Durchgeführt wurde die Deutschland-Premiere von dem leitenden Oberarzt Priv.-Doz. Dr. Christian Sellin und Volodymyr Demianenko. Beide Operateure verfügen über langjährige Erfahrung mit der TCRAT-Technik und sind maßgeblich an deren Weiterentwicklung und wissenschaftlicher Evaluation am Herz-Thorax-Zentrum Fulda beteiligt.
TCRAT: Bypass-Chirurgie ohne Öffnung des Brustbeins
Die Abkürzung TCRAT (Total Coronary Revascularization via left Anterior Thoracotomy) steht für ein modernes Verfahren, bei dem verengte Herzkranzgefäße komplett ohne die klassische Durchtrennung des Brustbeins versorgt werden. Stattdessen operieren die Herzchirurgen über einen winzigen, schonenden Zugang zwischen den Rippen an der linken Brustseite. Das Klinikum Fulda hat diese Technik bereits im Jahr 2019 als Pionier in Deutschland eingeführt und seither bei mehr als 1000 Patientinnen und Patienten erfolgreich angewendet. „Die TCRAT-Technik hat die minimal-invasive Koronarchirurgie in Fulda entscheidend geprägt. Mit der robotischen Unterstützung gehen wir nun den nächsten Entwicklungsschritt. Wir verbinden unsere umfangreiche Erfahrung mit einem hochpräzisen technologischen System und schaffen damit neue Möglichkeiten für die Weiterentwicklung der minimal-invasiven Herzchirurgie“, erklärt Dörge.
Der Chirurg steuert zu 100 Prozent: Robotik erweitert die Möglichkeiten
Durch den zusätzlichen Einsatz des DaVinci-Systems gewinnt die Operation weiter an Präzision. Über eine Steuerkonsole bedienen die Chirurgen millimetergenau mikroskopisch feine Instrumente. Eine hochauflösende 3D-Kamera liefert dabei eine vielfach vergrößerte, gestochen scharfe Sicht auf die empfindlichen Gefäße. Das System unterstützt das Team, ersetzt es jedoch nicht: Alle Bewegungen werden vollständig und in Echtzeit von der operierenden Person gesteuert. Die Patienten profitieren von einer drastisch reduzierten körperlichen Belastung, geringeren Schmerzen nach dem Eingriff und einer wesentlich schnelleren Rückkehr in den Alltag. Für Sellin ist die Kombination beider Verfahren insbesondere aus chirurgischer Sicht von Bedeutung: „TCRAT und robotergestützte Chirurgie verfolgen dasselbe Ziel: eine möglichst präzise und zugleich schonende operative Versorgung der Patientinnen und Patienten. Die Verbindung beider Konzepte eröffnet uns die Möglichkeit, die Vorteile der etablierten TCRAT-Technik mit den technischen Möglichkeiten der Robotik zu vereinen. Entscheidend ist dabei nicht die Technologie allein, sondern das Zusammenspiel aus Erfahrung, standardisierten Abläufen und einem hochqualifizierten interdisziplinären Team.“
Fulda als Internationales Zentrum für Herzchirurgie und Lehre
„Unser Herz-Thorax-Zentrum hat sich in den vergangenen Jahren zu einem national und international beachteten Zentrum für minimal-invasive Koronarchirurgie entwickelt“, so Priv.-Doz. Dr. Thomas Menzel, Sprecher des Vorstands am Klinikum Fulda: „Das Team von Professor Dörge hat dabei unsere volle Unterstützung.“ Neben der klinischen Anwendung ist das Team rund um Dörge auch wissenschaftlich intensiv mit der Weiterentwicklung der TCRAT-Technik befasst. Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten aus Fulda beschäftigen sich unter anderem mit der Technik der perioperativen Versorgung und den Ergebnissen des Verfahrens.
Als Campus Fulda der Philipps-Universität Marburg verbindet das Klinikum Fulda hochentwickelte Patientenversorgung mit Forschung und Lehre. Wie hoch das Ansehen des Standorts ist, zeigt sich auch im September: Beim internationalen „TCRAT Forum Fulda 2026“ reisen Fachärztinnen und Fachärzte aus der ganzen Welt nach Osthessen, um anhand von Live-Operationen von der Fuldaer Expertise zu lernen. Der von Dörge geleitete Kurs vermittelt die herzlungenmaschinenunterstützte Bypass-Chirurgie anhand praktischer Fallbeispiele. „Unser Anspruch ist es, innovative Verfahren nicht nur einzuführen, sondern sie wissenschaftlich zu begleiten, weiterzuentwickeln und für geeignete Patientinnen und Patienten sicher in die klinische Routine zu überführen“, betont Dörge.
Die erste robotergestützte TCRAT-Operation markiert einen weiteren wichtigen Schritt in der Entwicklung einer Herzchirurgie, die hohe operative Präzision mit möglichst geringer körperlicher Belastung für die Patientinnen und Patienten verbindet.
