Lokales FD 07.08.2026

Acht Monate voller Rückschläge: Café Glück öffnet wieder seine Türen

Fulda – Von Silas Messing – Der Moment, auf den viele Gäste monatelang gewartet haben, ist endlich da: Nach mehr als achteinhalb Monaten Zwangspause öffnet das Café Glück in der Fuldaer Friedrichstraße am kommenden Donnerstag um 9 Uhr wieder seine Türen. Was für Besucher wie ein Neustart wirkt, markiert für Inhaberin Anna Hain das Ende der wohl schwierigsten Zeit seit der Eröffnung ihres Cafés. Nach dem schweren Wasserschaden im vergangenen Dezember folgten monatelange Verzögerungen, Streit mit der Versicherung und immer neue Rückschläge. Die Freude über die Wiedereröffnung ist deshalb groß – auch wenn die Sorgen noch längst nicht vorbei sind.

Foto: Silas Messing.

„Ich kann es irgendwie noch gar nicht so richtig glauben“, sagt Hain wenige Tage vor der Eröffnung. Zwar freue sie sich darauf, endlich wieder Gäste begrüßen zu können, doch wirklich entspannt sei sie noch nicht. „Es liegt noch ein langer Weg vor uns. Wir haben sehr viel Ärger mit den Versicherungen und da wird noch einiges auf uns zukommen. Außerdem muss man nach achteinhalb Monaten auch erst einmal wieder in den Alltag hineinfinden.“

Eigentlich sollte das Café bereits Anfang Februar wieder öffnen. Aus der ursprünglich geplanten zweimonatigen Schließung wurde jedoch eine Pause von mehr als acht Monaten. Immer wieder verzögerten neue Probleme die Sanierung. Abstimmungen zwischen Versicherung, Bauleitung und verschiedenen Gewerken zogen sich über Monate hin. Selbst der Hessentag, der lange als großes Ziel für die Wiedereröffnung galt, konnte nicht gehalten werden. Stattdessen öffnete das Café lediglich die Außenterrasse und bot Getränke sowie Kuchen an.

Rückblickend sei genau das dennoch wichtig gewesen. „Wir wollten einfach Präsenz zeigen. Finanziell hat uns das überhaupt nichts gebracht, weil jeder Euro auf den Ertragsausfall angerechnet wurde. Aber es war wichtig, den Menschen zu zeigen: Wir kommen wieder.“ Während des Hessentags hätten unzählige Besucher nachgefragt, wann das Café endlich wieder öffne. Manche hätten sogar befürchtet, dass das Café dauerhaft geschlossen bleibe.

Die große Anteilnahme habe ihr und dem gesamten Team in dieser schwierigen Zeit viel Kraft gegeben. „Wir haben E-Mails von Gästen aus Fulda und sogar von außerhalb bekommen. Viele wollten reservieren und konnten gar nicht glauben, dass wir noch geschlossen haben. Dass sich so viele Menschen auf uns freuen, gibt natürlich Kraft.“

Am bewährten Konzept soll sich trotz der langen Pause kaum etwas ändern. Zwar habe das Team intensiv darüber nachgedacht, den Neustart für größere Veränderungen zu nutzen. Am Ende fiel die Entscheidung jedoch bewusst dagegen aus. „Wir haben ja nicht geschlossen, weil das Café nicht funktioniert hat. Es lief vorher gut. Deshalb gab es keinen Grund, alles über den Haufen zu werfen.“ Stattdessen wurden Speisekarte und Angebot sorgfältig überprüft. Produkte, die kaum nachgefragt wurden, verschwinden oder wurden leicht verändert. Saisonale Spezialitäten bleiben ebenso Bestandteil des Konzepts wie regionale Produkte, hausgemachte Kuchen sowie vegane und glutenfreie Angebote.

Eine wichtige Neuerung gibt es dennoch: Erstmals gehört eine ausgebildete Konditorin zum Team. Langfristig soll dadurch das Angebot an Kuchen und Torten deutlich erweitert werden. Zum Neustart wolle man allerdings bewusst klein anfangen. „Wir starten erst einmal mit dem, was wir kennen. Alles andere entwickelt sich Schritt für Schritt.“

An der Philosophie des Cafés ändere sich dagegen nichts. Regionalität und Qualität stünden weiterhin im Mittelpunkt. Eier, Wurst und viele weitere Produkte stammen von Erzeugern aus der Region. „Wir wollten nie Massenware anbieten, sondern Lebensmittel, bei denen man weiß, wo sie herkommen. Das schätzen unsere Gäste.“

Genau diese Mischung habe das Café in den vergangenen Jahren zu einem Treffpunkt für alle Generationen gemacht. „Damals hat mich bei der Bank jemand gefragt, wer eigentlich unsere Zielgruppe ist. Ich habe gesagt: alle. Er meinte, das gehe nicht. Heute weiß ich, dass es doch funktioniert.“

Der Neustart erfolgt allerdings unter schwierigen Bedingungen. Zwar sind die wichtigsten Sanierungsarbeiten abgeschlossen, doch an einigen Stellen muss das Team zunächst improvisieren. Besonders frustrierend sei bis heute der Umgang mit der Versicherung. So sei beispielsweise das komplette Mobiliar der Backküche trotz Schimmelbefalls nicht als Wasserschaden anerkannt worden. Seit Monaten warte man auf eine Rückmeldung.

„Seit Ende Februar haben wir überhaupt nichts mehr gehört. Weder wir noch unser Makler oder unser Anwalt bekommen eine Antwort. Kein Schreiben, kein Anruf, gar nichts.“ Deshalb habe das Team beschlossen, den Betrieb trotzdem wieder aufzunehmen. „Wir können nicht ewig warten. Irgendwann muss es einfach wieder losgehen.“

Die vergangenen Monate hätten alle Beteiligten an ihre Grenzen gebracht. Besonders belastend sei gewesen, dass viele Menschen die lange Schließung lediglich als verzögerte Renovierung wahrgenommen hätten. Wie viel Stress, Unsicherheit und Auseinandersetzungen mit Versicherungen tatsächlich dahintersteckten, sei für Außenstehende oft kaum sichtbar gewesen.

Auch personell brachte die lange Schließung Veränderungen mit sich. Ursprünglich sei man davon ausgegangen, lediglich zwei Monate schließen zu müssen. Viele Minijobber hätten deshalb zugesagt, anschließend zurückzukehren. Nach achteinhalb Monaten habe sich ihre Lebenssituation jedoch verändert. Einige hätten ihr Studium beendet oder andere Jobs angenommen. Das festangestellte Team mit 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sei dagegen nahezu vollständig geblieben.

Auf eine große Wiedereröffnungsfeier verzichtet das Café bewusst. Dafür fehle nach den vergangenen Monaten schlicht die Kraft. „Viele denken vielleicht, wir hätten jetzt achteinhalb Monate frei gehabt. Das Gegenteil ist der Fall. Diese Zeit war belastender als Corona und existenzbedrohender als alles, was wir bisher erlebt haben.“

Am Donnerstag soll deshalb kein großes Fest gefeiert werden. Stattdessen will das Team einfach wieder das tun, was es seit Jahren ausmacht: Gäste begrüßen, Kaffee servieren und ein Stück Normalität zurückbringen. „Das Wichtigste ist jetzt einfach, dass wir wieder da sind.“

Café Glück öffnet wieder. Fotos: Silas Messing.