Lokales FD 22.08.2026

750 Jahre Engelhelms: „Ein Dorf, viele Menschen, eine Gemeinschaft“

Engelhelms (sk) – 750 Jahre Tradition, 750 Jahre Gemeinschaft und 750 Jahre Engelhelms: Der rührige Ortsteil der Gemeinde Künzell feiert ein stolzes Jubiläum, das für die Menschen weit mehr als nur ein historisches Datum ist.

Foto: Stefan Krug

Einen ganz besonderen Grund zum Feiern hatte Staatssekretär Michael Brand als waschechter „Engelhelmser Jung“ – er freute sich sichtlich, seine Wette verloren zu haben, dass im Jubiläumsjahr weniger als 750 Sportabzeichen abgelegt werden würden. Es ist ein echtes Fest des Zusammenhalts, was Moderator Carlo Hahner, erster Vorsitzender des Gesangvereins, direkt auf den Punkt brachte: „Ein Dorf, viele Menschen, eine Gemeinschaft. Engelhelms lebt vom Zusammenhalt seiner vielen Vereine.“ Am Freitagabend startete das große Festwochenende mit einem feierlichen Festkommers im vollbesetzten Festzelt, musikalisch umrahmt vom Männergesangverein „Loreley“ Engelhelms. Neben Ortsvorsteher Björn Böhm ließen es sich auch zahlreiche prominente Vertreter der heimischen Politik nicht nehmen, dem Jubilar zu gratulieren, darunter Künzells Bürgermeister Timo Zentgraf mit seiner Frau Sabine, Landtagsabgeordneter Sebastian Müller und Landrat Bernd Woide. Eine ganz besondere Rolle nahm zudem Michael Brand ein, der an diesem Abend an erster Stelle als stolzer ehemaliger Dorfbewohner und erst an zweiter Stelle in seiner Funktion als Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend sprach.

Gleich zu Beginn sprach Carlo Hahner ein Thema an, das vielen Gästen sichtlich unangenehm im Hinterkopf saß – die schreckliche Gewalttat vom vergangenen Samstag: „Was passiert ist, kann man nicht vergessen, aber wir lassen uns die Feier nicht verbieten.“ Mit diesen Worten sprach er dem gesamten Dorf aus der Seele, das sich nun ganz auf sein großes Jubiläum fixiert. Um den geschichtsträchtigen Ort vorzustellen, wurde ein Kurzfilm präsentiert, der eindrucksvoll zeigte, dass vor allem die intensive Vereinsarbeit von der Freiwilligen Feuerwehr über den Gesangverein bis hin zum Fußball das lebendige Rückgrat und die Gemeinschaft in Engelhelms bildet. Auch Ortsvorsteher Björn Böhm würdigte diese Strukturen als das eigentliche Fundament des Ortes und blickte mit einem breiten Lächeln sehr zuversichtlich auf die kommenden Festtage: „Die Vereinsgemeinschaft ist das Rückgrat von Engelhelms. Es ist Wahnsinn, was hier in den letzten Monaten abgerissen wurde.“ Das Programm des restlichen Wochenendes verspricht jedenfalls noch einiges. Am Samstag steht die feierliche Enthüllung des neuen Gedenksteins zum 750-jährigen Bestehen an, gefolgt von einer weiteren spannenden Wette gegen Bürgermeister Timo Zentgraf, bei der versucht wird, 750 Menschen gleichzeitig singend auf die Bühne zu bringen, bevor am Abend die bekannten „Dorfrocker“ für Partystimmung sorgen. Der Festsonntag beginnt wiederum mit einem feierlichen Gottesdienst und reichlich Musik, dargeboten vom Männergesangverein, dem Orchester der Freiwilligen Feuerwehr Dirlos, dem Hauneklang Dietershausen und dem Geselligkeitsverein Künzell.

