Bürgermeisterin Anke Hofmann sprach von einer Festspielsaison, auf die Bad Hersfeld mit großer Dankbarkeit zurückblicke. Begünstigt durch beständiges Sommerwetter und eine positive Resonanz sei das Jubiläumsjahr bislang etwas Besonderes. "Wir sind sehr angetan von den Rückmeldungen, die wir auf diese Festspielsaison erhalten haben", sagte Hofmann. Gleichzeitig hob sie die enge Partnerschaft mit der Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg hervor. Ohne starke Unterstützer sei ein Festival dieser Größenordnung kaum denkbar. "Wir wissen das sehr zu schätzen und wissen auch, dass das keineswegs selbstverständlich ist."
Dabei erinnerte sie auch an die Wurzeln der Festspiele. Vor 75 Jahren seien sie aus der Bürgerschaft heraus entstanden und würden bis heute von den Menschen der Region getragen. Genau diesen Gedanken habe man im Jubiläumsjahr wieder stärker in den Mittelpunkt rücken wollen.
Eine zentrale Rolle spielt dabei das Community-Projekt "HERZfeld Wir26". Bereits seit Monaten beteiligen sich Bürgerinnen und Bürger mit Chorproben, Workshops, Häkeltreffen, Kunstaktionen oder Mitmachprojekten am Jubiläumsjahr. Für Intendantin Elke Hesse war das von Beginn an ein Herzensanliegen. "Die Festspiele wurden von Bürgerinnen und Bürgern gegründet. Deshalb war es mir wichtig, diese Verbindung wieder stärker sichtbar zu machen", sagte Hesse. Kunst entstehe nicht einseitig, sondern immer im Austausch mit den Menschen. Genau das habe das Projekt gezeigt.
Besonders freute sie sich über den Beatboxing-Workshop mit der Band "The Razzzones", den die Sparkasse unterstützte. Jugendliche konnten dort gemeinsam mit professionellen Künstlern erste Erfahrungen sammeln und das Erlernte noch am selben Abend auf der Bühne präsentieren. "Gerade Jugendliche für Kultur zu begeistern, ist nicht einfach. Umso schöner war zu sehen, mit welcher Begeisterung sie dabei waren", sagte Hesse.
Auch weitere Aktionen wie ein Malwettbewerb zum Familienstück "Pippi Langstrumpf", das nostalgische Geschichten-Telefon oder zahlreiche Mitmachangebote sollten Menschen erreichen, die bislang wenig Berührungspunkte mit den Festspielen hatten. "Ich glaube, wir konnten viele Menschen für Kunst und Kultur begeistern, die vorher vielleicht keinen Zugang dazu hatten."
Die Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg unterstützt die Festspiele bereits seit Jahrzehnten mit jährlich mehr als 100.000 Euro. Vorstandsmitglied Ingo Lange bezeichnete die Kulturförderung als festen Bestandteil des öffentlichen Auftrags der Sparkassen. "Die Förderung der Kultur gehört zu unserer DNA", sagte Lange. Die Verbindung zu den Festspielen sei dabei kein Zufall. Schon einer der Gründungsväter der Festspiele, der damalige Sparkassendirektor Heinrich Lübcke, habe sich 1950 maßgeblich für die Entstehung eingesetzt.
Neben der kulturellen Bedeutung hob Lange vor allem die wirtschaftlichen Effekte hervor. Schon Wochen vor der Premiere kämen Schauspieler, Techniker und Mitarbeitende nach Bad Hersfeld, lebten in der Stadt und sorgten für zusätzliche Kaufkraft. Während der Festspiele würden mehr als 100.000 Besucher erwartet. "Von dieser Wertschöpfung profitiert die gesamte Region", betonte Lange. Handel, Gastronomie, Hotellerie und viele weitere Bereiche würden unmittelbar von den Festspielen profitieren. Auch die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen unterstützt das Festival seit vielen Jahren. Geschäftsführer Jörg Klinge sprach von einer Partnerschaft, die weit über finanzielle Förderung hinausgehe.
