Projekte der Fuldaer City besichtigt. Alt fand zu Beginn klare Worte für die bundesweite Herausforderung: „Die Innenstädte erodieren, und Leerstand ist das Schlechteste, was einer Kommune passieren kann.“

Foto: Stefan Krug

Wie die öffentliche Hand als Impulsgeber vorangehen kann, erlebte die Fraktion auf der neuen Kaisersaalterrasse am Stadtschloss. Das mit rund fünf Millionen Euro realisierte Großprojekt macht den Rokoko-Garten aus dem Jahr 1777 neu erlebbar und kann zukünftig unter anderem als Trausaal genutzt werden. Stadtbaurat Daniel Schreiner dankte für den politischen Mut zu dieser Investition in die Aufenthaltsqualität. Die im Haushalt eingestellten fünf Millionen Euro werden nach aktuellen Hochrechnungen ausreichen. Seit der Eröffnung lässt sich täglich miterleben, wie hervorragend der Garten von Einheimischen und Touristen gleichermaßen angenommen wird. „Wir können stolz auf diesen Garten sein. Investitionen in der Innenstadt wirken gegen den Erosionsprozess der City. Und dazu gehört eben auch Kultur“, betonte Alt mit Blick auf den neuen Tourismusmagneten.

Neben städtischen Investitionen ist es vor allem das private Engagement, das leblos gewordene Flächen rettet. In der Friedrichstraße zeigte Gastronom Marc Zuspann der Delegation die Baustelle seines neuen Lokals „Ferdinand“ im Gebäude eines ehemaligen Schuhgeschäfts. Alt unterstrich vor Ort, dass der Name Zuspann seit Jahrzehnten für gepflegte Gastronomie stehe. Der Gastronom selbst betonte seine tiefe Wertschätzung für Fulda und erklärte seine Motivation, den Gästen seine bekannten Spezialitäten nun direkt in der Kernstadt ohne Anreise bis zur Praforst anzubieten: „Wir planen ein Bistro mit deutscher Traditionsküche. Es wird gleichzeitig eine offene Küche sein, auf die die Gäste direkten Einfluss nehmen können.“ Gleichzeitig wolle er die Friedrichstraße weiter beleben, das traditionelle Friedrichstraßenfest wieder aufnehmen und sich bei einer potenziellen Erweiterung des Weihnachtsmarktes aktiv einbringen.

Ein architektonisches Juwel besichtigte die Fraktion zudem in der Mittelstraße: Das Ehepaar Alexandra und Michael Mans hat das geschichtsträchtige Eckhaus „Zum Roten Ochsen“, das 1907 von Robert Kircher erbaut wurde, seit 2020 aufwendig und denkmalgerecht saniert. Heute trägt das dort beheimatete Restaurant „Tondas“ den historischen Geist des Hauses weiter in die Moderne. Solche mutigen Investitionen seien laut Alt der beste Schutz gegen den städtischen Erosionsprozess. Dass der Weg zur Wiederbelebung oft steinig ist, wurde wiederum in der Straße „Unterm Heilig Kreuz“ deutlich. Investor Arsim Trabert-Rexhepi berichtete am Beispiel einer erworbenen Immobilie von den Hürden im Umgang mit Altbauten. Während das Eiscafé „L'unico“ im Erdgeschoss als erfolgreiche Zwischenlösung für sommerliche Belebung sorgt, sind die oberen Etagen aufgrund von historischen Raumhöhen von gerade einmal 1,75 Metern derzeit unbewohnbar. Dennoch fühle sich der Investor wohl in der Domstadt: „Wir würden gern noch mehr bewegen in Fulda. Die Zusammenarbeit mit der Stadt läuft hier ganz gut.“

Den strategischen Schlusspunkt des Rundgangs bildete das Konzeptkaufhaus „Karl“ (ehemals Kerber). Hier zeigt sich exemplarisch, wie Multifunktionalität große Einzelhandelsflächen retten kann. Neben Verkaufsräumen und dem Dachbiertheater etabliert sich dort das Bistro „Gaston“, das nach einer kurzen Pause im Anschluss an den Hessentag seit dem 1. August wieder erfolgreich durchstartet. Andreas Rau und Felix Wesseling bieten im Bistro gezielt leichte Gerichte an. Rau erklärte dazu: „Wir wollen in die Innenstadt etwas Großstadtflair bringen. Ich denke, für Fulda passt das hier perfekt.“ Für die Zukunft bietet die Immobilie zudem spannende Entwicklungschancen, da aktuell ein modernes Medizinzentrum im Herzen der Stadt im Gespräch ist. „Der klassische Einzelhandel wird sich grundlegend verändern, da müssen wir uns keine Illusionen machen“, bilanzierte Hans-Dieter Alt zum Abschluss. Umso wichtiger seien kreative Umnutzungskonzepte und starke Allianzen, um Fulda als lebendigen Anziehungspunkt für die Zukunft aufzustellen.