Im Zuge seiner Festansprache bezeichnete Bürgermeister Timo Zentgraf das Jubiläum als gelebte Geschichte, scherzte jedoch gleichzeitig, dass Engelhelms eigentlich viel älter als 750 Jahre sein müsse, da die örtliche Kirche auf dem Florenberg schließlich schon länger als 1100 Jahre stehe und irgendwer sie ja schließlich gebaut haben müsse. „Engelhelms wird durch die Menschen geprägt. Ich erfahre hier immer gegenseitiges Schätzen und gemeinsame Freude“, lobte Zentgraf und hob hervor, dass der hiesige Männergesangverein mittlerweile der einzige verbliebene reine Männerchor in der gesamten Gemeinde Künzell sei. Er plädierte leidenschaftlich an die Gäste, auch in Zukunft weiter gemeinsam zu lachen, zu feiern und für Engelhelms da zu sein, bevor am späteren Abend auch noch die rund 272 Seiten starke neue Dorfchronik mit viel Humor offiziell vorgestellt wurde. Auch Landrat Bernd Woide und Landtagsabgeordneter Sebastian Müller sparten in ihren Grußworten nicht mit Lob für das intakte Dorfleben. „Heimat ist das, wo man Gemeinschaft pflegt – und das ist hier im Ort sehr stark zu spüren. Für die Zukunft wünsche ich das, was viele Generationen in Engelhelms hatten und was in Deutschland etwas verloren gegangen ist: Zuversicht“, betonte Woide sichtlich beeindruckt. Sebastian Müller ergänzte mit Blick auf die rund 30 Generationen der Dorfgeschichte: „Ein solches Fest für alle Generationen finde ich spitze. Hier wird Zukunft geschaffen und ich bin sicher: Euch steht eine große Zukunft bevor.“

Die letzten emotionalen Worte des offiziellen Teils gehörten schließlich Michael Brand, der als waschechter Einheimischer die Sympathie für seine Heimat unumwunden klarmachte: „Der bedeutendste Ort im Landkreis Fulda ist natürlich Engelhelms.“ Dies traf im Zelt umgehend auf tosenden Applaus. Brand berichtete offen von seinen Reisen in alle Welt und der Erkenntnis, wie wichtig eine feste Heimat ist, zu der man sich tief verbunden fühlt. Für ihn persönlich sei das Engelhelms, der Ort, an dem seine lebenslange Leidenschaft für den 1. FC Köln begann und er als Zeitungsausträger einst sein allererstes eigenes Geld verdiente. „Es gibt im Grunde nur zwei Orte, an denen ich in erster Linie einfach als Mensch und nicht nur als Politiker wahrgenommen werde, wo die Leute mich noch ganz direkt fragen, wie es mir geht und was ich so mache“, gab Brand ehrlich zu. Dazu gehöre neben dem Dorf Brand in der Gemeinde Hilders, wo er traditionell leidenschaftlich gerne beim Karnevalsevent „Ball der Stadt Brand“ erscheint, eben ganz besonders sein Heimatort Engelhelms. Getreu den Worten seiner Mutter, niemals zu vergessen, wo man eigentlich herkommt, wünschte er allen Anwesenden und den noch kommenden Gästen ein unvergessliches Jubiläumsfest.

Der krönende Schlusspunkt leitete schließlich über zur lang ersehnten Auflösung der großen Stadtwette mit Michael Brand. Der Ort hatte mit dem Spitzenpolitiker gewettet, dass man es anlässlich des Jubiläums schaffe, mindestens 750 Menschen zu motivieren, das Deutsche Sportabzeichen für den SV Engelhelms abzulegen. Nach zahlreichen herzlichen Danksagungen an alle Verantwortlichen stieg die Spannung im Festzelt spürbar an. Unter tosendem Trommelwirbel wurde schließlich das sensationelle Endergebnis verkündet: Sagenhafte 909 Sportabzeichen wurden erfolgreich abgelegt. Für Michael Brand bedeutet der verlorene Wetteinsatz nun, dass er eine Delegation von insgesamt 50 Personen zu einem politischen Wochenende nach Berlin einlädt, inklusive einer exklusiven Besichtigung des Reichstags. Michael Brand war insbesondere vom Sportabzeichen-Organisationsteam so begeistert, dass er Engelhelms als Austragungsort der nächsten Olympischen Spiele vorschlug. Mit diesem Kraftakt habe Engelhelms einmal mehr bewiesen, was diesen Ort wirklich auszeichnet: Eine starke, hilfsbereite und zutiefst persönliche Gemeinschaft, die zusammensteht, anpackt und gebührend feiert. Nach den offiziellen Reden und dem spürbaren Stolz im Zelt ging der Abend nahtlos in pure Partyfreude über, als DJ Abdul den Plattenteller übernahm und die Engelhelmser bis tief in die Nacht hinein ausgelassen tanzen ließ.