"Kultur bringt Menschen zusammen", sagte Klinge. Gerade nach den Erfahrungen der Corona-Pandemie sei deutlich geworden, wie wichtig Orte der Begegnung seien. Die Festspiele schafften genau diese Räume und stärkten das gesellschaftliche Miteinander.
Auch Intendantin Elke Hesse zog wenige Tage vor dem Ende ihrer ersten Festspielsaison ein positives Fazit. Obwohl die Telefone in der Kartenzentrale weiterhin heiß liefen und ein endgültiger Rückblick erst nach Saisonende möglich sei, falle ihre bisherige Bilanz sehr positiv aus. "Ich bin sehr glücklich und vor allem sehr dankbar", sagte sie. Seit ihrem Amtsantritt am 1. Mai habe sie praktisch keinen freien Tag gehabt. "Aber genau so sollen Festspiele auch sein." Gleichzeitig laufen bereits die Vorbereitungen für das kommende Jahr. Das Programm der Saison 2027 werde bereits am 1. September vorgestellt.
Großen Dank richtete Hesse an das gesamte Ensemble, die Verwaltung, die Produktionsleitung sowie alle Mitarbeitenden hinter den Kulissen. Gerade dort werde täglich improvisiert und auf neue Situationen reagiert. "Das Publikum sieht am Ende die Aufführung. Aber was hinter den Kulissen geleistet wird, ist enorm."
Helgo Hahn blickte während der Pressekonferenz zudem auf die Geschichte der Bad Hersfelder Festspiele zurück. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts habe es erste Ideen für Theateraufführungen in der Stiftsruine gegeben. Nach dem Zweiten Weltkrieg seien schließlich engagierte Bürgerinnen und Bürger aktiv geworden und hätten gemeinsam mit Persönlichkeiten wie Sparkassendirektor Heinrich Lübcke den Grundstein für die heutigen Festspiele gelegt. Dass dieses bürgerschaftliche Engagement bis heute fortlebe, zeige sich nicht zuletzt an den zahlreichen Unterstützern und den inzwischen rund 400 Mitgliedern der Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine.
Für Schauspieler Thieß Brammer, der in diesem Jahr die Titelrolle in "Parzival" spielt, ist genau dieses Miteinander das Besondere an Bad Hersfeld. "Was hier entsteht, ist weit mehr als Theater", sagte Brammer. Besonders beeindrucke ihn die Begeisterung der Menschen für die Festspiele. "Man spürt den Stolz der Menschen, dass hier Kultur stattfindet." Auch innerhalb des Ensembles sei in diesem Sommer etwas Besonderes entstanden. Die Produktionen hätten sich gegenseitig besucht und unterstützt, was keineswegs selbstverständlich sei.
Brammer betonte zudem die gesellschaftliche Bedeutung von Kultur. Wenn auch nur ein Besucher nach einer Vorstellung mit neuen Gedanken nach Hause gehe, habe sich die Arbeit bereits gelohnt. Kultur müsse Menschen berühren, zum Nachdenken anregen und Begegnungen schaffen. "Für mich sollte Kultur eigentlich ein Grundnahrungsmittel sein", sagte der Schauspieler.
Bis zum Ende der Jubiläumsspielzeit stehen noch mehrere Vorstellungen auf dem Programm. Danach richtet sich der Blick bereits auf die kommende Saison. Eines wurde bei der Pressekonferenz jedoch deutlich: Nicht nur die Aufführungen auf der Bühne prägen das Jubiläumsjahr, sondern vor allem das gemeinsame Engagement von Stadt, Partnern und Bürgerinnen und Bürgern – ganz im Sinne der Idee, aus der die Bad Hersfelder Festspiele vor 75 Jahren entstanden sind.b
