Lokales FD 12.08.2026

Umleitungen sorgen für Ärger bei Anwohnern - Baustelle in Gersfeld

Gersfeld/Poppenhausen (jah) – Die Sanierung der Gersfelder Ortsdurchfahrt bringt nicht nur für die Stadt selbst Einschränkungen mit sich: Seit Mittwoch, 5. August, ist die Berliner Straße (B279) zwischen der Tankstelle und der Kreuzung mit der B284 beziehungsweise Wasserkuppenstraße für den Verkehr gesperrt. Die rund 570 Meter lange Strecke wird in zwei Bauabschnitten erneuert. Der Verkehr wird während der Bauarbeiten weiträumig umgeleitet – unter anderem über die Landesstraße 3330 durch Poppenhausen. Dort sorgt die zusätzliche Verkehrsbelastung bereits für Unmut bei Anwohnern.

Symbolfoto: Jasha Günther

Hessen Mobil erneuert die Ortsdurchfahrt gemeinsam mit der Stadt Gersfeld. Im ersten Bauabschnitt wird zunächst der Bereich zwischen Tankstelle und Wiesenstraße saniert. Die Arbeiten sollen dort etwa vier bis sechs Wochen dauern. Anschließend ist voraussichtlich ab Mitte September der zweite Abschnitt bis zur Kreuzung B279 / B284 an der Reihe. In Teilbereichen sollen die Arbeiten bis Mitte November abgeschlossen werden. Anschließend ist eine wetterbedingte Unterbrechung über die Wintermonate vorgesehen. Im Frühjahr 2027 sollen die Arbeiten fortgesetzt und voraussichtlich im Mai abgeschlossen werden. Sollte die Witterung Bauarbeiten auch im Dezember zulassen, könnte die gesamte Maßnahme möglicherweise noch in diesem Jahr beendet werden.

Für die Bauzeit gilt eine Vollsperrung. Die ausgeschilderte Umleitung führt in beide Richtungen über die B284 nach Obernhausen, weiter über die B278 durch Wüstensachsen und Batten, anschließend über die B458 durch Dietges und Steinwand sowie über die L3330 durch Poppenhausen und Gackenhof. Für den Busverkehr ist eine innerörtliche Umleitung vorgesehen. Während der Winterunterbrechung soll die Gersfelder Ortsdurchfahrt wieder für den Verkehr freigegeben werden.

Anwohner sehen erhebliche Belastung

Gerade die Einbeziehung der L3330 sorgt in Poppenhausen für Kritik. Ein Ehepaar aus dem Ort, das in der Nähe der Landesstraße wohnt, hat sich an die Redaktion von Osthessen-Zeitung gewandt. Die Anwohner berichten bereits seit Jahren von einer hohen Verkehrsbelastung durch Schwerlastverkehr, Ausweichverkehr bei Staus auf der A7 sowie durch Motorradverkehr. Mit Beginn der Gersfelder Vollsperrung habe sich die Situation aus ihrer Sicht nochmals deutlich verschärft.

Vor allem die Zahl der Lastwagen habe nach Beobachtung der Anwohner zugenommen. Sie berichten von 40-Tonnern und anderen schweren Fahrzeugen, die aus Richtung Gackenhof nach Poppenhausen fahren. Die Landesstraße sei für eine solche zusätzliche Belastung aus ihrer Sicht ungeeignet. Die Anwohner verweisen dabei unter anderem auf die kurvenreiche und bergige Streckenführung sowie die Einrichtungen und Geschäfte im Ortszentrum.

Besonders kritisch sehen sie den Verkehr im Bereich der Georgstraße. Dort befinde sich unter anderem ein Tempo-30-Abschnitt, der aus Sicht der Anwohner zu kurz gefasst sei und zudem häufig nicht eingehalten werde. In ihrem Schreiben schildern sie die Auswirkungen auf das Leben im Ort deutlich. In den Sommernächten sei an Schlaf bei geöffneten Fenstern kaum zu denken, schreiben die Anwohner. Vor allem der Lärm schwerer Lastwagen und die damit verbundene Abgasbelastung seien eine erhebliche Belastung.

Auch die Verkehrssicherheit bereitet ihnen Sorgen. In unmittelbarer Nähe der Strecke befinden sich nach ihren Angaben unter anderem eine Altenheim-Tagesstätte, eine Kinderkrippe, ein Kindergarten und Geschäfte. Die Anwohner befürchten deshalb, dass die zusätzliche Belastung auch das Risiko für Fußgänger und insbesondere Kinder erhöht.

Hessen Mobil: L3330 ist für Schwerlastverkehr ausgelegt

Hessen Mobil weist die Kritik an der Wahl der Umleitungsstrecke zurück, ohne die zusätzliche Belastung für die Anwohner grundsätzlich infrage zu stellen. „Generell ist es verständlich, dass die Anlieger einer Umleitungsstrecke den zusätzlichen Verkehr nicht gutheißen“, teilt der Straßenbaulastträger auf Anfrage mit. Baustellen im Straßennetz seien allerdings immer mit gewissen Belastungen verbunden. Hessen Mobil versuche, diese so gering wie möglich zu halten.

Die Umleitung sei mit der zuständigen Straßenverkehrsbehörde und der Polizei abgestimmt worden. Auch die Gemeinde Poppenhausen sei in das Verfahren einbezogen gewesen. Ausschlaggebend für die jetzt gewählte Route sei vor allem die vorhandene Straßenklassifizierung gewesen. Die Umleitung verlaufe über Bundes- und Landesstraßen, die den zusätzlichen Verkehr nach Einschätzung von Hessen Mobil am besten aufnehmen könnten. Dazu zählt ausdrücklich auch die L 3330 durch Poppenhausen. „Die Variante ist somit die geeignetste Route“, erklärt Hessen Mobil. Die Landesstraße sei als klassifizierte Straße „für den Schwerlastverkehr ausgelegt“. Die örtlichen Gegebenheiten seien den beteiligten Stellen entsprechend bekannt.

Keine gesonderte Verkehrszählung geplant

Dass sich das Verkehrsaufkommen auf der Strecke durch die Umleitung erhöht hat, bestätigt Hessen Mobil grundsätzlich. Eine Veränderung bei der Art des Verkehrs werde hingegen nicht erwartet. Eine gesonderte Verkehrszählung auf Umleitungsstrecken sei nicht vorgesehen.  Wie stark die zusätzliche Belastung tatsächlich ausfällt, lässt sich damit zunächst nicht anhand aktueller Zahlen beziffern. Hessen Mobil geht davon aus, dass sich das Verkehrsaufkommen nach Abschluss der Bauarbeiten in Gersfeld wieder entsprechend reduzieren wird. Auch auf die von den Anwohnern geschilderten Geschwindigkeitsüberschreitungen verweist Hessen Mobil auf die Zuständigkeit der örtlichen Behörden. Die Kontrolle des Verkehrs dürfe ausschließlich durch die Ordnungsbehörden oder die Polizei erfolgen.

Situation soll beobachtet werden

Gleichzeitig soll die Entwicklung auf der Umleitungsstrecke im Blick behalten werden. Gerade zu Beginn einer solchen Maßnahme beobachte Hessen Mobil die Situation nach eigenen Angaben genau. Neue Verkehrssituationen benötigten zunächst eine gewisse Zeit, bis sich die Abläufe eingespielt hätten. Sollte sich zeigen, dass es auf der Umleitungsstrecke zu Problemen kommt, wolle Hessen Mobil reagieren. „Hessen Mobil hat die Situation im Auge und wird bei Bedarf auf jeden Fall tätig werden“, heißt es auf Anfrage.

Für die Anwohner bedeutet die Situation zunächst dennoch eine zusätzliche Belastung auf einer Strecke, die bereits vor Beginn der Gersfelder Bauarbeiten stark befahren war. Wie stark sich der Verkehr in Poppenhausen tatsächlich verändert und ob die befürchtete dauerhafte Mehrbelastung eintritt, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen. Mit dem Fortschritt der Bauarbeiten in Gersfeld soll zumindest ein Teil der Umleitung wieder entfallen. Während der geplanten Winterpause soll die B 279 vorübergehend wieder befahrbar sein, bevor die Arbeiten im Frühjahr 2027 fortgesetzt werden.